Aussitzen Deutsche Chefs bleiben länger im Job

Im internationalen Vergleich halten es deutsche CEO´s länger auf dem Chefsessel aus. Auch der Jugendwahn nimmt der Strategieberatungsfirma Booz & Company zufolge ab.

Claudia Tödtmann, wiwo.de | , aktualisiert

Deutsche Chefs bleiben länger im Job

Foto: fotodesign-jegg.de/Fotolia.com

Die Fluktuationsquote bei den CEO´s ist gesunken in den deutschsprachigen Ländern – Deutschland, Österreich und Schweiz: Mit 11,7 Prozent (Vorjahresvergleich 16,7 Prozent) liegt sie weit unter der Geschwindigkeit der Personalkarussells in Brasilien, Russland und Indien. Diese Wachstumsregionen haben eine Wechselquote der CEO´s von 23,7 Prozent. Europaweit liegt die Fluktuationsquote bei 15,1 Prozent (Vorjahresvergleich: 14,8 Prozent) und weltweit bei 15 Prozent (2011: 14,2 Prozent).

Die Strategieberatung Booz & Company untersuchte jetzt zum zwölften Mal, wie die Chefs der weltweit größten 2500 börsennotierten Unternehmen auf ihrem Sessel sitzen. Das Resultat für den deutschsprachigen Raum: Obwohl die Fluktuationsquote vergleichsweise niedrig ist, verbleiben die Vorstandschefs im Schnitt nur 6,2 Jahre auf ihrem Posten, die Zahl lag 2011 noch bei 7,6 Jahren. Wenn sie aussteigen, sind sie in deutschsprachigen Gefilden heute 58,5 Jahre alt. "Der Jugendwahn nimmt ab, vor zwei Jahren waren die ausscheidenden CEO´s in Deutschland im Schnitt erst 55 Jahre alt", vergleicht Klaus-Peter Gushurst, Deutschland-Chef von Booz & Company.

Geschlechtergefälle

Europaweit liegt die CEO-Amtszeit bei 5,1 Jahren. "Und das ist zu wenig, um einen CEO-Posten gut auszufüllen", meint Gushurst. Die Grenze liegt nach seiner Erfahrung bei fünf Jahren. Im weltweiten Schnitt beträgt diese Verweildauer 6,2 Jahre – und ist damit die niedrigste in den vergangenen zehn Jahren. Zum Vergleich: Die längste Verweildauer der CEO´s betrug vor sieben Jahren – in 2006 – immerhin noch acht Jahre.

Bemerkenswert: Im ganzen deutschsprachigen Raum hat es nur eine einzige Frau auf einen CEO-Chefsessel geschafft. Dass die nicht in Deutschland ist, war zu erwarten. Es ist Jasmin Staiblin bei der Schweizer Alpiq Holding. Weltweit zeigt sich ein ähnliches Geschlechterverhältnis: Nur fünf Prozent alles CEO-Posten sind in 2012 an eine Frau gegangen. Bis die erste Frau auf einem deutschen Vorstands-Chefsessel Platz nimmt, dürfte noch viel Wasser den Rhein herunter fließen. Tummeln sich die meisten Damen doch im Personalwesen – die Sparte, die fast nie einen Vorstandsboss stellt. "Frauen, die in die Produktion, in den Vertrieb oder die Entwicklung gehen, erhöhen ihre Karrierechancen in Richtung Vorstand", so Gushurst.

Die relative Stabilität in den deutschen Führungsetagen der größten börsennotierten plus der 300 größten Unternehmen erklärt Gushurst mit der guten wirtschaftlichen Lage hierzulande. In 79,5 Prozent der Fälle erfolgt die CEO-Wachablösung nach Plan, also entweder weil der Vertrag auslöst oder die Altersgrenze erreicht ist. Nur 14,5 Prozent der Vorstandschefs werden gefeuert und weitere sechs Prozent scheiden wegen Firmenübernahmen oder Fusionen aus.

Ihre Hausaufgaben machten die Vorstände auch im Hinblick auf das, was ihnen Unternehmensberater seit fast 15 Jahren schon predigen: Sie angeln sich immer mehr Führungskräfte im Ausland so wie Bayer oder Henkel. Bei den frischgebackenen CEO´s kommen bereits 37 Prozent nicht aus dem deutschsprachigen Raum. Ob die denn auch tatsächlich der bessere personelle Schachzug sind, muss sich aber noch erweisen.

Immerhin 68 Prozent der Neuankömmlinge auf dem CEO-Chefsessel haben zuvor Auslandserfahrung gesammelt, europaweit sind das nur 57 Prozent und weltweit nur 45 Prozent.

Mit Energie in neue Posten

Vergleicht man die Branchen, so sind die Energieversorger die Wechselwütigsten: Jeder dritte CEO (29,4 Prozent) wurde ausgetauscht (2011: 12.5 Prozent). Von den Top-3-Unternehmen bekamen zwei einen neuen CEO in 2012 und zwar RWE und EnBW. Bei den IT-Unternehmen war es immerhin gut jedes fünfte, das einen neuen CEO bekam (22,2 Prozent).

Ruhiger wurde es in der Pharmaindustrie, die in 2011 eine Fluktuationsquote von 33 Prozent hatte und es jetzt nur noch auf 20 Prozent bringt. Doktortitel werden immer bedeutungsloser: Nur noch 23 Prozent der frischgekürten CEO´s haben einen Dr. vor ihrem Namen. Weltweit sind es sogar nur neun Prozent.

Erfreulich ist, dass die Branchen durchlässiger werden: "Bei der Suche nach Kandidaten zählen Erfahrung, Führungsstärke und CEO-Qualitäten inzwischen mehr als nur die Branchenkenntnis", beobachtet Gushurst, der selbst Automotive-Experte ist. 41 Prozent der neuen CEO´s sind Branchenwechsler. Gushurst überraschte es beispielsweise, als Friedrich Joussen von Ex-Vodafone-Chef aus der Telekommunikationsbrache zum Touristikkonzern TUI wechselte.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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