Berufliche Fähigkeiten Strategen für Finance & Controlling gesucht

Controller und Corporate-Finance-Experten haben gute Jobchancen, wenn sie mehr als nur Zahlenjongleure sind. Für ein Unternehmen spielen sie eine wichtige Rolle und fungieren dabei nicht nur als Rechenexperten sondern auch als interne Berater.

Andre Schmidt-Carre | , aktualisiert

Ausschau nach geeigneten Mitarbeitern hält Thomas Egenter, Personalleiter beim Armaturenhersteller Hansgrohe in Schiltach, auch in konjunkturell schwierigen Zeiten: "Wir suchen immer gute Controller, auch jetzt." Dafür gibt es zwei Gründe: Das baden-württembergische Unternehmen will weiter wachsen, und die Zahlenspezialisten gehören einfach dazu: Vertrieb, Marketing und Organisation kommen ebenso wenig ohne sie aus wie das strategische Management.

Denn Controller seien keine Zahlendreher, sondern interne Berater: "Wir brauchen unternehmerisch denkende Controller", sagt Egenter. Das heißt: Ein kühler Rechner muss immer auch das Geschäft verstehen, das hinter den Zahlen steckt. Und für seine Manager-Kollegen jenseits reiner Excel-Kalkulationen als Ansprechpartner und Berater auf der Suche nach Verbesserungsvorschlägen da sein.

Wirtschaftskrise hin oder her, für Finanzmanager stehen die Jobchancen zumindest jenseits der Bankenszene derzeit gar nicht schlecht. Viele Unternehmen bauen wie Hansgrohe ihre Unternehmenssteuerung aus. Eine Tendenz, die sich in der aktuellen Krise noch verstärkt. "Controller haben trotz Krise gute Chancen im Jobmarkt", sagt Jürgen van Zwoll, Personalberater bei Ray & Berndtson. Das gilt für große Mittelständler wie Hansgrohe, erst recht aber für Konzerne wie Vattenfall, deren Management seit jeher auf Controller angewiesen ist, um nicht den Überblick zu verlieren und die intern strategische Begleitung suchen.

Controlling- und Finanzprofis geben Halt in unsicherer Zeit

Bei Spezialisten für die Unternehmensfinanzierung ist die Situation ähnlich: In schwierigen Zeiten trennen sich die Unternehmen nicht ausgerechnet von den Mitarbeitern, die zum Beispiel die Liquidität managen und die Verbindlichkeiten im Blick haben. Corporate-Finance-Spezialisten arbeiten ausschließlich in größeren Unternehmen, die über ein breites Instrumentarium von Finanzierungen verfügen.

Dabei muss es nicht immer gleich ein börsennotierter Konzern sein, auch große Mittelständler wie der Lübecker Medizintechnik-Hersteller Dräger bieten anspruchsvolle Jobs: "Für uns sind vor allem berufserfahrene Kandidaten mit Spezialwissen von großem Interesse", sagt Dräger-Personalerin Sabine Ufferheide. "Gerade in Krisenzeiten ist ein stabiler Zufluss von liquiden Mitteln wichtig. Menschen mit einschlägiger Erfahrung in der Optimierung des kurzfristig verfügbaren Kapitals schätzen wir umso mehr."

Daneben empfiehlt Headhunter Jürgen van Zwoll wechselwilligen Profis für die Unternehmensfinanzierung Wachstumsbranchen wie die regenerativen Energien, die ständig neues Kapital brauchen. Aber auch in kleineren mittelständischen Unternehmen könnten sich Allrounder mit einigen Jahren Berufserfahrung durchaus wohl fühlen - vorausgesetzt, die Finanzabteilung besteht nicht nur aus der Buchführung.

Wer aus einer persönlichen Vorliebe heraus ein Unternehmen ins Visier genommen hat, das derzeit einen Einstellungsstopp verfügt hat, sollte nicht sofort alle Hoffnungen auf den Traumjob begraben. Denn nicht alle Unternehmen beharren zu 100 Prozent auf dem Stopp, wenn ein vielversprechender Mitarbeiter anklopft: "Deutsche Unternehmen denken häufig strategischer und sind daher meist offener als zum Beispiel angelsächsische Firmen", sagt van Zwoll. Für wenig aussichtsreich hält er derzeit allerdings die Jobsuche in der Automobilbranche. "Dass es dort nicht gut läuft, dürfte sich herumgesprochen haben."

Große Chancen für Controller sieht der Personalberater dagegen derzeit im Handel: "Die Unternehmen haben eine Vielzahl verschiedener Produkte im Markt und meist ein ausgeprägtes Controlling mit entsprechend vielen Positionen zu besetzen." Beispiel Otto: Der Handelskonzern ist derzeit auf der Suche nach neuen Managern für die Unternehmenssteuerung: "Für erfahrende Controller ist die Jobsituation bei Otto aktuell sehr gut", sagt Personal-Direktor Michael Picard. Auch im Bereich Finanzen hat der Hamburger Versandhändler Stellen zu besetzen.

