Berlin DUW stellt sich dem Wettbewerb

Seit Oktober gibt es in Berlin die Deutsche Universität für Weiterbildung - jetzt muss sie zeigen, dass sie sich im Wettbewerb behaupten kann. Denn gerade die Zielgruppe der DUW ist heiß umkämpft und um sich auf dem Marktsegment durchzusetzen, ist langer Atem erforderlich.

Christian Müßgens | , aktualisiert

Die Eröffnungsparty ist vorbei, die Festredner sind fort. Unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit hat die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) im Oktober 2009 ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Jetzt steht das Berliner Institut vor den Herausforderungen des universitären Alltags.

So etwas wie die DUW gab es in Deutschland bisher nicht: Das Institut konzentriert sich ausschließlich auf Weiterbildung, trägt den Titel einer Universität und gehört zu gleichen Teilen einem öffentlichen und einem privaten Träger - der Freien Universität Berlin (FU) und dem Stuttgarter Bildungskonzern Klett. Sie hat Masterstudiengänge und Zertifikatskurse für Berufstätige, die seit mindestens zwei Jahren arbeiten und schon einen akademischen Abschluss haben, im Programm.

Diese Zielgruppe ist heiß umkämpft: Nach vorläufigen Erhebungen des Hochschul-Informations-Systems gibt es in Deutschland rund 700 berufsbegleitende Masterstudiengänge an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. Und die Zahl der Zertifikatskurse, wie sie an der DUW ebenfalls angeboten werden, könnte noch weitaus höher sein.

Berufsbegleitende Master werden dank Bologna-Prozess attraktiver.

Vieles hängt also von der Nachfrage ab - und die könnte durch die Bologna-Reform deutlich steigen. Denn wenn in Zukunft jedes Jahr etliche Bachelorabsolventen auf den Arbeitsmarkt strömen und einige Jahre arbeiten, bevor sie an einen Master denken, sollten berufsbegleitende Programme wie die der DUW attraktiver werden.

Das Institut muss es aber schaffen, sich unter den Wettbewerbern durchzusetzen. "Das ist ein riesiger Markt - und er ist sehr hart umkämpft", räumt DUW-Präsidentin Ada Pellert ein. Daher will sie auf Themen setzen, die ihrer Ansicht nach bisher zu wenig Aufmerksamkeit erhalten haben. Etwa mit dem Masterstudiengang Compliance, in dem die Teilnehmer lernen, wie sie Unternehmensregeln überwachen und durchsetzen. Einen vergleichbaren Master auf universitärem Niveau gebe es in Deutschland nicht.

Zwei andere Studiengänge befassen sich mit dem Bildungsmanagement in Firmen und der Wertschöpfungskette in der Pharmazie, von der Entwicklung bis zur Vermarktung. Weitere Programme sollen folgen: Allein in diesem Jahr werden noch drei Masterprogramme anlaufen - zusätzlich zu den drei bestehenden.

Im Juli beginnt die erste MBA-Klasse, im Oktober ein Studiengang, in dem die Teilnehmer lernen, den Interessen ihrer Firma im europäischen Politikbetrieb Gehör zu verschaffen. Hinzu kommen zweimonatige Zertifikatskurse.

Fünf Mio. Euro haben Klett und die Freie Universität jeweils investiert - die FU in Form von Sacheinlagen: So hat sie die denkmalgeschützte Villa, in der die DUW residiert, an deren Trägergesellschaft überschrieben. Mit dem restlichen Geld sollen die ersten Jahre überbrückt werden, bis die DUW sich selbst trägt. "Wir wissen, dass wir einen langen Atem brauchen", sagt Manfred Antoni, Vorstandsmitglied von Klett. Eines Tages soll die DUW Gewinn abwerfen. Denn natürlich wolle man Geld verdienen, sagt er.

Die DUW muss es deshalb schaffen, genügend Studenten für ein Studium an dem Institut zu begeistern. Aktuell sind etwa 60 Berufstätige eingeschrieben, innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre müssen es 1 000 bis 1 500 werden, damit sich der Lehrbetrieb selbst trägt. Der Forschungsbetrieb soll sich auf Dauer über Drittmittel finanzieren. "Auf dem freien Markt Studenten zu gewinnen ist nicht einfach", sagt Antoni. Zumal sie bereit sein müssen, 15 000 Euro zu investieren. So viel kostet ein Masterstudium an der DUW - und nur ein Drittel der Studenten wird momentan vom Arbeitgeber unterstützt.

Außerdem sitzen sie nicht nur in Seminaren wie an einer normalen Universität und lernen auch nicht nur am heimischen Schreibtisch wie an einer Fernhochschule. Der DUW-Mix soll Präsenzkurse, Fernlehre und Online-Einheiten verbinden. Pellert braucht daher Dozenten, die ihr Fach beherrschen, sich mit dem Internet auskennen und gute Texte schreiben - und die sind nicht leicht zu finden. "Studenten und Lehrende begegnen sich bei uns auf Augenhöhe", sagt die Präsidentin. Frontalunterricht, bei dem ein Professor endlose Vorträge halte, sei an der DUW nicht möglich. Vielmehr würden die Studenten ihre eigene Berufspraxis thematisieren - eine Form der Lehre, an die sich Dozenten erst gewöhnen müssten und die sich im universitären Alltag noch bewähren muss.

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