Ausland "Reisen ist im Jemen sehr gefährlich"

Im Süden der arabischen Halbinsel gibt es weltweit die meisten Entführungen. Die Lebensverhältnisse sind ärmlich, die Gastfreundschaft ist groß. Wenn man touristische Orte meidet und sich in den Alltag der Jemeniten stürzt, ist das Leben dort ein Gewinn.

Tobias Heyer | , aktualisiert

Pünktlich um 14.30 Uhr wird das Büro von Erfan Diebel in der Hauptstadt Sana'a abgeschlossen. Dabei hat er noch zwei Stunden als Juniorkraft im Dienste der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zu arbeiten. Als studierter Lehrer berät er das Schulministerium in Fragen der Erziehung, bei Schulbüchern, Lehrerausbildung und Schulaufsicht.

Warum die Türen im jemenitischen Ministerium so früh geschlossen werden, weiß er selbst nicht so genau. "Vielleicht, weil im Jemen acht Arbeitsstunden sehr ungewöhnlich sind", erklärt es sich der 32-Jährige und arbeitet zu Hause weiter. Er nimmt es mit einer Gelassenheit, die ihn dieses Land lieben lässt. "Hier ist vieles unorganisiert und mit deutschen Verhältnissen nicht vergleichbar". Dafür sei aber auch vieles unkompliziert. Das fange beim Essen an. "Hier braucht man weder Gabel, Messer noch Teller", sagt Diebel. Man setzt sich, Brot wird gereicht, Soßen, Fleisch und Gemüse werden darin eingewickelt und in den Mund geschoben. Das machen die Jemeniten so - und auch Diebel, denn der isst meist da, wo sich Einheimische zum Essen einfinden.

Wo wenige Europäer sind, ist es sicher

"Von der GTZ sind wir darauf vorbereitet worden, uns nicht dort aufzuhalten, wo sich Westeuropäer treffen. Also meide ich Hotels und westliche Cafés", erklärt Diebel, der neben Geschichte und Politik auch Arabistik studiert hat. Denn an den Treffpunkten der Europäer sei ein Aufenthalt zu riskant. Wie gefährlich Touristenattraktionen sein können, erlebte Diebel mit seiner Frau, die ebenfalls aus Deutschland kommt. "Drei Tage nachdem wir Schibam besucht haben, starben dort fünf Menschen bei einem Bombenanschlag."

Abends besucht er seine jemenitischen Freunden, deren Gastfreundschaft ihn beeindruckt - zu Fuß oder mit dem Taxi. "Beim Taxifahren taucht man mit den alten Wagen, der orientalischen Musik tief ein in die jemenitische Welt", schwärmt der Pädagoge. Doch weit fährt er auch mit dem Auto nicht: "Reisen ist im Jemen sehr gefährlich." Früher fuhr er auf dem Weg zur Arbeit noch an der US-Botschaft vorbei. Heute versperren gepanzerte Fahrzeuge den Weg, Soldaten patroullieren vor dem Botschaftsgebäude. Und die arbeiten rund um die Uhr, ohne Pause, immer bereit, einen neuen Anschlag zu verhindern.

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