Vielversprechende Aussichten im Handel

Insgesamt plant Otto, im laufenden Jahr in den Bereichen Finanzen und Controlling bis zu 20 neue Mitarbeiter einzustellen. Interessenten müssen sich allerdings auf Konkurrenz einstellen: Bei Personalchef Picard bewerben sich derzeit ungewöhnlich viele Mitarbeiter aus dem Bankenumfeld. Für ehemalige Investmentbanker dürfte der Wechsel in den Handel oder in den Industrie- beziehungsweise den Dienstleistungssektor allerdings schwierig werden. "Strukturierte Finanzierungsprodukte laufen derzeit denkbar schlecht, entsprechend werden für diese Aufgabengebiete derzeit weniger Spezialisten gesucht", sagt Personalexperte van Zwoll.

Ob ein Branchenwechsel für die einstigen Elite-Banker finanziell attraktiv wäre, steht ohnehin auf einem anderen Blatt: Die halbe Million Euro aufwärts, die ein Investmentbanker in guten Zeiten pro Jahr allemal abräumte, verdient in der Wirtschaft häufig nicht einmal der Geschäftsführer. Jenseits der Bankenbranche müssen sich ausgewiesene und erfahrene Finanzspezialisten trotz Konjunkturkrise keine Gedanken um die Höhe ihrer Gehälter machen - jedenfalls nicht auf breiter Front: "Ein Absinken der Grundgehälter sehe ich nicht", sagt Berater van Zwoll.

Jedoch könnten die erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile von Kürzungen betroffen sein, und die fallen durchaus unterschiedlich aus: "Die machen bei Controllern meist nur um die zehn bis 20 Prozent des Gesamtgehalts aus. Bei Corporate-Finance-Spezialisten dagegen dürften sich die erfolgsabhängigen Bestandteile von bisher 50 bis 70 Prozent deutlich reduzieren", sagt der Personalberater von Ray & Berndtson.

Controller mit rund acht Jahren Berufserfahrung taxieren die Managementberater von Towers Perrin je nach Branche mit 60000 Euro pro Jahr aufwärts. Wichtiger denn je ist heute die optimale Qualifikation. Fachwissen ist Standard, daneben legen die meisten Unternehmen aber auch bei den zahlenorientierten Jobs Wert auf eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit.

Grundgehälter bleiben stabil, Boni sinken dagegen

Bei Controllern etwa galt lange die souveräne Produktion von Zahlenkolonnen als Einstellungskriterium, heute verlangen die Personaler mehr: "Die Zusammenarbeit mit Managern und Kollegen der Fachabteilungen erfordert diplomatisches Geschick und Durchsetzungsfähigkeit", erklärt Dräger-Personalerin Ufferheide.

Wer obendrein Erfahrungen im Ausland gesammelt hat und mobil ist, steht auf der Kandidatenwunschliste oben. Und hat sogar beste Chancen, vom Finanzexperten zum Topmanager aufzusteigen. So wie der gelernte Controller Siegfried Gänßlein: Er hat im vergangenen Jahr den Vorstandsvorsitz beim Armaturenhersteller Hansgrohe übernommen.

Axel Cunow

Offshore-Windpark bauen, Regionalversorger schlucken, Forschungsprojekt unterstützen? Um die richtige strategische Entscheidung zu treffen, braucht ein internationaler Energiekonzern wie Vattenfall zuverlässige Zahlen. Axel Cunow gehört zu dem 15-köpfigen Team, das für den drittgrößten Energieversorger in Deutschland solche Informationen sammelt und aufbereitet. Seit Juli 2006 arbeitet der promovierte Diplom-Kaufmann in Berlin im Zentralcontrolling.

Er und seine Kollegen überwachen und optimieren die Aktivitäten der insgesamt vier deutschen Geschäftseinheiten Bergbau & Stromerzeugung, Fernwärme, Stromnetze und Vertrieb. "Diese Einheiten agieren relativ autonom, da kann es auch schon mal zu widersprüchlichen Zielen und Anträgen kommen", erklärt Cunow, warum eine zentrale Kontrollinstanz nötig ist. Allein mit Lehrbuchwissen und Excel-Tabellen könnte der 29-jährige Teamleiter nicht bestehen.

Kreative Kostenbrille

Auf seinem Tisch landen viele strategische Projekte, die sich nicht nur an kurzfristigen Erfolgskennzahlen messen lassen, sondern auch Branchenwissen und Kreativität erfordern. Gerade hat der Absolvent der Uni Greifswald zum Beispiel geprüft, ob sich ein Forschungsprojekt mit BMW zum Thema ElektroAutos rentiert. Im Berliner Stadtverkehr sollen 50 emissionsfreie Elektro-Minis aus Bayern ein Jahr lang ihre Praxistauglichkeit beweisen.

Vattenfall stellt dazu spezielle Ladestationen bereit, an denen die Testfahrer Strom aus erneuerbaren Energiequellen tanken können. Die Ingenieure wollen so erforschen, wie man den Öko-Strom effektiv im Netz speichern kann. Obwohl das Projekt durch die klassische Kostenrechnungs-Brille betrachtet alles andere als rentabel ist, hat Axel Cunow das spannende Zukunftsinvestment empfohlen - ab März 2009 werden die ersten Testfahrer durch Berlin kurven.

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