Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Bildung Sponsoren für den Schulbesuch

Freie Schulen müssen nicht teuer sein, manche sind es aber. Wo Eltern finanzielle Unterstützung für den Privatschulbesuch ihrer Kinder erhalten.

Ulrike Heitze | , aktualisiert


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Teure Internate 

Eltern wollen eine alternative Schulausbildung für ihre Kinder. Anders lassen sich die seit Jahren wachsenden Zahlen von Privatschulen und -schülern kaum interpretieren.

Mittlerweile besucht jeder zwölfte Schüler in Deutschland eine der gut 5400 allgemein- oder berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft. Gleichzeitig bedeutet das, dass immer mehr Eltern bereit sind, für den Unterricht ihrer Kinder tiefer als bisher in die Tasche zu greifen.

Denn im Gegensatz zu staatlichen Schulen kosten freie trotz anteiliger Bezuschussung durch die Bundesländer in vielen Fällen Schulgeld. Wie hoch dieses konkret ausfällt, hängt vom Wohnort, der Schulart, dem Schulträger und dem in Anspruch genommenen Leistungsumfang ab und kann von weniger als hundert Euro bis einige Tausend Euro pro Monat – insbesondere in der Internatsvariante – reichen. 

Schulgeld bis zu 5000 Euro von der Steuer absetzbar

Damit Eltern den Privatschulbesuch ihres Nachwuchses leichter schultern, gibt es verschiedene Wege der finanziellen Unterstützung. Der Klassiker: die Ausgaben von der Steuer absetzen. 30 Prozent des Schulgelds, maximal 5000 Euro pro Jahr, gehen als Sonderausgaben durch.

Berücksichtigt werden die Kosten für den laufenden Schulbetrieb, allerdings nicht die für Verpflegung und Unterbringung, Schulbücher oder Fahrtkosten.


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Außergewöhnliche Belastung und Schüler-Bafög

Ausgaben, die über den Höchstbetrag hinausgehen, können als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden, wenn bei dem Kind eine Behinderung oder eine Lernstörung wie etwa ADHS diagnostiziert wird, die den Privatschulbesuch unbedingt nötig macht.

Weitere Unterstützung seitens des Staats können die Jugendlichen selbst via Schüler-Bafög erhalten.

Wer ab der zehnten Klasse das Elternhaus zum Schulbesuch notwendigerweise verlassen muss, bekommt bis zum Abschluss unter gewissen Voraussetzungen bis zu 465 Euro monatlich plus Zuschuss zur Kranken- und Pflegeversicherung ganz ohne Rückzahlungsverpflichtung.

Kostenlose Plätze und Geschwisterrabatte im Angebot 

Aber auch die Privatschulen selbst tun einiges, um die Ausgaben für Familien im Rahmen zu halten – nicht ganz uneigennützig, denn schon das Grundgesetz gibt ihnen vor, dass Kinder nicht wegen der Besitzverhältnisse der Eltern beim Schulbesuch außen vor bleiben dürfen.

"Viele Schulen in freier Trägerschaft staffeln das Schulgeld deshalb nach dem Einkommen der Eltern, halten kostenlose Plätze für Kinder einkommensschwacher Familien vor und bieten Geschwisterrabatte an", erklärt Florian Becker vom Privatschulverband VDP.


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Stipendien als Randbereich

So gibt es etwa an der Merkur Akademie International mit ihren Comenius Ganztagsrealschulen in Karlsruhe und ihren Wirtschaftsgymnasien in Karlsruhe und Mannheim für Geschwisterkinder 30 Prozent Nachlass auf die monatlichen 380 Euro Schulgeld.

Jenseits der mittleren Reife können Schüler eine Studienförderung erhalten, die die Rückzahlung der Gebühren erst nach Abschluss der Schulzeit vorsieht.

Auch Stipendien können Kindern von finanziell schlechter gestellten Eltern zum Besuch privater Schulen verhelfen. "Diese Form der Finanzierung ist zwar eher ein Randbereich, die Stipendienlandschaft ist für Schüler nicht sehr üppig", stellt Andreas Buschmann, Ansprechpartner für die Schülerstipendien beim Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, fest.

Reservierte Fördertöpfe

Aber wer ein bisschen Energie in die Suche steckt, wird Angebote finden können. Erste Anlaufstelle sind dabei die Privatschulen selbst.

