Bewertungsportal meinpraktikum.de "Erkennen, wo sich ein Praktikum lohnt"

Bücher, Mobiltelefone, sogar Dozenten – vieles aus ihrem Alltag bewerten Studenten seit Jahren im Internet. Nur ihre Meinung zu Praktika blieb bislang offline. Die Studenten Daniel Pütz und Stefan Peukert änderten dies. Ein Gespräch über ihr Bewertungsportal meinpraktikum.de – und kritische Praktikanten.

Interview: Nils Hille | , aktualisiert

 
Foto: PR  
Erfolgreiche Gründer

Eine gute Idee und ein geringes Budget – das war die Ausgangssituation der beiden Master-Studenten Daniel Pütz (links) und Stefan Peukert, als sie ihre Plattform meinpraktikum.de zur Praktikumsbewertung starteten. Um sie dennoch erstellen zu können, nahmen sie Kredite auf und aktivierten ihr privates Netzwerk. Viele ihrer Kontakte, darunter Web- Gestalter und Programmierer, halfen weiter und verzichteten auf Lohn. Momentan arbeiten die beiden Alleininhaber in Vollzeit an der Weiterentwicklung ihrer Seite. Ihr Aufbaustudium an der Universität Witten/ Herdecke haben die beiden Diplomanden dafür auf unbestimmte Zeit verschoben.

Herr Pütz, Herr Peukert, wussten Sie nach einem schlechten Praktikum nicht wohin mit Ihrem Frust – oder wie kamen Sie auf die Idee für das Bewertungsportal meinpraktikum.de?

Peukert: Nein, so schlimm war es nicht. Wir saßen vor anderthalb Jahren mit Kommilitonen in einer Hamburger Kneipe. Im Gespräch kamen wir auf unsere Praktikumserfahrungen. Jeder hatte andere Eindrücke gesammelt. Schließlich stellten wir uns die entscheidende Frage: Wieso wissen Studenten vor einem Praktikum nur selten, ob es sich lohnt oder nicht? Das Thema ließ uns keine Ruhe mehr. Wir suchten im Internet, fanden kein reines Praktikumsbewertungsportal und wollten nun unbedingt selbst eins entwickeln.

Welches Ziel haben Sie sich dabei gesetzt?

Pütz: Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der möglichst viele Studenten qualifizierte Praktikumsbewertungen abgeben. Dazu haben wir einen ausführlichen Fragebogen entwickelt, den sie für jede Beurteilung ausfüllen müssen. Es geht uns nicht darum, Unternehmen mal eben negativ vorzuführen. Vielmehr sollen Hochschüler vorher erkennen, wo sich für sie ein Praktikum lohnen kann und wo nicht.

Wie hilfreich können subjektive Bewertungen anderer Studenten für die eigene Suche sein?

Peukert: Nur ein, zwei Beurteilungen für ein Unternehmen sind sehr subjektiv und geben nur erste Einblicke. Sind aber schon zehn oder 20 qualifizierte Einschätzungen zusammengekommen, ergeben diese ein ganz gutes Bild, wie das Unternehmen mit Praktikanten umgeht. Schreiben alle Studenten Negatives, können sich andere gleich die Bewerbung und somit den Frust sparen.

Sollte ein Praktikant bei negativen Erfahrungen nicht direkt versuchen, etwas zu ändern?

Peukert: Natürlich liegt die Qualität eines Praktikums auch in der eigenen Verantwortung. Niemand sollte sich beschweren, wenn er ab und zu Hilfstätigkeiten übernehmen muss, solange er ansonsten gut in das Team und die Arbeit eingebunden ist. Bekommt der Praktikant aber nach den ersten Einführungstagen keine sinnvollen Aufgaben, muss er kommunizieren, was er lernen möchte.

Woher glauben Sie zu wissen, welche Fragen sich Praktikumssuchende stellen?

Pütz: Wir haben uns einen kleinen Bus gemietet und sind damit 5.552 Kilometer zu den 20 größten deutschen Universitäten gefahren. Auf dieser Tour konnten wir uns nicht nur von den Studenten die ersten 800 Fragebögen ausfüllen lassen, sondern sie auch nach Wünschen für unser Portal befragen. Viele möchten vorab einen Blick hinter die Fassade des Unternehmens werfen. Dazu können die Firmen Fotos und Videos von den potenziellen Arbeitsplätzen und Kollegen auf unsere Seite stellen. Auch Interviews mit dem Personalchef und Stellenanzeigen sind möglich.

Dies alles zählt zu dem kostenpflichtigen Teil eines Unternehmensprofils, womit Sie Ihre Seite finanzieren. Wie können Sie bei Firmen als zahlenden Partnern unabhängig bleiben?

Pütz: Keines der Unternehmen hat bisher von uns verlangt, negative Praktikumsbewertungen von der Seite zu entfernen. Und dem würden wir auch nie nachgeben. Das zerstört nicht nur die Grundidee von meinpraktikum.de, sondern auch die Glaubwürdigkeit unseres Bewertungsportals, das für alle offen ist.

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