Bildung Firmen geben Starthilfe

Die Mitarbeiter von heute binden, die Mitarbeiter von morgen bilden – eine gute Schule in der Nähe wird für Unternehmen zunehmend zum Standortvorteil. Die Wirtschaft engagiert sich immer mehr bei der Gründung von Schulen.

Kirstin von Elm | , aktualisiert


Foto: Klaus Eppele/Fotolia

Soziales mit Nützlichem verbinden

Ein Konzept zur Begabungsförderung, ausgetüftelt von europäischen Pädagogen und Bildungsforschern, kleine Lerngruppen und intensive Betreuung – die Neue Schule Wolfsburg bietet, was viele Eltern sich für ihre Kinder wünschen. Dazu gibt es noch helle, moderne Klassenräume, Ganztagsbetreuung, gemeinsames Frühstück und Mittagessen, zahlreiche Arbeitskreise und bilingualer Unterricht durch ein internationales Kollegium.

Im Schuljahr 2009/2010 ist sie mit zwei ersten und vier fünften Klassen gestartet. Mittlerweile lernen hier rund 380 Schüler. Die Nachfrage übersteigt bei weitem die Zahl der freien Plätze. Kein Wunder, denn obwohl es sich um eine private Schule handelt, wird trotz der vielen Pluspunkte kein Schulgeld erhoben.

Möglich macht das mit dem Volkswagen-Konzern ein finanzstarker Partner. Der ortsansässige Automobilriese hat die Anlauffinanzierung übernommen und wird die Schule auch weiterhin finanziell und personell unterstützen.

VW liegt mit Bildungsangebot im Trend

Den Vorsitz des Trägervereins führen die VW-Manager Jürgen Haase und Matthias Gronemann. Als Geschäftsführer der Volkswagen Coaching ist Haase für das Thema Aus- und Weiterbildung zuständig und weiß, welche Anforderungen ein Weltkonzern an künftige Praktikanten, Azubis und Berufseinsteiger stellt.

Sich für Bildung zu engagieren, liegt bei Unternehmen im Trend. Immer mehr Chefs unterstützen Kindergärten, Schulen oder Hochschulen in ihrem Einzugsgebiet – durch Sach- und Geldspenden, Praktika, Vorträge oder Projekttage.


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Als attraktiver Arbeitgeber punkten

Damit wollen sie soziale Verantwortung – neudeutsch Corporate Social Responsibility – demonstrieren. Mit der Gründung einer "eigenen" Schule gehen einige aber deutlich über den klassischen Beitrag zum Gemeinwohl hinaus.

Sie möchten mit ihrem Engagement besonders bei den international orientierten Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber punkten.

So unterhält der Volkswagen-Konzern Werke und Verkaufsniederlassungen auf fünf Kontinenten und viele Karrieren verlaufen international. Experten und Führungskräfte, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, oder Deutsche, die für einige Zeit anderswo arbeiten wollen, wünschen sich für ihren Nachwuchs eine international ausgerichtete Schule und fragen auch in Bewerbungsgesprächen immer öfter danach.

Die "Neue Schule"

Mit der Neuen Schule Wolfsburg hat Volkswagen seit zwei Jahren eine Antwort. Die Schule bietet unter anderem Sprachkurse und Förderangebote für Kinder ohne Deutsch-Kenntnisse oder Schüler, die durch einen Umzug mitten im Schuljahr ein- oder aussteigen.
 
Viele Lehrer haben statt Deutsch Englisch, Spanisch oder sogar Chinesisch als Muttersprache. Und künftig sollen an der Neuen Schule auch internationale Schulabschlüsse möglich sein.


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Lösungen für die Provinz

Diese gibt es schon an der International School Ruhr in Essen. Diese Ganztagsschule mit angeschlossenem Kindergarten ist im Sommer 2010 gestartet – maßgeblich unterstützt vom Initiativkreis Ruhr.

Rund 70 Unternehmen machen sich in diesem Zirkel für die Regionalförderung stark, darunter Großunternehmen wie Bayer, Eon, RWE und Thyssen-Krupp ebenso wie auch die Verlagsgruppe Handelsblatt. Bei der Schulgründung haben sich die Mitglieder des Initiativkreises für ein praxiserprobtes Konzept eines professionellen Schulträgers entschieden.

Der Schweizer Bildungsanbieter SBW Haus des Lernens ist spezialisiert auf kleine und mittlere Schulen mit internationaler Ausrichtung und betreibt mehrere sogenannte Lernhäuser in der Schweiz und in Süddeutschland. Ähnlich wie die Neue  Schule Wolfsburg setzt SBW auf ein multinationales Lehrerteam, Unterrichtssprache ist Englisch.

Firmen zeigen steigendes Interesse

Das Schulgeld an der International School Ruhr liegt nach Angaben der Schule bei rund 12.000 Euro im Jahr, hinzu kommen Essensgeld und Spätbetreuung. Unternehmen wie RWE und Siemens bezuschussen einigen ihrer Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland die Schulplätze für deren Kinder.

Das steigende Interesse von Firmen an attraktiven Schulangeboten hat inzwischen auch der Bildungskonzern Klett für sich entdeckt. Gemeinsam mit dem Schweizer Bildungsunternehmen Kalaidos betreibt der Stuttgarter Schulbuchverlag in Deutschland schon vier Swiss International Schools (SIS).


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Maßgeschneiderte Angebote

Zwei Schulen in Ingolstadt und Friedrichshafen sind auf ausdrücklichen Wunsch und mit finanzieller Unterstützung der Industrieunternehmen vor Ort entstanden. "Außerhalb der Großstädte herrscht eher ein Mangel an internationalen Angeboten und hochwertiger Ganztagsbetreuung", sagt Anke Klein. Sie ist Geschäftsführerin der neuen Klett Beteiligungsgesellschaft für Bildungsdienstleistungen, die sämtliche Betreuungs- und Bildungseinrichtungen des Konzerns bündelt.

Zum nächsten Schuljahr will Klett in Stuttgart die erste private Grundschule unter dem Namen Galileo eröffnen.

Weitere sollen folgen, vor allem in Kooperation mit Unternehmen. Denen will der schwäbische Bildungskonzern dann auf Wunsch auch maßgeschneiderte Angebote unterbreiten.

Die Mütter im Blick

"Insbesondere mittelständische Unternehmen in der Region müssen dem Fachkräftemangel begegnen", sagt Anke Klein. Also zum Beispiel mit Ganztagsschulen, die berufstätige Mütter nicht mehr mittags nach Hause zwingen.

Oder auch mit Grundschulen, die besonders technisches Interesse wecken und den Forschergeist der Kinder intensiv fördern wollen.

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