Viele - insbesondere die sehr kostspieligen - halten gratis oder bezuschusste Plätze für weniger Begüterte bereit und finanzieren diese etwa über ihre Alumni-Netzwerke, Elternvereine und Spenden oder gewinnen externe Stiftungen, Fördertöpfe eigens für ihre Schülerschaft zu reservieren.


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Gängige Praxis

So erhält am Internatsgymnasium Schloss Neubeuern in der Nähe von Rosenheim momentan rund jeder fünfte Schüler ein Teilstipendium, das zwischen zehn und 50 Prozent – maximal 1300 Euro – der monatlichen Internatskosten von etwa 2600 Euro finanziert.

Auch an der renommierten Privatschule Schloss Salem werden derzeit über 20 Prozent der Schüler durch Stipendien unterstützt, die aus der hauseigenen Kurt-Hahn-Stiftung, der Robert-Bosch-Stiftung, der Beckschen Stiftung und der Dornier-Stiftung gespeist werden.

Die Förderung reicht vom einkommensunabhängigen Pauschalverzicht über 600 Euro pro Monat für begabte Schüler bis zur Übernahme von maximal 80 Prozent der Kosten bei weniger gut betuchten Eltern.

Mit detektivischem Gespür

"Als Richtschnur haben wir uns gesetzt, dass auch bei der Förderung durch Stipendien mindestens 20 Prozent des Schulgeldes von den Eltern selbst aufgebracht werden sollte", erklärt Suzan Hahnemann, Sprecherin der Schule. Im Fall Salem wären das 500 bis 600 Euro monatlich.

Die Suche nach Förderern, die sich schulübergreifend engagieren, erfordert von Eltern Geduld und detektivisches Gespür.


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Zweck- und zielgruppenbestimmte Stiftungsfonds

Dutzende Stiftungen halten bundesweit Gelder für unterschiedlichste Zwecke und Zielgruppen parat, man muss allerdings erst einmal die für den eigenen Fall passende finden, bevor überhaupt an eine Bewerbung zu denken ist.

So unterstützt etwa die Gustav-Schickedanz-Stiftung bedürftige begabte Schüler - solange sie in Bayern wohnen und im Idealfall evangelisch sind.

Der Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds vergibt jährlich 40 Stipendien für Schüler ab der zehnten Klasse, um ihnen trotz finanzieller Engpässe daheim das Abitur zu ermöglichen.

Nur ausnahmsweise Eliteförderung

"Wir fördern rund ein Viertel bis ein Drittel aller Bewerber, wollen durch unsere Teilstipendien aber bevorzugt Finanzierungslücken in den Familien decken und keine Eliteförderung betreiben", erklärt Andreas Buschmann vom Stiftungsfonds.

"Deshalb unterstützen wir zwar auch Privatschul- und Internatsbesuche mit Zuschüssen, aber nur da, wo es eben angemessen ist. Etwa wenn für eine Hochbegabung eine ganz spezielle Schule wichtig ist."


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Schwierige Auswahlverfahren

Welcher Fördertopf für das eigene Kind und die angepeilte Schule offen steht, müssen Eltern deshalb in kleinteiliger Handarbeit selbst recherchieren. Die allgemeine Stipendiendatenbank des Bundesbildungsministeriums stipendienlotse.de gibt hier zumindest erste Anhaltspunkte.

Allen Stipendiengebern ist aber gemein, dass sie vom Nachwuchs gute Noten sowie mal mehr, mal weniger wissenschaftliches oder soziales Engagement erwarten.

Vierer-Kandidaten ohne besondere Leidenschaften werden es deshalb schwer haben, in den oft mehrstufigen Auswahlverfahren förderwürdiges Potenzial zu belegen.


Foto: contrastwerkstatt/Fotolia.com

Der Inhalt www.stipendienlotse.de ist die Stipendien-Datenbank des Bundesbildungsministeriums. Sie umfasst die Förderangebote öffentlicher wie privater Geldgeber, meist Stiftungen, für Bildungsprojekte im In- und Ausland.

Studierende und Doktoranden, aber auch Schüler und Berufstätige finden hier Stipendien für Hochschulbesuche, Forschungsvorhaben oder -reisen, Praktika, Lebenshaltungskosten oder Studiengebühren.

Die Suche
Die Datenbank beinhaltet rund 800 Voll- und Teilstipendien sowie Wettbewerbe. Über die Suchfunktion lassen sich Angebote nach Zielgruppen filtern, die Detailsuche ist mühsam.

Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...