Autobranche Das weibliche Autohaus

Die Autobranche sucht Ideen gegen die drohende Absatzkrise nach der Abwrackprämie. Maria Erkner hat bereits eine Marktlücke entdeckt. Ihre Geschäftsidee spricht besonders weibliche Kunden an – mit dem ersten Frauen-Autohaus Deutschlands.

Lukas Grasberger | , aktualisiert

Die Wolken hängen tief über dem Autohaus „Senorita Maria“ an diesem Märzmorgen in Hennigsdorf bei Berlin. Es könnte ein treffendes Bild für die Branche sein, bei der nach dem Ende der Abwrackpräme der Umsatz eingebrochen ist. Doch Maria Erkner, die 23-jährige Chefin des Seat-Autohauses, strahlt Zuversicht aus. Die junge Diplomkauffrau scheint etwas zu haben, wonach die Automobilbranche händeringend sucht: Eine Idee, wie man der Absatzkrise trotzen könnte. Vor knapp einem halben Jahr hat sie ein Frauen-Autohaus eröffnet - ein nur von Frauen betriebener Fahrzeughandel mit Werkstatt, der sich speziell weiblichen Kunden-Bedürfnissen widmet. Das gab es noch nie in Deutschland.

Steine auf dem Karriereweg

Die Idee dazu kam Maria Erkner, als sie während ihres Studiums im Autogeschäft ihres Vaters jobbte. „Ich habe gesehen, dass Frauen nicht auf die beruflichen Positionen kamen, die sie gerne wollten“, sagt die blonde, zierliche 23-Jährige mit leisen Worten, die leicht über ihre Bestimmtheit hinwegtäuschen könnten. „Manchen wurden bei der Karriere regelrecht Steine in den Weg gelegt.“

Wie etwa einer von Erkners Frauen im Kundendienst. In einem anderen Autohaus durfte sie nur im Büro arbeiten. Sie bewarb sich auf eine Stelle als Serviceberaterin, doch wurde links liegengelassen - befördert wurden nur die Männer um sie herum. Schließlich wechselte sie zu Maria Erkner, wo sie nun endlich im gewünschten Job arbeiten kann.

Die Kfz-Branche ist auch nach Angaben ihres Bundesverbandes noch immer eine Männerdomäne: Zwar liegt die Zahl der weiblichen Auszubildenden im Verkauf mittlerweile etwas höher als die der männlichen. Doch die Chefs sind und bleiben meist Männer, und auch ans Auto Hand anlegen dürfen Frauen nur äußerst selten.

Im Jahr 2008 waren gerade einmal zwei Prozent der 70.000 Lehrlinge im Kfz-Handwerk Frauen. Die Zahl der Bewerberinnen für eine solche Ausbildung zu Werkstatt-Jobs wie Mechatroniker, Servicemechaniker oder Karosserie-Mechaniker lag bei etwa 7000. Auch wenn man alle Ausbildungsplätze im Kfz-Gewerbe betrachtet, also auch Büro und Verkauf mitrechnet, bleiben die Frauen eine kleine Minderheit. Nur 13 Prozent der Azubis insgesamt waren  weiblich.

Autoverkauf als Familientradition

Erkner beschloss, aus ihrer Beobachtung eine Geschäftsidee zu machen. Nach Abschluss ihres BWL-Studiums stellte sie acht Mitarbeiterinnen zwischen 19 und 26 Jahren für Werkstatt und Verkauf ein und nahm einen Kredit bei der Bank auf. „Klar, hätte ich das ohne meinen Vater nicht so leicht finanziert bekommen, der den anderen Teil des Startkapitals beigesteuert hat“, räumt die Geschäftsführerin ein, deren Familie seit fast 100 Jahren Fahrzeuge im Berliner Umland verkauft.

