Bachelor und Master Nebenjobs schließen Praxislücke

Wer neben dem Studium „nur“ kellnert, lässt sich eine gute Gelegenheit zum Sammeln von praktischer Erfahrung auf dem Weg ins Berufsleben entgehen. Denn berufsbezogene Nebenjobs können Unternehmen und Studenten frühzeitig verbinden und so eine wichtige Basis für die spätere Arbeitssuche schaffen.

Katharina Schnurpfeil | , aktualisiert

Nebenjobs schließen Praxislücke

Foto: Anja Müller/Pixelio

Tagsüber büffeln an der Uni, abends bedienen am Tresen: Viele Studierende können sich nur über Wasser halten, indem sie sich etwas dazuverdienen. Und greifen dann bei Nebenjobs zu, die das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden: Sie jobben in Kneipen, servieren in Restaurants oder helfen bei Events aus. „Bezahlung, Arbeitszeiten und -klima mögen bei solchen Jobs stimmen, ein tragfähiges Sprungbrett für die Karriere sieht jedoch anders aus“, sagt Olaf Kempin, Geschäftsführer von Univativ.

In einer repräsentativen Studentenbefragung hat das Darmstädter Beratungsunternehmen herausgefunden, dass fast die Hälfte der Studierenden während des Semesters jobbt, die Mehrheit aber nicht darauf achtet, was sie da eigentlich tut.

Denn Tatsache ist: Die straffen Lehrpläne bei Bachelor- und Masterstudiengängen lassen die Möglichkeit zu Praktika kaum zu, obwohl bei der Einführung der neuen Studiengänge vor sechs Jahren ihre Befürworter die praxisnahe Vermittlung von Fachwissen noch lobten. Studenten büffeln also nach wie vor reine Theorie und leben in Bibliothek und zwielichtigen Spelunken fern vom dem, wofür sie lernen.

Arbeitgeber erwarten praktische Erfahrung

Nach dem Ausbruch aus dieser Uni-Blase steht die Arbeitswelt. Hier allerdings erwarten potenzielle Arbeitgeber praktische Erfahrung von den Absolventen. Kein Unternehmen ist erpicht darauf, neue Arbeitskräfte erst im korrekten Umgang mit Kunden und Vorgesetzten zu unterrichten. Oder alltägliche Arbeitspraktiken mühsam von Grund auf zu vermitteln.

Der beschwerliche Studentenjob als Callcenter-Mitarbeiter zählt da nicht. Was Vorgesetzte sehen möchten, ist frühe Erfahrung in der angestrebten Profession.

Absolventen werden bei ihrem Berufsstart daher häufig ins kalte Wasser geworfen, wie jetzt auch die Studie „unicensus 11“ bezeugt. Akademiker berichten dort von ernüchternden Erlebnissen beim Einstieg in den Job, von nicht existenten Einarbeitungszeiten und unerwarteten Dress Codes. Arbeitstechniken, die an der Uni unterrichtet wurden, hätten sich als unzureichend erwiesen, und der professionelle Kontakt mit Kollegen sei auch nicht so einfach von der Hand gegangen wie gedacht, so das einstimmige Urteil.

Sorgfältig ausgewählte studentische Nebenjobs könnten Abhilfe schaffen. Laut der „unicensus 11“-Studie arbeiten nicht nur 50 Prozent der Studierenden während des Studiums nebenher, sondern sogar mehr als 63 Prozent in der vorlesungsfreien Zeit.

Sie finanzieren so ihren Platz im Wohnheim, lange Partynächte in Studentenbars und das teure Uni-Equipment. Studenten, die während des Semesters keine Zeit finden, arbeiten in den Ferien besonders hart. Ein Drittel von ihnen mehr als 20 Stunden pro Woche.

Achten auf die angestrebte Profession

Der Hauptanteil dieser Studenten achtet bei der Wahl des Nebenjobs allerdings auf Verdienst und Arbeitszeiten statt auf die ausgeübte Profession. Das Gros kellnert, steht an Einzelhandelskassen oder hilft bei Büroarbeiten aus statt zum Beispiel als Werkstudent in einem Unternehmen anzuheuern.

Aber gerade durch die langfristige Nebentätigkeit in einem solchen Unternehmen, das dem zukünftigen Berufswunsch nahe kommt, können Studenten die Lücke schließen, die sonst zwischen straffem Unialltag und der anspruchsvollen Arbeitswelt klafft. Der frühe Nebenjob in der angestrebten Unternehmenssparte fördert berufsqualifizierende Fähigkeiten und vermittelt Praxis in der oft als sperrig empfundenen Unternehmenskultur.

Das begrüßen auch viele Personalexperten, wie eine Umfrage von Studitemps auf der Fachmesse „Zukunft Personal“ ergab. Studenten erwerben zudem Kenntnisse, sogenannte Soft Skills, die im Lebenslauf sehr professionell erscheinen und das Zünglein an der Waage gegenüber Mitbewerbern sein können.

Außerdem bauen sich Studenten in einem berufsnahen Nebenjob durch den Kontakt zu Kunden und Unternehmenspartnern ein Netzwerk auf, das später bei der Arbeitssuche einen entscheidenden Mehrwert haben kann. Tatsächlich zählt für gute Berufsaussichten Arbeitserfahrung mehr als gute Noten und ein schneller Abschluss, sagen die von „unicensus 11“ befragten Akademiker, die schon seit bis zu zehn Jahren im Beruf stehen.

Einen zügigen Studienabschluss haben nur 16 Prozent der Interviewten als hilfreich erlebt, lediglich zwölf Prozent nannten gute Noten als entscheidend für den Berufseinstieg. Das Argument, zugunsten des Lernens für die Uni auf einen Nebenjob zu verzichten, hat somit auch nicht länger Bestand.

Mit Erfahrung überzeugen

Im Gegenteil: Studenten mit relevanter Arbeitspraxis sind meist selbstbewusster im Auftreten, gliedern sich besser in Unternehmensstrukturen ein und wirken auf Arbeitgeber und Kunden überzeugender. Ihre soziale Kompetenz steigt.

Das bestätigt auch die Studitemps-Umfrage: Drei Viertel der Befragten sahen in der richtigen Wahl einer studentischen Erwerbstätigkeit die Möglichkeit, schon früh zu zukünftigen Arbeitgebern Kontakt aufzubauen.

Während der Nebentätigkeit könne man den Arbeitgeber von den eigenen Fähigkeiten überzeugen, ohne dass der gleiche Leistungsdruck drohe wie in einem regulären Angestelltenverhältnis. Sei der Chef von der Arbeit angetan, steige die Wahrscheinlichkeit, auch nach dem Abschluss weiter im Betrieb bleiben zu können.

Dann war die frühe Bindung an den potenziellen Langzeit-Chef erfolgreich.

Doch auch, wenn der Studentenjob nicht immer übergangslos in eine feste Anstellung übergeht, profitieren Studenten von der Entscheidung für einen berufsbezogenen Nebenjob. Denn sie nehmen ein Netzwerk an Kontakten mit – voller potenzieller Arbeitgeber, die sich zum Teil gerne an die Zusammenarbeit in Zeiten der studentischen Aushilfstätigkeit erinnern.

Gut bezahlte Fachkenntnisse

Darüber hinaus zählen Studenten durchaus als attraktive Arbeitskräfte für Unternehmer, wie der Geschäftsführer der studentischen Zeitarbeitsagentur Studitemps, Benjamin Roos, betont. Sie brächten neueste Fachkenntnisse mit und zeigten Motivation sowie Interesse für Neues. „Diese Skills werden bei den passenden Jobs auch gut bezahlt“, so Roos.

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