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Auslandserfahrung Praktisch in die Ferne

Die für den Lebenslauf so wichtigen Auslandserfahrungen sammeln Studenten besonders gut bei einem Praktikum. Gerade der Weg über ein international agierendes deutsches Unternehmen erspart ihnen viel Aufwand.

Nils Hille | , aktualisiert

Praktisch in die Ferne

Foto: D. Schütz/Pixelio

Vorteile gegenüber dem Auslandsstudium

Ein Auslandssemester hätte Malte Bücken nur wenig gebracht – dagegen öffne ihm sein Unternehmenspraktikum in Jakarta sicher eine Tür in die Berufswelt. Davon ist der Kölner Mathematik-Student überzeugt. Vier Monate lang arbeitete Bücken deshalb am indonesischen Standort der Allianz. "Von dem Studium wäre mir keine Leistung angerechnet worden, aber durch die praktische Erfahrung im Ausland kann ich als Mathematiker nun mit den Wirtschaftswissenschaftlern mithalten", sagt er.

Der 25-Jährige möchte nach seinem Abschluss zwar bei einem deutschen, aber international aufgestellten Konzern arbeiten. Gerade für große deutsche Unternehmen zählt Auslandserfahrung zu den wichtigsten Auswahlkriterien von Bewerbern. Unter ihnen sind besonders die Kandidaten gefragt, die ein Praktikum in einem anderen Kulturkreis absolviert haben. Denn aus Sicht der Personaler weisen sie mit dieser Station im Lebenslauf gleich eine Fülle an Fähigkeiten nach.

"Auslandspraktikanten erweitern nicht nur ihren persönlichen Horizont, sondern verbessern auch ihre interkulturellen Kenntnisse. Sie lernen sensibel auf landestypische Gegebenheiten zu reagieren, was ihnen später auch in international besetzten Projektgruppen nützt", sagt Stephanie Dickes, Fachbereichsleiterin Personalentwicklung bei der Allianz Deutschland.

Interkulturelle Kompetenz

Diese Aussage unterstreicht auch Roman Dykta, Leiter Hochschulmarketing beim Wirtschaftsprüfer KPMG: "Die Praktikanten erwerben interkulturelle Kompetenz, werden flexibler und lernen die Sprache so, wie sie es in Deutschland nicht könnten." Die hohe Reisebereitschaft und die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren, kommen als Kompetenzen hinzu.

Doch nur wenige Hochschüler nutzen diesen Wettbewerbsvorteil im späteren Bewerbungsprozess. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks absolvierten gerade mal acht Prozent der Studierenden an Universitäten im Jahr 2009 ein Auslandspraktikum, bei den Fachhochschülern waren es sogar nur sechs Prozent.

Nina Lemmens, Abteilungsleiterin vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), rechnet in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Anstieg: "Wir können einen klaren Trend ausmachen. Wenn sich die Studenten für einen Auslandsaufenthalt entscheiden, dann verstärkt für ein Praktikum." Durch solch eine Auslandsstation darf sich das Studium auch etwas verlängern.

Der Druck sei hausgemacht, im Bachelor nur die meist vorgesehenen sechs Semester zu studieren, sagt Lemmens: "Viel wichtiger ist den zukünftigen Chefs eine durch Auslandserfahrungen gestärkte Persönlichkeit." 

Vier Monate sind deutsche Praktikanten durchschnittlich in einem anderen Land – wie Malte Bücken, der anschließend noch zwei Monate privat durch Indonesien gereist ist. Mit seinem Praktikum bei einem deutschen Unternehmen hat er den Weg ins Ausland gewählt, der am besten vorgeplant und begleitet wird. Denn viele Konzerne senden mittlerweile Studenten rund um den Globus.

Die Reise führt sie nicht mehr nur ins europäische Ausland oder die USA. Auch Südkorea, Singapur und eben Indonesien sind als wirtschaftliche Wachstumsregionen beliebte Ziele. Durch eine Werkstudententätigkeit und das betriebsinterne Bindungsprogramm, über das unter anderem Seminare angeboten werden, hatte Bücken am Kölner Standort der Allianz Kontakte geknüpft.

Wirtschaftliche Wachstumsregionen als neue Ziele

Als die Personalabteilung kurzfristig einen Praktikanten für Jakarta suchte, sendete er spontan eine Bewerbung. "Eine neue Sprache und eine ganz andere Kultur kennenzulernen, hat mich einfach gereizt", sagt er. Seine Begeisterung konnte er den Personalentscheidern im Unternehmen schnell vermitteln.

Nach zwei Telefoninterviews bekam er das Praktikum – und per Post ein Paket mit allen Informationen sowie einer To-do-Liste für den Aufenthalt. Bei der Ankunft in Jakarta wurde Bücken vom Flughafen abgeholt und zur für ihn gemieteten Wohnung gebracht.

Wer nicht das Glück einer perfekten Fremdorganisation hat, ist selbst gefragt. Neben der Direktbewerbung bei Unternehmen führen einige weitere Wege in die europäische Nähe oder kontinenatle Ferne. "Wenn ich die Palette an Möglichkeiten sehe, hat jeder gute Chancen, der weiß, was er dort konkret machen will", sagt Lemmens. Sie gibt Studenten zwei Tipps mit auf die Praktikumssuche: Zum einen rät sie, nicht sofort in den ersten Semestern ins Ausland zu gehen, sondern diese zur fachlichen Orientierung zu nutzen: "Wer dann weiß, was er mit einem Praktikum erreichen will, kann sich leichter das passende Angebot suchen und für seine Qualifikation nutzen."

Zum anderen sollten Studenten ihre Entscheidung nach Inhalten und nicht nach dem Ort des Praktikums treffen. "Nur weil der Städtename toll klingt, müssen die Aufgaben dort nicht zwingend interessant sein", sagt Lemmens. "Wer beispielsweise nach New York geht, taucht unter Umständen weniger in die Kultur des Gastlandes ein als Praktikanten in einer ländlichen Region."


Der Artikel wurde überarbeitet am 5.2.2013.

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