Bewerbungsgespräch Selbstsicher zum neuen Job

Eine gute Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch ist äußerst wichtig. Denn manchmal führt ein Jobinterview zur Erkenntnis, dass es mit diesem Arbeitgeber nicht geht.

Tina Groll, Zeit.de | , aktualisiert

Sein letztes Vorstellungsgespräch habe er vergeigt, sagt Christian Meier. "Ich war einfach schlecht vorbereitet." Meier, der bei einem Forschungsinstitut arbeitet, erwägt den nächsten Karriereschritt – raus aus der Forschung, rein in die Wirtschaft. Eher zufällig wurde er auf eine offene Stelle in einem Softwareunternehmen aufmerksam.

Um seinen Marktwert zu testen, bewarb sich der 35-Jährige und wurde prompt zum Vorstellungsgespräch geladen. "Der erste Teil lief noch ganz gut. Der Personalchef und der Abteilungsleiter haben locker über die Firma gesprochen, ich über meinen Werdegang", sagt Meier. "Ich konnte auch gut begründen, warum mir die Stelle attraktiv erschien. Aber dann kam ich ins Schlingern."

Denn Meier hatte sich so gut wie keine Gedanken über inhaltliche Fragen gemacht. Was gefällt Ihnen an unserer Software? Wie fanden Sie das letzte Update? Was würden Sie anders machen? Christian Meier improvisierte und ärgerte sich über seine mangelnde Vorbereitung.

Wie tickt der Bewerber?

Wie ihm geht es vielen Bewerbern in Vorstellungsgesprächen. Dabei ist eine gründliche Vorbereitung sehr wichtig. "Die Gespräche haben ein gängiges Schema. Wer richtig punkten will, kennt den Aufbau und ist auf alle Aspekte vorbereitet", sagt die Karriere-Expertin Simone Janson.

Fast jedes Vorstellungsgespräch beginnt mit einem kleinen Smalltalk, danach berichten die Unternehmensvertreter meist über die Firma und die Arbeit, die den neuen Mitarbeiter erwartet, schließlich werden Fragen an den Bewerber und zu seiner Motivation gestellt. Der potentielle Arbeitgeber will wissen: Wie tickt der Bewerber, wie gut hat er sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt, und passt er ins Team? Ganz zum Schluss geht es häufig bereits um die Vertragsmodalitäten.

Allerdings, betont Janson, ginge es in den Gesprächen in erster Linie um eine Kontaktanbahnung. "Ganz egal, ob Sie sich selbst beworben haben, einen Headhunter beauftragt oder ein Angebot erhalten haben – das Bewerbungsgespräch ist immer eine Chance, sein Netzwerk zu vergrößern, auch wenn nicht sofort ein neuer Job zustande kommt."

Viele Bewerber empfinden ein Vorstellungsgespräch jedoch als unangenehme Herausforderung. Dabei können solche Gespräche auch Spaß machen, sagt Janson. Nämlich dann, wenn der Kandidat selbstsicher ist, seine Stärken und Schwächen kennt und genau weiß, was er will.

"Ich halte wenig davon, wenn man sich ungezielt auf irgendeinen Job bewirbt", sagt die Karriereexpertin. Erfolgreich sei, wer sich vorher genau überlegt hat, warum er sich für eine bestimmte Stelle bewirbt. Welche Perspektiven bietet der Job, welche das Unternehmen? Das Vorstellungsgespräch dient beiden Seiten, um herauszufinden, ob Bewerber und Unternehmen zueinander passen.

Vorstellungsgespräche erweitern den Horizont

Manchmal entpuppt sich die vermeintliche Wunschfirma schon beim ersten Kontakt als falsche Wahl. Diese Erfahrung hat Isabell Brückner gemacht. Die 34-Jährige wollte nach ihrem Volontariat und einigen Jahren als Beraterin in einer PR-Agentur den Sprung in die Kommunikationsabteilung einer Fluggesellschaft schaffen. Sie wurde auch prompt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Gründlich bereitete sich die Medienwissenschaftlerin auf das Interview vor, studierte die Firmengeschichte und Imagebroschüren der Airline, lernte die Namen der Geschäftsführer und Vorstände auswendig.

