Auszeit Treffsichere Argumente für das Sabbatjahr

Eine längere Auszeit vom Job lohnt sich auch für den Arbeitgeber – bei einem Modell, durch das der Chef Personalkosten spart.

zeit.de | , aktualisiert

Treffsichere Argumente für das Sabbatjahr

Foto: Andreas Haertle / fotolia.com

Kriechen Sie auch auf dem Zahnfleisch? Vier oder sechs Wochen Urlaub im Jahr reichen selten, um sich wirklich zu erholen. Wie schön wäre es, eine längere Auszeit nehmen zu können. Eine Möglichkeit ist ein sogenanntes Sabbatical: Dabei bekommen Arbeitnehmer für eine gewisse Zeit frei – in der Regel für eine Dauer von mehreren Monaten bis zu einem Jahr. Danach kehren sie in der Regel zum gleichen Arbeitsplatz zurück. Während des Sabbaticals ruht das Beschäftigungsverhältnis, es ist aber nicht gekündigt. Und: Der Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf seinen alten Job.

Aber so eine Auszeit muss man sich gleich im doppelten Sinne leisten können. Denn einen Rechtsanspruch auf eine längere Auszeit gibt es in Deutschland nicht. Ausnahme: Die Arbeitszeitflexibilisierung im öffentlichen Dienst sieht eine solche Möglichkeit vor. Und weil man während der freien Zeit nicht arbeitet, wird man in der Regel auch nicht bezahlt. Das heißt: für ein Sabbatical müssen Beschäftigte eine ganze Weile ansparen.

Rechtsanspruch aufs Sabbatical

Gleichwohl bieten immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten die Möglichkeit, ein Sabbatical zu nehmen. Einige Arbeitgeber handeln mit ihren Arbeitnehmervertretungen entsprechende Betriebsvereinbarungen aus, die genau regeln, unter welchen Umständen die Beschäftigten ein Sabbatjahr machen können. Meist sehen solche Vereinbarungen vor, dass das Beschäftigungsverhältnis bereits ein oder mehrere Jahre bestanden haben muss. Und sie regeln, mit wie viel Vorlaufzeit ein Mitarbeiter seinen Wunsch dem Arbeitgeber mitteilen muss oder wie die Ansparung gestaltet sein soll.

Wenn es eine Betriebsvereinbarung gibt, dann haben die Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical. Ansonsten bleibt nur die Möglichkeit, selbst mit dem Chef eine entsprechende Vereinbarung zu treffen. Hierbei gibt es aber keine Garantie, dass der Chef auch zustimmt.

Wann das Gleichbehandlungsgesetz greift

Aber auch wenn entsprechende Regelungen im Betrieb fehlen: Hat der Chef bereits mehreren Arbeitnehmern ein Sabbatical genehmigt und verbietet er die Auszeit nur bei einem einzigen, ist von einer individuellen Benachteiligung auszugehen. Und das verstößt gegen den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz. Arbeitsrechtlich schwierig für den Chef, aber gut für den Mitarbeiter: In solchen Fällen gehen Fachanwälte für Arbeitsrecht davon aus, dass der Chef das Sabbatical gewähren muss. Jedoch: Das gilt nur, wenn die Mitarbeiter vergleichbare Jobs haben. Wird einem Mitarbeiter in der Forschungsabteilung ein Sabbatical gewährt, aber verwehrt der gleiche Arbeitgeber einem Beschäftigten in der Produktion am Band die Auszeit, so gilt hier der Gleichbehandlungsgrundsatz leider nicht, weil die Tätigkeiten der Mitarbeiter nicht vergleichbar sind.

Was hat der Arbeitgeber vom Sabbatical? Er spart in der Regel Personalkosten – und gewinnt loyale Beschäftigte. Und das ist das Argument, mit dem man ihm die Auszeit schmackhaft machen kann. Wird das Sabbatical über eine Reduzierung der Arbeitszeit finanziert, dann rechnet sich das ganze auch für das Unternehmen. In diesem Fall spart ein Mitarbeiter vor dem Sabbatical seine Arbeitszeit in einer sogenannten Ansparphase an, um in der Freistellungsphase dieses Arbeitszeitguthaben einlösen zu können. Im für den Arbeitgeber attraktivsten Fall wird das über eine Gehaltsansparung abgewickelt. Das funktioniert so: Der Mitarbeiter arbeitet in den Ansparmonaten weiterhin in Vollzeit, bekommt jedoch nur ein Teilzeitgehalt. Während der Freistellung wird dem Mitarbeiter dann das angesparte Gehalt ausgezahlt, die Freistellung wird auf diese Weise verrechnet.

Win-win-Situation

Und weil die Steuerprogression hier greift und zudem geringere Sozialabgaben fällig werden, "profitieren" beide Seiten von diesem Modell: Schon während der Ansparungsphase fallen für den Arbeitgeber reduzierte Personalkosten an, weil die Sozialversicherungsbeiträge auf das reduzierte Gehalt natürlich auch niedriger sind. Während der Freistellung wird der angesparte, aber deutlich geringere Lohn ausbezahlt – auch auf diesen Betrag fallen nur wenige Abgaben an. Der Arbeitnehmer hingegen bekommt frei, bleibt aber bei diesem Modell in den Sozialversicherungssystemen. Jedoch zahlt er in der Ansparphase und in der Freistellung nur einen geringen Anteil in die Sozialkassen ein. Das sollte man also berücksichtigen.

Ein anderes Modell wäre ein entsprechendes Langzeitkonto, auf dem Arbeitszeitguthaben wie etwa Überstunden gesammelt werden, die für das Sabbatical gespart werden. Viele Arbeitgeber ermöglichen aber genau das nicht, weil sie besonders bei Vertrauensarbeitszeit keinen Anreiz bieten wollen, dass Mitarbeiter Überstunden sammeln, um diese vollbezahlt in einer langen Auszeit abbummeln zu können. Bei diesem Modell profitiert der Arbeitgeber nämlich nicht von den reduzierten Lohnkosten.

Alle Modalitäten schriftlich klären

Daneben gibt es noch die Möglichkeit, sich für ein Sabbatical unbezahlten Urlaub zu nehmen. Aber hierbei muss man sich als Arbeitnehmer freiwillig krankenversichern. Allerdings kann man sich von der Rentenversicherung sowie den anderen Sozialabgaben befristet freistellen lassen. Auch dieses Modell ist für Arbeitgeber attraktiv, weil sie hier für die Dauer der Freitstellung komplett die Personalkosten inklusive des gesamten Arbeitgeberanteils sparen.

So oder so sollte man die Modalitäten des Sabbaticals schriftlich mit dem Arbeitgeber regeln. Der Vertrag sollte den Beginn und die Dauer der Auszeit, die konkrete Zeitansparphase und die konkreten Gehaltszahlungen enthalten und idealerweise auch ausschließen, dass man während des Sabbaticals gekündigt werden kann. Gut ist es außerdem, wenn geklärt ist, wie es sich mit dem Urlaubsanspruch im Sabbatical, dem Umgang mit Krankheit oder einer frühzeitigen Rückkehr an den Arbeitsplatz verhält, etwa weil man das Sabbatical unvorgesehen abbrechen muss.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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