Beruf: Politiker Geeignete Jobs für Minister

Teilweise verjüngt kommt das vierte Regierungskabinett von Kanzlerin Angela Merkel daher. Hinter den neuen Gesichtern auf der Regierungsbank steckt viel Expertise. Ein Headhunter ordnet die Qualifikationen passenden Jobs in der freien Wirtschaft zu.

Nora Schareika, wiwo.de | , aktualisiert

Geeignete Jobs für Minister

Politiker neue Jobs

Foto: wellphoto/Fotolia.com

Die vierte Regierungsmannschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel steht: Unter den 15 künftigen Kabinettsmitgliedern erhalten neun erstmals ein Ministeramt. Doch was qualifiziert sie für ihre neuen Posten? Und wo könnte reine Proporz-Erfüllung dahinterstecken? Der Frankfurter Personalberater Heiner Fischer hat sich die Lebensläufe der Neulinge angesehen.

JENS SPAHN, Gesundheit

Qualifikation

"Vom politischen Werdegang her passt das Ministeramt gut zu Jens Spahn", findet Heiner Fischer. Spahn hat Bankkaufmann gelernt, war in einer Immobilienbank tätig und studierte dann Politikwissenschaften. Allerdings ist er seit 2005 mit dem Thema Gesundheit im Bundestag betraut und sitzt im Gesundheitsausschuss. "Da ist schon eine relativ lange Erfahrung da", urteilt Fischer. Insgesamt stellt er eine durchaus hohe Überschneidung zwischen Spahns Qualifikationen und seinem Ministeramt fest.

Führungsqualitäten

Führungserfahrung hat der 37-Jährige allerdings kaum. Als parlamentarischer Staatssekretär von Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte er in der vergangenen Legislaturperiode zwar einen wichtigen Posten, aber keine Führungsaufgabe. Fischer meint, es sei im Moment schwer einzuschätzen, ob Spahn als Ressortchef eines der größten Ministerien mit einem großen Budget zur Führungspersönlichkeit reift. "In puncto Durchsetzungsfähigkeit muss man also sehen, wie er sich entwickelt. Er ist ja noch jung."

Jobchancen in der freien Wirtschaft

"Für Spahn käme ein Posten in der Pharmaindustrie infrage, als Lobbyist zum Beispiel", findet Heiner Fischer. "Ansonsten könnte er bei einem der privaten Krankenhauskonzerne oder bei einer Krankenkasse arbeiten."


JULIA KLÖCKNER, Ernährung und Landwirtschaft

Qualifikation

"Es gefällt mir sehr gut, wie hier Ausbildung und Background mit dem Amt zusammenpassen", lobt Headhunter Fischer. Klöckner habe aufgrund ihrer Herkunft aus einer pfälzischen Winzerfamilie einen direkten Bezug zur Landwirtschaft. "Sie hat ihre Abschlussarbeit zu einem agrarpolitischen Thema geschrieben, hat aber auch viel Berufserfahrung, z.B. als Chefredakteurin eines Fachmagazins."

Führungsqualitäten

"Ihre Führungsqualitäten stehen außer Frage – schließlich ist Julia Klöckner seit acht Jahren CDU-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz. Und trotzdem ist sie keine reine Berufspolitikerin", hebt Fischer hervor.

Jobchancen in der freien Wirtschaft

Müsste Klöckner sich außerhalb der Politik einen Job suchen, hätte sie vermutlich keine Probleme. Sie könnte auf ihre Erfahrung als Grundschullehrerin (katholische Religion), vor allem aber als Journalistin zurückgreifen. "Ihre Stärken liegen sicherlich bei Marketing, Vertrieb und Unternehmensführung", sagt Fischer.


ANJA KARLICZEK, Bildung

Qualifikation

Der Personalberater ist bei der weitgehend unbekannten Münsteranerin ratlos. "Insgesamt sieht ihr Lebenslauf sehr gut aus: Sie hat etwas Gescheites gelernt, nämlich Bankkauffrau und Hotelfachfrau, und hat Erfahrung in der freien Wirtschaft. On Top hat sie ein BWL-Studium. Also erstmal sehr rund", sagt Fischer. Das große Aber: "Was ihren neuen Posten als Ministerin angeht, fehlt mir der bisherige Bezug zur Bildungspolitik." Bildungspolitik sei ein extrem detailreiches Ressort mit einer Unmenge an Unterbereichen. Über die Gründe der Berufung der Kommunalpolitikerin könne man nur mutmaßen – womöglich spiele eine Rolle, dass sie weiblich und mit 46 Jahren relativ jung sei und aus Nordrhein-Westfalen stamme.

