Bewerbungsmappe "Allzu perfekte Bewerber sind nicht authentisch"

"Teamfähig, belastbar, effektiv" - Sind das die Eigenschaften, die ein Personaler von seinen Bewerbern erwartet? Ernüchternd ist: Personalleiter suchen nicht den rundum perfekten Bewerber, sondern jemanden, der für die offene Stelle wie maßgeschneidert ist.

Katharina Hodes | , aktualisiert

Zwei von drei deutschen Personalern entscheiden anhand der Bewerbungsmappe in weniger als zehn Minuten, ob ein Bewerber in Frage kommt. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Personaldienstleisters Robert Half. Bei ihrer schriftlichen Bewerbung sollten Kandidaten also alle Register ziehen. Doch wie können Bewerber auf wenigen Seiten einen fremden Menschen von ihrer Eignung überzeugen?

Im Grunde suchen alle Personalentscheider im Anschreiben nach denselben Dingen. Robert Szwedo, Abteilungsdirektor Personalmanagement des Versicherers Axa, sagt stellvertretend für seine Kollegen: „Ich suche gezielt nach Ankerpunkten, wie Ausbildungen, Praktika oder Diplomarbeitsthemen, die für das gesuchte Profil relevant sind.“

Neben ihrer Paßgenauigkeit müssen Bewerber glaubhaft vermitteln, warum sie sich für ein Unternehmen entschieden haben und welchen Mehrwert sie bieten können, heißt es aus der Deutschen Bank.

Diese drei Punkte bilden eine gute Gliederung für das Anschreiben. Die Kunst liegt allerdings darin, sich kurz zu fassen. Floskeln sollten sich Kandidaten sparen, genauso wie leere Adjektive wie „teamfähig, motiviert und stressresistent“, die sich nicht durch konkrete Beispiele belegen lassen.

Der Personalvorstand der Versicherungsfachgruppe HDI, Thomas Emmert, rät auch davon ab, die Beschreibungen aus Stellenangebot oder Bewerberratgebern zu kopieren: „Klingt ein Bewerber zu perfekt, glaube ich ihm das nicht.“ Authentischer dagegen ist es, seine Persönlichkeiten indirekt vorzustellen, etwa über eventuelle Nebentätigkeiten während des Studiums.

Bewerbung ist erste Arbeitsprobe

Auf die äußere Form der Unterlagen legt jeder Personaler viel Wert, wie die Studie von Robert Half zeigt. Nur 1,8 Tippfehler akzeptieren deutsche Personaler im Durchschnitt und achten somit strenger auf korrekte Orthografie als alle Vertreter anderer Nationen. Nur die wenigsten Personaler tolerieren mangelnde Sorgfalt bei der „ersten Arbeitsprobe“.

Dagegen werden fehlende Unterlagen, wie ein Abschlusszeugnis, das die Hochschule noch nicht erstellt hat, als weniger gravierend eingestuft. „Der Bewerber genießt einen Vertrauensvorschuss, und kann die fehlenden Dokumente problemlos nachreichen“, sagt Michael Schöner, Abteilungsleiter Personalbetreuung bei der Direktbank ING Diba. Thomas Emmert rät dazu, Lücken in der Mappe kurz im Anschreiben anzusprechen: „Dann erst habe ich das Gefühl, dass der Kandidat nichts zu verbergen hat.“

Der größte Faux-pas, den ein Bewerber begehen kann, ist, das gleiche Anschreiben an mehrere Firmen zu schicken. Damit setzen Bewerber ihre Chancen immens herab. „Postwurfsendungen“, „Massenanschreiben“ – Personaler haben viele Ausdrücke dafür. Das gilt inbesondere für E-Mail-Bewerbungen, bei denen es einfach ist, eine Vorlage an mehrere Unternehmen zu senden.

Bei der digitalen Bewerbungsvariante spielt zusätzlich die Dateigröße eine Rolle. Robert Szwedo von der Axa rät, eine einzige Datei von nicht mehr als zwei bis drei Megabyte zu verschicken. „Größere Dateien werden manchmal von der Firewall blockiert.“

Geblümtes Briefpapier ist tabu

Wer sich initiativ bewerben will, hat bei den meisten Personalern gute Karten. Die Deutsche Bank beschränkt das Angebot allerdings auf Kandidaten mit Joberfahrung. Solche Bewerber sollten stets eine Wunschposition angeben, um ihre Zielstrebigkeit zu zeigen. Auch wenn die Bewerbung nicht auf ein konkretes Job-Angebot hin erfolgt, muss sie nicht künstlich Aufmerksamkeit erregen. „Wir lesen jede Bewerbung. Das ist eine Frage des Respekts, denn der Bewerber hat sich Mühe gemacht“, versichert Jens Lautenschläger. Er ist Abteilungsleiter Personalmanagement bei der Postbank.

Mit Bewerbungsmappen in Hochglanzoptik, flippigen Fotos oder geblümten Briefpapier laufen Bewerber Gefahr, sich zu blamieren. „Redegewandtheit und die Kunst sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eine prägnante Aussage, wodurch sich der Bewerber von anderen Bewerbern positiv abhebt – das weckt mein Interesse“, sagt Lautenschläger.

Den richtigen Ton in Anschreiben und Lebenslauf zu treffen, fällt vielen Bewerbern schwer. Michael Schöner von der ING Diba empfiehlt, sich Werbung und Internetauftritt der Firma anzusehen: „Wie ein Unternehmen mit seinen Kunden kommuniziert, ist ein guter Indikator für den Ton in der Belegschaft.“

Falls Kandidaten unsicher sind, ob sie den Anforderungen genügen, oder welche Dokumente wirklich wichtig sind, lohnt ein Anruf im Unternehmen. Er verhilft mitunter zu einem positiven ersten Eindruck, denn der Personaler merkt, dass sich der Bewerber mit der Firma auseinandersetzt. Schöner: „Wer sich am Telefon geschickt verhält, hat schon seine erste Visitenkarte hinterlassen.“

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