Auslandserfahrung San Francisco: Freizeit, Lebensqualität, Karriere

Wer Auslandserfahrung mit hoher Lebensqualität kombinieren will, ist in San Francisco richtig. Die Stadt strotzt vor Kreativität: Silicon Valley um die Ecke, europäisches Flair, unzählige Sportmöglichkeiten, kalifornische Küche und Weine machen die Westküstenmetropole unwiderstehlich - beruflich wie privat.

Alexandra Baur | , aktualisiert

Beinahe hätte Martin Haas einen Rückzieher gemacht. Ausgerechnet im September 2001 fing der Versicherungskaufmann und Betriebswirt VWA bei American Re, der amerikanischen Tochter der Münchener Rück, in San Francisco an. "Doch da hatte ich bereits mein Auto verkauft und meine Wohnung in München aufgegeben", erinnert sich der 30-Jährige. Bis heute bereut er es nicht, seinen Arbeitsplatz trotz Terrorangst von der Isar an den Pazifik verlegt zu haben.

Jeden Morgen geht Haas zu Fuß ins Büro. Als Property Underwriter ist er für die gesamte Westküste verantwortlich. Seine Kunden sind Versicherungen, die sich ihrerseits gegen Schadensfälle von Kunden absichern wollen. Obwohl er der einzige Deutsche unter 42 Mitarbeitern ist, hat er sich schnell eingelebt. "Die offene Art der Amerikaner wird häufig als oberflächlich kritisiert. Aber für einen Neuankömmling ist sie verdammt hilfreich", sagt der gebürtige Münchener.

Unwiderstehliches Flair

Von einem Job in den USA träumen viele Deutsche. Und San Francisco, von der britischen Consultingfirma Robert Higgins gerade zur Welt-Kompetenzhauptstadt 2004 gekürt, gilt nach New York als begehrteste Auslandsstation. Rund 40.000 deutsche Staatsangehörige residieren in der Bay Area, schätzt Walter Leuchs, stellvertretender Generalkonsul in San Francisco. Silicon Valley um die Ecke, europäisches Flair, unzählige Sportmöglichkeiten, kalifornische Küche und Weine machen die Westküstenmetropole unwiderstehlich - beruflich wie privat.

Deutsche Unternehmen entsenden Mitarbeiter meist zeitlich befristet in die USA. Andere Länder, andere Job-Sitten: Die Gehälter sind in vielen Branchen niedriger als in Deutschland, die Arbeitszeiten dafür länger. Underwriter Haas bekommt auch weniger Urlaub, üblich sind 15 bis 20 Tage jährlich. Für ihn kein Problem: "Ein Auslandseinsatz ist schließlich nicht dazu da, die Tage bis zum Jahresurlaub zu zählen."

Über mangelndes Freizeitangebot kann er sich ohnehin nicht beklagen. After-Work-Partys sind in der Outdoor-Stadt San Francisco unüblich. Wie viele andere verabredet sich Haas lieber zum Joggen oder Volleyball. Vergangenen Winter hatte er mit Freunden eine Hütte am nahen Lake Tahoe gemietet, stand fast jedes Wochenende auf dem Snowboard. Klingt ein bisschen wie München, doch Haas winkt ab. "Kein Vergleich", sagt er. "Hier läuft vieles entspannter. Für Amerikaner ist es völlig normal, selbst am Samstagabend mit Bermudashorts und Flipflops wegzugehen."

Karriere machen ohne Cash

Wer auf eigene Faust Arbeit sucht, braucht einen langen Atem. Katja Leibenath jobbte zunächst ohne Bezahlung als Praktikantin an der Stanford-Universität, weil sie keine Arbeitserlaubnis hatte. Ihr Einsatz sollte sich auszahlen: Leibenath sammelte wertvolle Erfahrung, mit der sie bei der Bewerbung für ihre jetzige Stelle ihr schon vorhandenes Fachwissen anreichern konnte: "Vorbildung hat einen wesentlich geringeren Stellenwert als in Deutschland."
Gegen 170 Mitbewerber setzte sich die 31-jährige Innenarchitektin durch. Sie ist heute für die Instandhaltung der Immobilien der renommierten Universität Berkeley verantwortlich. Kein leichter Job angesichts mehrerer Studentenwohnheime mit insgesamt 5.000 Betten, fünf Kindertagesstätten, vier Mensen und drei Restaurants.

Gemeinsam mit ihrem Mann, der beim Software-Unternehmen Testing Tools arbeitet, genießt Kultur-Freak Leibenath die Stadt in vollen Zügen: Dauerkarten für die San Francisco Symphoniker, Mitgliedschaft im Museum of Modern Art, Altbauwohnung im trendigen Viertel Russian Hill. Plus Postkartenblick von der Dachterrasse auf die Golden Gate Bridge.