Jobchancen in der freien Wirtschaft

"
Sie hat wenig praktische Erfahrung, aber eine solide Ausbildung in der Hotelbranche und hat dort auch eine Zeitlang gearbeitet. Da würde ich sie auch weiterhin sehen. Eine andere Möglichkeit wäre z.B. Verbandsarbeit im Tourismusumfeld", sagt Fischer.


HELGE BRAUN, Kanzleramt, besondere Aufgaben

Qualifikation

"Braun ist Humanmediziner, hat promoviert – aber ein Blick in seinen Lebenslauf zeigt, dass er noch nie etwas anderes gemacht hat als Politik", erklärt Heiner Fischer. Als Arzt habe er dennoch eine andere Lebensnähe als ein Volljurist. "Man kann nicht sagen, dass er für diese Aufgabe ungeeignet wäre", so das Fazit des Headhunters.

Führungsqualitäten

"Als Kanzleramtsminister hat er weniger eine politisch gestaltende Position, sondern ist Chef einer Behörde. Er war dort bereits fünf Jahre Staatssekretär, kennt die Behörde in- und auswendig und hat Führungserfahrung." Besonderer Bonus: "Er hat ein Vertrauensverhältnis zur Kanzlerin."

Jobchancen in der freien Wirtschaft

"Er hat immer sehr viel parallel gemacht. Wenn ich aus diesen vielen Tätigkeiten etwas herauslesen kann, dann eine Stärke in Koordination und Projektmanagement." Außerdem: Braun könne natürlich auch als Arzt arbeiten oder in die Pharmaindustrie gehen.


PETER ALTMAIER, Wirtschaft

Qualifikation

Eigentlich ist Peter Altmaier kein neues Gesicht in der Bundesregierung. Er war 2012/13 Bundesumweltminister und stieg dann auf zum Kanzleramtsminister sowie Minister für besondere Aufgaben. Nun übernimmt er nach einer Interimstätigkeit als Finanzminister das Wirtschaftsministerium. Passt das? Heiner Fischer ist skeptisch: "Er hat noch nie Wirtschaft gemacht, es ist schwer ihn zu beurteilen. Mir fehlt die Brücke zum Thema Wirtschaft in seinem Lebenslauf. Aber er kann sich ja noch bewähren." Altmaier ist Volljurist und seit 1994 Mitglied des Bundestages. Zuvor war er Beamter bei der EU in Brüssel – seit 1994 ist er von diesem Posten beurlaubt.

Führungsqualitäten

Altmaier hat aufgrund seiner Erfahrung als Minister in mehreren Ressorts natürlich Führungserfahrung, zudem koordinierte er als Kanzleramtschef den letzten CDU-Bundestagswahlkampf. Er gilt zudem als glänzender Kommunikator und ist Talkshow-Dauergast.

Jobchancen in der freien Wirtschaft

Altmaier ist ein klarer Fall von Berufspolitiker. "Ihm würde nichts anderes übrigbleiben, einen Posten in einer Unternehmensberatung anzunehmen, der einen starken Bezug zur Politik hat", sagt Heiner Fischer.

DOROTHEE BÄR, Staatsministerin im Kanzleramt für Digitales

Qualifikation

Bär hat noch nicht in der freien Wirtschaft gearbeitet, bekleidete diverse Ämter und einige Stellvertreterposten in der bayerischen CSU. 2013 wurde sie Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr unter dem Minister Alexander Dobrindt. "Sie ist seit 2010 Vorsitzende des CSU-Netzrates, sie dürfte im Thema sein", sagt Fischer. Die Frage sei indes, ob die 39-Jährige in ihrer Position genug für die Digitalisierung vorangetrieben habe. Dennoch: "Es sind Galaxien zwischen schlauen Köpfen, die sich mit dem Thema Digitalisierung befassen, und Berufspolitikern", fürchtet der Personalberater.

