Begrenztes Leistungsvermögen Effizient im Job: Fünf Stunden am Tag – mehr geht nicht

Weniger arbeiten und trotzdem erfolgreich sein? Das geht, sagt nicht nur der britische Buchautor Peter Taylor. Nicht handeln und faul sein ist sinnvoller, als viele glauben, und kann sogar zum Erfolg führen.

Nora Jakob, wiwo.de | , aktualisiert

Effizient im Job: Fünf Stunden am Tag – mehr geht nicht

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Foto: Sergey Nivens / Fotolia.com

Dauerstress, Überstunden, Leistungsdruck: In vielen Unternehmen gehört das zum Alltag. Vor allem Menschen, die Karriere machen möchten, versuchen, noch mehr in noch kürzerer Zeit zu leisten.

Dabei haben bereits mehr als 25 Stunden Arbeit pro Woche einen negativen Effekt auf das Gehirn. Wissenschaftler der Universität von Melbourne haben herausgefunden, dass das Gehirn am meisten leistet, wenn es nur an drei Tagen der Woche arbeitet. Dazu haben die Forscher Arbeitsgewohnheiten und Ergebnisse eines Intelligenztests von über 6000 Frauen und Männern über 40 ausgewertet und festgestellt: Die kognitiven Fähigkeiten wie Kreativität, Problemlösung und Konzentration nahmen mit jeder Arbeitsstunde zu – bis zur 25. Stunde. Danach sanken sie wieder.

Colin McKenzie, einer der Autoren der Studie, hat folgende Erklärung: "Arbeiten in Teilzeit ist besser, um die kognitiven Fähigkeiten von Menschen zu verbessern." Trotzdem sind mindestens 40-Stunden-Wochen, oft sogar 50, 60 oder 70 Stunden, die Regel.

Kaum jemand kann sich mehr als 5 Stunden am Tag konzentrieren

"Wir sind in Handlungszwängen gefangen – und es ist sehr schwer diesem Hamsterrad aus 'noch mehr tun, noch mehr leisten', zu entkommen." sagt Philosoph Patrick Spät, der sich mit Kapitalismus- und Arbeitskritik beschäftigt. Er hat mehrere Bücher und Streitschriften zu diesem Thema geschrieben.

Im Grunde mache das aber überhaupt keinen Sinn, weil Studien gezeigt haben, dass sich kaum ein Mensch mehr als fünf Stunden am Tag konzentrieren kann. "Wir müssten die Arbeitszeit radikal auf eine 20- bis 25-Stunden-Woche reduzieren."

Klüger arbeiten

Dem entgegen steht allerdings, dass viele Unternehmen die Leistung ihrer Mitarbeiter noch immer mit der Arbeitszeit gleichsetzen. Konkret heißt das: Wer mehr Zeit im Büro verbringt, wird vom Chef oft mehr wertgeschätzt und für produktiver gehalten. Aber das ist Quatsch, wie eine Studie der Universität Stanford zeigt. Demnach nimmt die Produktivität von Arbeitnehmer drastisch ab, wenn sie mehr als 50 Stunden im Büro verbringen. Entscheidend ist die Zeit, die effizient mit Arbeit verbracht wird – und nicht die, in der Löcher in die Luft gestarrt werden.

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Aber wie gelingt es, weniger zu arbeiten? Der britische Buchautor und frühere Projektmanager Peter Taylor hat eine ganz andere Lösung: Er hat aus seinem Hang zur Faulheit eine Tugend gemacht. In seinem vielbeachteten Buch "Lazy Winner" vertritt er die These, dass es längst nicht mehr darum geht, mehr und härter zu arbeiten, sondern klüger. Heißt konkret: Menschen sollten erst nachdenken, anstatt sich sofort in die Arbeit zu stürzen und unnötige Tätigkeiten auszuführen. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass eines Tages die große Chance kommt – und man sie nicht erkennt, weil man zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Auch Philosoph Späth sieht das so und weitet es noch auf das Privatleben aus: "Immer wenn wir uns im Modus des Müßiggangs befinden, haben wir das Gefühl etwas zu verpassen – und versuchen zu handeln." So fahren wir im Falle eines Staus von der Autobahn herunter, um kreuz und quer über Landstraßen zu fahren, gewinnen dabei aber überhaupt keine Zeit. "Manchmal wäre es aber gerade das Nicht-Handeln, das uns weiter bringt."

Forscher der Florida Gulf Coast University haben zudem herausgefunden, dass intelligente Menschen mehr Zeit damit verbringen, faul herumzuliegen.

Und das kommt so: Menschen mit einem hohen IQ sind nicht so schnell gelangweilt und verbringen mehr Zeit mit Denken, statt ihr Gehirn mit externen Aktivitäten wie etwa Sport zu stimulieren, weil es sonst zu schnell gelangweilt ist.

Die Theorie: Wer auch mal faul ist, investiert Zeit und Energie nur in die Arbeit, die ihn wirklich weiterbringt oder die er tun muss, weil er keine andere Wahl hat. "Das Ziel der meisten Arbeit ist, dass sie erledigt ist. Deshalb sollten wir unnötige Arbeit aufspüren – und erst gar nicht damit beginnen." gibt Spät zu bedenken. Diese Arbeitnehmer haben nicht selten Strategien verinnerlicht, die ihnen helfen, sich auf Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind.  

Prioritäten setzen und Aufgaben delegieren

So kann es beispielsweise ein Weg sein, nicht zu schnell "Ja" zu sagen – und sich nicht zu Dingen zu verpflichten, für die gerade gar keine Zeit da ist. Vielmehr sollten sich Arbeitnehmer bei jeder neuen Tätigkeit fragen, ob es wichtig ist, eingebunden zu sein oder auch, ob man diese Aufgabe überhaupt erledigen kann. Vielleicht ist sie bei einer anderen Person viel besser aufgehoben. Natürlich ist ein direktes Nein nicht immer angebracht, manchmal reicht es aber schon, Interesse und Bereitschaft zu signalisieren, trotzdem aber klar zu machen, dass es nicht sofort zu erledigen ist.

Eine weitere Strategie kann es sein, Aufgaben zu delegieren. Das gilt gemeinhin als die Königsdisziplin für Drückeberger. Das sollte allerdings gut überlegt sein – eine Aufgabe schnell loszuwerden alleine reicht nicht, Erklärungen und Einweisungen sind nötig, um im Nachklapp nicht noch mehr Arbeit zu haben – schließlich ist der Drückeberger immer noch für das gute Erledigen der Aufgabe verantwortlich.

Und dann gibt es noch zwei Methoden, in der sich vor allem Menschen wiedererkennen werden, die das Nicht-Handeln schon verinnerlicht haben: Manchmal hilft es einfach abzuwarten und nichts zu tun oder genau das Gegenteil: Immer schön so tun, als ob man richtig viel zu tun hat.

Zuerst veröffentlich auf: wiwo.de

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