Berufsberatung "Was soll ich bloß werden?"

Wenn man trotz Hilfe von Eltern und Freunden bei der Berufswahl nicht weiter kommt, können Berufsberater helfen. Sie ermitteln Stärken, Schwächen und Interessen und zeigen Potenzial auf - für eine Entscheidungsfindung ohne Bauchschmerzen.

Dorothee Fricke | , aktualisiert

Je näher das Abi rückt, desto öfter kommt die Frage: „Und, was willst Du jetzt machen?" Glücklich, wer schon immer wusste, dass er Meeresbiologe werden will oder schon längst Bewerbungen für eine Banklehre verschickt hat. Bei vielen verursacht die Frage einfach nur Bauchschmerzen.

Angesichts von 8980 grundständigen Studiengängen und 343 anerkannten Ausbildungsberufen allein in Deutschland können sie sich nicht entscheiden, und weder mit Papas Vorschlag, Jura zu studieren, um später mit in die Kanzlei einzusteigen, noch mit dem Zeitungsausschnitt über den Mangel an Ingenieuren, den Onkel Hans ihnen letztens in die Hand gedrückt hat, etwas anfangen.

Für solche Fälle gibt es Profis, die bei der Berufsfindung helfen. Einige Berufsberater oder sogenannte Coaches haben sich auf die Zielgruppe Schulabgänger spezialisiert und bieten Gruppenworkshops oder Einzelberatungen an. Das gibt es in der Regel nicht umsonst: Die Kosten liegen ab etwa 150 Euro für einen Gruppenworkshop bis zu vierstelligen Beträgen für eine längere Begleitung im Einzelfall. Damit sich eine solche Ausgabe lohnt, ist es wichtig, den richtigen Berater zu finden und zu wissen, was man erwarten kann und was nicht.

Die Entscheidung nicht wegschieben

„Man sollte noch nicht unter allzu großem Druck stehen", sagt Ina Orth, Beraterin bei Einstieg, dem einzigen bundesweiten Anbieter von Berufsfindungsworkshops und Einzelcoachings speziell für Abiturienten, „wir empfehlen, sich etwa zwei Jahre vor dem Abi intensiv mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen – und nicht erst dann, wenn die Bewerbungsfristen an den Unis bald ablaufen."

Auch Uta Glaubitz, Berufsberaterin und Autorin aus Berlin, die neben Einsteigern vorwiegend Jobwechsler betreut, empfiehlt, sich beraten zu lassen, bevor man in ein tiefes Loch gefallen ist: „Die Entscheidung für einen Beruf ist eine der wichtigsten überhaupt – vergleichbar etwa mit der Frage, ob man heiraten oder Kinder bekommen möchte."

Ein Fehler, den junge Leute häufig machen, sei es, so Glaubitz, die Entscheidung zu vertagen, zum Beispiel, indem sie nach dem Abi erst einmal eine Auszeit einplanen. „Eine Reise, ein soziales Jahr oder ein Aupair-Aufenthalt ist eine tolle Sache, aber das löst das Problem nicht." Wer die Frage „Was soll ich werden?" hingegen schon beantwortet habe, könne die Auszeit nach dem Abi und den Berufswunsch vielleicht sogar schon verknüpfen – und die Zeit sicher besser genießen.

Eine gute Berufsberatung, so Uta Glaubitz, helfe, die Frage nach den eigenen Stärken, Schwächen und vor allem auch Träumen zu beantworten und daraus ein passendes Arbeitsfeld abzuleiten. „Das wichtigste Anliegen meiner Arbeit ist es, dass der Teilnehmer am Ende ein konkretes Berufsziel mitnimmt", sagt Glaubitz, „dann muss er oder sie sich selbst auf den Weg machen und den nächsten Schritt angehen, etwa die Recherche nach passenden Studiengängen."

Auch bei den Workshops oder Coachings von Einstieg sollen die Teilnehmer vor allem sich selbst besser kennenlernen. „Nicht erwarten kann man, dass der Trainer am Schluss sagt: So, Du wirst jetzt Ärztin", sagt Ina Orth. Im Vordergrund stehe die Frage nach den eigenen Werten und Zielen. Zusätzlich könne je nach Bedarf auch mal ein Vorstellungsgespräch simuliert werden oder geübt werden, wie man sich selbst präsentiert.

Ob man lieber einen Gruppenworkshop oder ein Einzelcoaching bucht, hängt vom Einzelfall ab. „Die Rückmeldung von einer Gruppe kann eine zusätzliche Bereicherung sein", sagt Ina Orth, „das ist aber nicht jedermanns Sache." Zudem könne in einer Einzelberatung intensiver auf die individuelle Situation eingegangen werden.

Ganz entscheidend für eine erfolgreiche Berufsberatung ist, dass die Chemie zwischen Teilnehmer und Berater stimmt. „Am besten ruft man vorher an und spricht mit dem Berater persönlich", ist der Tipp von Uta Glaubitz. Eine Ausbildung zum Berufsberater gibt es nicht, viele haben einen pädagogischen Hintergrund oder ein Psychologiestudium. Wichtiger ist jedoch, dass ein Trainer oder Coach Erfahrung hat – sowohl in der Beratung als auch durch eine eigene berufliche Tätigkeit zum Beispiel in einer Personalabteilung.

Bleibt noch die Frage, wie man als Schüler eine Berufsberatung finanziert, wenn Papa nicht sofort das Portemonnaie zückt. Eine Idee ist, zum Beispiel bei den Großeltern um ein vorzeitiges Geschenk zum Abi anzuklopfen. Das Argument könnte ähnlich wie beim Führerschein lauten: Es ist eine Investition in die Zukunft.

Berufsberater finden

Anbieter in der Nähe findet man am besten im Internet, indem man in einer Suchmaschine Stichworte wie Berufsfindung und/oder Coaching sowie Abiturienten eingibt. Manchmal bieten auch die Arbeitsagenturen vor Ort Kurzworkshops an. 
www.berufsfindung.de (seite von Uta Glaubitz) 
www.einstieg.com/beratung (Infos zu den Beratungsangeboten von Einstieg).

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