Brückner verwendete so viel Energie und Zeit auf die Vorbereitung, dass sie gar nicht bemerkte, dass ihr das Unternehmen gar nicht anbot, die Reisekosten und sonstigen Auslagen zu übernehmen. Auch, dass der Termin für das Bewerbungsgespräch zweimal kurzfristig verschoben wurde, fiel ihr zunächst nicht negativ auf.

Als das Interview dann endlich stattfand, war der Leiter der Presseabteilung – und somit ihr möglicher künftiger Chef – gar nicht anwesend. Leider kurzfristig verhindert, hieß es. Stattdessen führte ein Personaler das Interview, der unumwunden zugab, die Bewerbungsunterlagen kaum studiert zu haben. Auch sonst stimmte die Vorstellung vom Traumjob beim Wunschunternehmen kaum mit der Realität überein. "Der Personaler bot mir nicht mal ein Glas Wasser an und führte das Gespräch lustlos und knapp. Viele meiner Fragen konnte er nicht beantworten. Nach nicht mal einer halben Stunde waren wir fertig", erzählt die PR-Mitarbeiterin. Das Interview ließ sie ratlos zurück, schließlich sagte die 34-Jährige von sich aus ab. 

"Vorstellungsgespräche erweitern den Horizont – auch wenn es nicht so läuft wie erhofft", sagt Karriere-Expertin Janson. Für Isabelle Brückner wurden so die positiven Seiten an ihrem Job in der PR-Agentur deutlich. Um negative Erfahrungen zu vermeiden, empfiehlt Janson, sich über Social-Media-Kanäle ein Bild vom Unternehmen zu machen.

"Viele Firmen haben eigene Karriere-Accounts bei Twitter, auf denen sie auf offene Stellen hinweisen, über das Arbeiten in dem Unternehmen und ihre Firmenkultur berichten. Gängig sind auch Karriereseiten auf Facebook, die Einblick ins Unternehmen geben. Auch wenn das gesteuerte Kommunikation ist: Diese Tools sind Fenster in die Firmen", sagt Janson.

Natürlich gehört auch der Blick auf die Unternehmensseite zur Vorbereitung auf ein Interview. Bewerber sollten sich mit den Grunddaten der Firmengeschichte, den relevanten Kennzahlen des Unternehmens, den wichtigsten Ansprechpartnern und ihren Lebensläufen vertraut sein.

Einen Kontakt zu normalen Mitarbeitern über soziale Netzwerke anzubahnen, empfiehlt Janson indes nicht. Auch von einer Kontaktanfrage zu den Personalern und Entscheidern des Arbeitgebers in Spe rät sie ab. "Das kann nach dem Interview geschehen – sofern es denn positiv gelaufen ist. Ansonsten wirkt es zu aufdringlich. Und für die normalen Mitarbeiter kann es arbeitsrechtlich bedenklich sein, Fremden über die Arbeit in ihrem Unternehmen zu erzählen", sagt Janson. Zwar sei es sicher hilfreich, Mitarbeitern der Firma Fragen zu stellen, doch sollten Kandidaten dies nur tun, wenn sie diese Personen ohnehin bereits gut kennen und das Verhältnis diese Fragen auch zulässt.

Stattdessen sei es sinnvoll, sich den Verlauf des Gesprächs vorzustellen und Antworten auf die gängigsten Fragen zu haben – ohne dabei zu lügen. "Personaler merken, wenn Kandidaten nicht die Wahrheit sagen. Darum ist es wichtig, konkludent zu sein", sagt Janson. Der Bewerber muss gut begründen können, weswegen er beim Unternehmen arbeiten will oder wieso er seine alte Firma verlassen möchte.

Nicht schaden kann es zudem, im inhaltlichen Teil des Gesprächs durchaus kritisch zu sein und mit frischen Ideen zu überzeugen. "Genau daran erkennt der Personaler, ob der Kandidat vorbereitet ist oder nicht", sagt Janson. Christian Meier hat mittlerweile entgegen seinen Erwartungen einen Termin für ein weiteres Gespräch mit dem Softwarehersteller bekommen. Trotz seiner improvisierten Antworten im ersten Gespräch hat er es in die nächste Runde geschafft. Für den zweiten Termin hat er etwas mehr Vorbereitungszeit. Die will er nutzen, um mit guten Antworten zu überzeugen.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf Zeit.de

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