Big Deals fürs Valley

Freiheit in Frisco hat viele Gesichter. Thomas Gieselmann schwärmt von der "Konzentration intelligenter, motivierter Unternehmer, die es lieben, Risiken einzugehen und Firmen aufzubauen". Seit Januar 2001 leitet der 31-Jährige das San-Francisco-Büro der Risikokapitalfirma Bertelsmann Ventures, einer Tochter des Gütersloher Medienkonzerns. Zusammen mit zehn Mitarbeitern spürt er Erfolg versprechende Geschäftsideen auf. Seinen bislang besten Deal hat er gemacht, als er eGroups, heute OneList, für rund 430 Millionen Dollar an den Internet-Dienstleister Yahoo verkaufte.

Bis mindestens 2011 wird der Risikokapital-Manager laut Arbeitsvertrag noch in San Francisco bleiben. Heimweh nach dem Alten Kontinent kennt er nicht. Fürs Europa-Feeling braucht er nur aus seiner Wohnung im Nobelviertel Pacific Heights zu treten. Die vielen kleinen Shops, Straßencafés und Kneipen entlang der Fillmore Street erinnern an Brüssel oder London.

Gründen im Turbotempo

Den Ruf der USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein, stellt Angela Burghart gerade auf den Prüfstand. Seit Mai 2002 baut die 32-Jährige die Westküsten-Niederlassung ihrer Werbeagentur Use Marketing auf. "Die Firmengründung war sehr einfach und unbürokratisch", sagt sie. Nachdem sie zwei Jahre in New York gearbeitet hatte, mietete sie Büroräume im Soma-Distrikt von San Francisco an. Vom Stress der schnellen Werbewelt erholt sie sich in ihrem Haus, das auf einer kleinen Insel vor Oakland steht. Mit dem Auto ist sie in einer Viertelstunde dort. "Ich habe eine Palme, einen Zitronenbaum im Garten, und der Strand ist nur einen Steinwurf entfernt", freut sich die Marketingfrau.

Wie der US-Markt tickt, hatte Burghart schon im BWL-Studium erfahren, als sie öfter über den großen Teich flog, um für deutsche Unternehmen Messen zu organisieren. Später entwarf sie für den Stifte-Hersteller Staedtler globale Vermarktungsstrategien mit Schwerpunkt USA. Gute Voraussetzungen für ihre Arbeit heute: Burghart zeigt Unternehmen wie dem Optik-Spezialisten Berliner Glas oder Heizungsbauer Viessmann, wie sie Werbung und Vertrieb dem größten Ländermarkt der Welt anpassen können.

Für große Urlaube hat die Unternehmerin keine Zeit. Wozu auch, in San Francisco liegen die Reiseziele vor der Tür: "Man kann die Wochenenden für herrliche Trips nutzen, weil Meer und Berge in unmittelbarer Nähe sind. Es gibt nichts Besseres, als im Februar nach einem Tag Snowboarden am folgenden bei 25 Grad zu surfen."

San Francisco Facts & Figures

Visum

Die ohnehin strengen Kontrollen sind weiter verschärft worden. Ein Visum kann nur noch bei der US-Botschaft in Berlin und beim Generalkonsulat in Frankfurt beantragt werden. Ehepartner bekommen ebenfalls eine Einreisegenehmigung, allerdings können diese nur bei unternehmensinternen Versetzungen auch mit einem Arbeitsvisum rechnen. Weitere Infos unter www.usembassy.de.

Wohnen

Die Mieten sind seit 2001 zwar gesunken, aber immer noch deftig. Ein-Zimmer-Flats kosten leicht 1.300 Dollar im Monat. Einen guten Überblick bieten San Francisco Chronicle (www.sfgate.com) und San Francisco Examiner (www.examiner.com). Oft genügt aber ein Streifzug durch die Viertel, da viele Vermieter einfach ein Schild ins Fenster hängen, statt zu inserieren. Wer mieten will, braucht eine amerikanische Kreditkarte als Beweis seiner Solvenz.

Sozialversicherung

Wer von einem deutschen Unternehmen befristet entsendet wird, bleibt im hiesigen Pflichtversicherungssystem, sofern der Arbeitgeber weisungsbefugt bleibt, das Gehalt aus Deutschland überwiesen und dort bilanziert wird und nach dem USA-Aufenthalt eine Weiterbeschäftigung in Deutschland vorgesehen ist. Vorteil: Es entstehen keine Versorgungslücken. Deutsche Angestellte mit US-Arbeitsvertrag können alternativ in die Social Security einzahlen. Haken: Die Behörden entscheiden von Fall zu Fall, ob die Beiträge bei einer späteren Rückkehr erstattet werden. Infos liefert die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (www.bfa.de) und die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (www.dvka.de). Amerikanische Verträge haben weniger Urlaubstage und kürzere Kündigungszeiten.