Führungsqualitäten

"Dorothee Bär hat keinerlei Führungserfahrung. Allerdings benötigt sie diese in ihrer neuen Position auch nicht. Was sie aber benötigt, ist politisches Geschick, und das bringt sie sicherlich mit."

Jobchancen in der freien Wirtschaft

Bär hat vor ihrer politischen Laufbahn in Berlin und München Politikwissenschaften studiert. "Wenn ihr Lebenslauf morgen auf meinem Schreibtisch landen würde und ich sollte ihr einen Job suchen, müsste ich schon eine Weile nachdenken, um ehrlich zu sein", sagt Fischer. Vielleicht könnte sie mit dem Bezug digitale Infrastruktur bei einem Telekommunikationsanbieter anheuern oder irgendwo, wo es um den Netzausbau geht.


ANDREAS SCHEUER, Verkehr

Qualifikation

Hier lässt der Personalexperte keinen Zweifel aufkommen: "Das passt. Er macht seit 2009 Verkehrspolitik und ist ein Fachmann."

Führungsqualitäten

Auch hier schneidet Scheuer in der Einschätzung gut ab. "Er bringt die Erfahrung mit und hat das Format für einen Minister. Nach fünf Jahren als CSU-Generalsekretär muss man was draufhaben", so das Urteil von Heiner Fischer.

Jobchancen in der freien Wirtschaft

"Verkehr, Bau, Stadtentwicklung – ich würde ihm empfehlen, in diese Richtung zu gehen."


SVENJA SCHULZE, Umwelt

Qualifikation

Die neue Umweltministerin aus Nordrhein-Westfalen löst wiederum Ratlosigkeit beim Headhunter aus. "Als Unternehmensberaterin ist sie schon lange tätig. Aber wie bei der neuen Bildungsministerin kann man schwer erkennen, was sie fachlich für ihr neues Amt qualifiziert", sagt Fischer.

Führungsqualitäten

"Sie war 7 Jahre Ministerin in NRW, hat ganz klar die Erfahrung in der Führung eines Ministeriums."


FRANZISKA GIFFEY, Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Qualifikation

Die derzeitige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln ist eine gute Wahl, findet der Personalexperte. 2Die gefällt mir sehr gut. Sie hat studiert, in London internationale Erfahrung gesammelt, eine Promotion draufgesetzt. Ich finde es gut, wenn man auch mal über den Tellerrand schaut. Sie sagt, was sie denkt, macht einen sehr volksnahen Eindruck. Sie hat als Studentin Fundraising betrieben und dies später sogar als Dozentin unterrichtet, Also ein runder Lebenslauf."

Führungsqualitäten

Als Bezirksbürgermeisterin eines turbulenten Berliner Bezirks, der die Größe einer mittelgroßen Stadt hat, hat sich Giffey bundesweit einen Namen gemacht.

Jobchancen in der freien Wirtschaft

Hier sieht Fischer großes Potenzial: "Aufgrund ihrer Fähigkeiten könnte ich sie mir gut in Führungspositionen im Mittelstand vorstellen."


HUBERTUS HEIL, Arbeit und Soziales

Qualifikation

"Heil ist Berufspolitiker, er hat nie einen Schlag in der freien Wirtschaft getan", sagt Fischer. Insofern kennt er den Politikbetrieb. Als SPD-Generalsekretär zog er die Strippen in einer großen Volkspartei, "wurde aber schnell wieder abgelöst". Bei Heil ist kein fachlicher Schwerpunkt erkennbar. "Er hatte viele Parteiämter, aber kaum Fachämter. Es ist im Lebenslauf wenig Kompetenz erkennbar, was Arbeitsmarkt und Sozialpolitik angeht."

Führungsqualitäten

"Hubertus Heil ist ein Vollblutpolitiker mit Führungserfahrung."

Jobchancen in der freien Wirtschaft

Laut Headhunter wäre eine Vermittlung Heils in der freien Wirtschaft "herausfordernd". "Er könnte zu einer Gewerkschaft gehen. Oder zu einer parteinahen Stiftung."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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