Autobranche Expertensuche in neuen Dimensionen

Auslandsexpansion, Leichtbau, Elektromobilität und die neuen sozialen Medien bestimmen die Personalsuche in Deutschlands wichtigster Industrie. Endlich bietet die Branche nun auch Frauen gute Karrierechancen.

Markus Fasse | , aktualisiert


Foto: BMW

Premiumhersteller fahren Sonderschichten

Keine Frage: 2011 war ein Spitzenjahr für die Beschäftigten der Autoindustrie. 7600 Euro kassieren jeweils die Beschäftigten von BMW und Porsche im Schnitt, bei Audi sind es gar 8200 Euro. In den Vorstandsetagen geht es noch üppiger zu: Gut 17 Millionen Euro verbucht VW-Chef Martin Winterkorn, damit ist er noch vor Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Abstand der bestbezahlte Angestellte in Deutschland.

Besser lässt sich nicht zeigen, wo derzeit in Deutschland Werte geschaffen werden. Deutschlands Schlüsselindustrie strotzt vor Selbstvertrauen. Standen vor vier Jahren in der Finanzkrise die Bänder noch still, so können BMW, Mercedes und Volkswagen derzeit gar nicht genug liefern.

Vor allem die Premiumhersteller fahren Sonderschichten, um die gewaltige Nachfrage aus Asien bedienen zu können. Steigende Ölpreise und die wachsende Unsicherheit an den Finanzmärkten scheinen an der Branche im Moment vorbeizuziehen.

Krisenschock sitzt tief

"Die beste Zeit des Autos kommt noch", sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. "Wir arbeiten an der Mobilität von morgen", verspricht BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer. Von Bescheidenheit keine Spur: "Wir stoßen in neue Dimensionen vor", sagt der BMW-Führungsmann.

So groß der Optimismus zurzeit ist, der Schock der letzten Krise sitzt der Branche tief in den Knochen. Mehr denn je setzen Hersteller und Zulieferer auf Flexibilität, das gilt auch für die Beschäftigten. Ein neuer Absturz der Weltwirtschaft soll die Branche nicht noch einmal so kalt erwischen wie 2009, heißt es von Wolfsburg bis Stuttgart.


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Zukunftsautos brauchen neue Experten

Bis zu 20 Prozent Nachfragerückgang will man ohne Verluste überstehen. Das heißt auch: Mehr Produktivität mit relativ weniger Beschäftigten. Mehr Zeitarbeiter und Werksverträge statt Festeinstellungen. Alleine bei BMW kommen laut IG Metall in Deutschland auf 70.000 Beschäftigte 11.000 Zeitarbeiter.

Flexibilität in der Produktion, mehr Effizienz, aber auch mehr Personal in der Entwicklung. Daimler, Volkswagen, Audi und BMW wollen in den kommenden Jahren mehrere Tausend neue Jobs hierzulande schaffen. Die Strahlkraft der Marken hilft bei der Kandidatensuche.

"Wir bekommen pro Jahr 100.000 Bewerbungen", versichert Audi-Personalchef Thomas Sigi. Gesucht werden jetzt vor allem neue Qualifikationen. "Mit dem Übergang zu Elektroautos braucht die Autoindustrie völlig neue Spezialisten wie beispielsweise Chemiker", sagt Branchenexperte Harald Proff von der Unternehmensberatung Kienbaum.

Jedes Kilo zählt

Fieberhaft suchen die Personalabteilungen der großen Autohersteller und Zulieferer plötzlich nach Fachrichtungen, die bislang niemand auf der Rechnung hatte, sagt Proff. "Chemiker verdienen in der Regel mehr als Maschinenbauer, das Gehaltsgefüge in der Autoindustrie kann damit ins Wanken kommen".

Zwei weitere Berufsgruppen sind derzeit heiß begehrt: Leichtbauexperten und Softwarespezialisten. Wurden die Autos jahrelang immer schwerer, um mehr Sicherheitstechnik unterzubringen, so kämpfen die Ingenieure nun um jedes Kilo, das sie vor allem der Karosserie abtrotzen müssen.


Foto: BMW

Vernetzte Fahrzeuge

Weniger Gewicht spart Energie, und das ist mittlerweile entscheidend. BMW investiert mehrere Hundert Millionen Euro in den Aufbau einer Kohlefaserproduktion, um 2013 als erster Autohersteller der Welt Karosserien aus dem High-Tech-Material herstellen zu können.

Fast genauso wichtig ist die Vernetzung: Mit Hochdruck arbeitet die Autobranche daran, die Generation Twitter und Facebook nicht zu verlieren. "Dinge, die man sich vor drei, vier Jahren nicht vorstellen konnte, werden in ungeheurem Tempo Realität", sagt etwa Audi-Chef Rupert Stadler.

Schon die neueste Fahrzeuggeneration hat permanenten Anschluss über den Mobilfunkstandard LTE an das Internet. Die nächste Stufe ist die Vernetzung der Autos untereinander: Wer vorne bremst, erledigt das für den Hintermann gleich mit.

Schritt ins Ausland wagen

Viel Arbeit für System- und Softwareingenieure. Noch ein Trend bleibt für die Beschäftigten der Branche nicht ohne Folgen: Seit 2010 baut die deutsche Autoindustrie mehr Autos im Ausland als hierzulande. "Die deutschen Hersteller und Zulieferer suchen Manager, die bereit sind, nach Asien oder Amerika zu gehen", sagt Kienbaum-Experte Harald Proff.

Neben China und den USA sind es vor allem Indien, Brasilien und demnächst auch Länder wie die Türkei oder Korea, in denen die deutschen Hersteller verstärkt investieren wollen. Wer ganz nach oben will, muss sich ein Beispiel an Norbert Reithofer und Dieter Zetsche nehmen: Die heutigen Chefs von BMW und Daimler haben ihre wichtigen Karriereschritte in den USA gemacht.


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Naturwissenschaftlich begabt, multilingual und weiblich

Ohne Auslandserfahrung läuft in der Autoindustrie fast nichts. Das typische Profil sieht so aus: Naturwissenschaftlich begabt, mehrsprachig und flexibel – am besten aber weiblich.

Die deutschen Autobauer sind eine Männerdomäne – und wollen das grundlegend ändern. Bis 2020 sollen 17 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt werden.

Nach Daimler hat nun auch BMW ein Zeichen gesetzt und eine Frau in den Vorstand geholt. Milagros Caina-Andree wird ab dem Sommer bei BMW für das Personal zuständig sein.

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