Krankenversicherung

Privatversicherte müssen sich bei ihrer Versicherung erkundigen, ob und in welchem Umfang diese für die Dauer des USA-Aufenthalts Leistungen erbringen. Gesetzlich Versicherte bekommen die gleichen Leistungen erstattet, auf die sie in Deutschland Anspruch hätten. Gleichwohl sollten sie prüfen, ob eine zusätzliche Auslandsversicherung für Notfälle sinnvoll ist. Mit einem US-Arbeitsvertrag bekommt man oft gleich die medizinische Versorgung mitgeliefert. Die Leistungen sind in der Regel genau definiert.

Leben und Erleben

Die besten Websites sind www.sfvisitor.org und www.sanfrancisco.com. Aktuelle Termine und Ausgehtipps gibt's im San Francisco Magazin.

Berlex Biosciences (Tochter der Schering AG), Geschäftsfeld: Pharmazie, Biotechnologie, Umsatz: 4,8 Mrd. Euro (Schering, weltweit), Mitarbeiter: 400, davon 20 Deutsche (26.635 Schering, weltweit), Gesuchte Qualifikationen: Molekulare Biologie, Zellbiologie, Bioinformatik ,Gehalt: 91.100 US-Dollar, Kontakt: 2600 Hilltop Drive, Richmond, CA 94804-0099, www.berlex.com

Cisco Geschäftsfeld: Netzwerk-Ausrüstung Umsatz: 18,9 Mrd. US-Dollar (weltweit) Mitarbeiter: 34.000 (weltweit) Gesuchte Qualifikationen: Finanzen, Elektrotechnik, IT, Soft- und Hardwareingenieurwesen Gehalt: 85.600 US-Dollar* Kontakt: 170 West Tasman Drive, San José, CA 95134, 4(0 01.4 08.5 26 40 00, www.cisco.com

GAP Geschäftsfeld: Bekleidung, Umsatz: 14,4 Mrd. US-Dollar (weltweit), Mitarbeiter: 169.000 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: Marketing, BWL, Color Technics, Mode-Design, Gehalt: 80.000 US-Dollar, Kontakt: 2 Folsom Street, San Francisco, CA 94105,  http://www.gapinc.com/public/Careers/careers.shtml

Hewlett-Packard Geschäftsfeld: Computer, Drucker, Scanner, IT-Infrastruktur, Umsatz: 73,1 Mrd. US-Dollar (weltweit), Mitarbeiter: 142.000 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: IT, Information Systems, Elektrotechnik, BWL, Marketing, Gehalt: 89.500 US-Dollar, Kontakt: 3000 Hanover Street, Palo Alto, CA 94304, www.jobs.hp.com

Infineon Technologies, Geschäftsfeld: Halbleiter, Umsatz: 6,1 Mrd. Euro (weltweit), Mitarbeiter: 32.300 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: Elektrotechnik, IT, besonders gesucht: Systementwickler mit mindestens fünf Jahren Erfahrung, Gehalt: 89.500 US-Dollar, Kontakt: 1730 North First Street, San José, CA 95112, www.infineon.com/careers.

intel Geschäftsfeld: Halbleiter, Umsatz: 30.141 Mrd. US-Dollar (weltweit), Mitarbeiter: 78.700 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: IT, Hard- und Softwareingenieurwesen, Gehalt: 89.500 US-Dollar, Kontakt: 2200 Mission College Blvd., Santa Clara, CA 95052, www.intel.com/jobs

Levi Strauss Geschäftsfeld: Bekleidung, Umsatz: 4,3 Mrd. US-Dollar (weltweit), Mitarbeiter: 12.400 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: Finanzen, Business Administration, Accounting, Gehalt: 80.000 US-Dollar, Kontakt: 1155 Battery Street, San Francisco, CA 94111, www.levistrauss.com/careers

McKinsey & Company Geschäftsfeld: Unternehmensberatung, Umsatz: k.A. Mitarbeiter: 170, Gesuchte Qualifikationen: Wirtschafts-, Geistes-, Naturwissenschaften, Gehalt: 89.000 US-Dollar, Kontakt: 555 California Street, Suite 4700, San Francisco, CA 94104, www.mckinsey.com

Oracle Geschäftsfeld: Software, IT-Beratung, Umsatz: 9,5 Mrd. US-Dollar (weltweit), Mitarbeiter: 40.650 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: IT, Marketing, Gehalt: 85.600 US-Dollar, Kontakt: 500 Oracle Parkway, Redwood City, CA 94065, http://jobs.oracle.com

Sun Microsystems Geschäftsfeld: Netzwerk-Ausrüstung, Umsatz: 11,4 Mrd. US-Dollar (weltweit), Mitarbeiter: 35.000 (weltweit), Gesuchte Qualifikationen: Elektrotechnik, Computertechnik, IT, Gehalt: k.A., Kontakt: 4150 Network Circle, Santa Clara, CA 95054, www.sun.com/corp_emp/

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