Der Bedarf bei den Kundinnen sei groß, sagt Erkner. „Zu uns sind einige Frauen gekommen, die sich beklagt haben: Das Verkaufspersonal in anderen Autohäusern hätte sie links liegen gelassen und nur mit ihrem Mann geredet“. Komme ein Paar zu „Senorita Maria“, so frage die Verkäuferin ausdrücklich die Frau nach ihren Wünschen.

Doch gibt es das überhaupt, speziell weibliche Bedürfnisse, Kundinnen, die ein Frauen-Auto verlangten? Generell könne man das so nicht sagen, räumt Erkner ein. Allerdings achteten Frauen insgesamt stärker auf Details. Wo Mann sich mit einer bestimmten PS-Zahl zufrieden gebe, seien Käuferinnen zusätzlich die Farbe, Ausstattungsdetails wie Sitzheizung oder die Größe des Kofferraumes wichtig.

Kinderspielecke gehört zur Standardausstattung

Vor allem aber ist es der Umgang untereinander, der bei „Senorita Maria“ schnell auffällt. Leiser, verbindlicher geht es zu, ein Leitbild auf der Homepage spricht etwas sperrig von „familienorientiertem demokratischen Führungsstil“. Heißt konkret: Frauen sollen gleich viel verdienen wie Männer in vergleichbaren Unternehmen und die junge Chefin bietet flexible Arbeitszeitmodelle, wenn sich bei einer Mitarbeiterin Nachwuchs einstellt. Es gibt eine Kinderspielecke, für die sich Maria Erkner beinah entschuldigt: Die gehöre ohnehin zur Standardausstattung des Ladens. Ein Leitbild schreibt Frauenorientiertheit und Gleichberechtigung vor – für Mitarbeiter wie für Kunden.

Kundin Daniela Schütt lobt eine angenehmere Atmosphäre als bei der männerdominierten Konkurrenz, bei der sie bislang zur Repartur vorfuhr. „Wir sind hier irgendwie auf einer Ebene“, sagt die junge Hennigsdorferin. „Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Frauen gut auf mich eingestellt haben.“

Für Franziska Fengler, die in der Werkstatt unterdessen energisch an Schütts Kleinwagen schraubt, findet es schon angenehmer, nur mit Frauen zu arbeiten. „Da gucken einem die Männer nicht dauernd auf die Finger. Und die Frauen trauen sich auch mal ´was zu fragen.“ Das Autohaus plant nun spezielle Kurse, um Frauen fit zu machen für Reifen- oder Ölwechsel.

Hoffen auf das Ostergeschäft

Aus der Kfz-Branche kommt Lob für neue Modelle wie das Frauen-Autohaus: „Es ist gut, dass sich Betriebe genau überlegen, wie sie sich positionieren, um speziell in ihrer Region und ihrem besonderen Umfeld besser angenommen zu werden. Um so wichtiger ist dies, wenn der Absatz zurückgeht“, sagt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Frauenautohaus-Chefin Erkner hat seit Oktober bereits 20 Fahrzeuge verkauft – ganz ohne Abwrackprämie, denn die galt da schon nicht mehr. Ganz zufrieden ist sie damit dennoch nicht, „aber wir kommen über die Runden“.

Damit scheint es bei Händlerin Erkner jedenfalls runder zu laufen als für Seat insgesamt. Das Sorgenkind im VW-Konzern schreibt ein dreistelliges Millionenminus, 2009 lag der operative Verlust bei 339 Millionen Euro. „Wir erhoffen uns durch diesen außergewöhnlichen Weg neue Verkaufsimpulse. Von der Idee eines Frauenautohauses waren wir von Anfang an sehr angetan“, heißt es bei Seat. Der Autohersteller und Geschäftsführerin Erkner setzen nun auf die übliche Frühjahrsbelebung in Deutschland. Rund um Ostern sind die Werkstätten erfahrungsgemäß voll und das Neuwagengeschäft zieht an. Dann hofft Maria Erkner, dass sich die Wolken über „Senorita Maria“ verzogen haben - und sie ordentlich Gas geben kann.

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