Ausgründungen In den USA wachsen Ableger besser

Alexander Kritikos, der Forschungsdirektor für "Entrepreneurship" des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, erklärt, warum es in den USA mehr Ausgründungen gibt.

Lara Sogorski | , aktualisiert

In den USA wachsen Ableger besser

Foto: amenic181/Fotolia.com

Herr Kritikos, in puncto Ausgründungen aus Hochschulen – den Spin-offs – gelten die USA als Vorreiter und bis heute als Vorbild. Warum?

Die Geschichte der Uni-Ausgründungen hat in den USA in den 50er-Jahren begonnen, als im Land fast ausschließlich zu Militärthemen geforscht wurde. Das bedurfte zunehmend einer Erklärung. So entstand das Argument, dass die Militärforschung zivilen Nutzen stiften könne – auch in Form von unternehmerischen Ausgründungen. Durch die Öffnung der Forschung sind in den USA früh zwei große Forschungs- und Ausgründungszentren entstanden, Silicon Valley und das Harvard-MIT-Center in Boston, die heute als die Vorbilder für Gründer schlechthin gelten. Nirgendwo sonst gibt es so eine starke Konzentration von Instituten und Forschungseinrichtungen.

Was hat die amerikanische Spin-off-Szene groß und erfolgreich gemacht?

Man hat bereits in den 1970er-Jahren entschieden, sehr viel Geld in die Forschung zu stecken. Die Forschungseinrichtungen waren mit ausreichend Budgets ausgestattet, um die besten Forscher der Welt anzuziehen und um starke Forschungscluster zu schaffen. Zudem haben sich starke Netzwerke zu Geldgebern entwickelt. Die Chancen, an Wagniskapital zu kommen, sind damit groß.

Und: In den USA war es sehr viel früher nicht mehr verpönt, zwischen Wissenschaft und Wirtschaft hin und her zu wechseln. In Deutschland waren solche Wechsel in den 1980er-Jahren kaum denkbar, und es gibt dafür bis heute keine übergreifende Akzeptanz.

Lässt sich die Entwicklung in den USA auch in Zahlen beschreiben? Wie viele Spin-offs entstehen denn in den Zentren im Jahr?

Wie in Deutschland gibt es auch in den USA zum Thema nur wenig empirisches Material. Allerdings muss man sagen, dass das Geschehen in den Spin-off-Zentren ein ständiges Kommen und Gehen ist. Zudem ist die Definition von Spin-offs ja nicht ganz einfach: Geht es nur um Ausgründungen, bei denen die Gründer selbst an der Hochschule zum Thema geforscht haben? Oder gelten auch solche Gründungen als Spin-off, die die Forschungsergebnisse der Institute nutzen? Ein indirekter Indikator für den Boom sind aber die Preise für Büro- und Wohnraum rund um die Zentren, die in keinem Teil der USA höher sind. Daran lässt sich die hohe Nachfrage in diesen Regionen ablesen.

Wie unterstützt der Staat in den USA die Ausgründungen? Gibt es wie in Deutschland Förderprogramme?

Nein, so etwas gibt es in den USA nicht, und es ist auch nicht nötig. Die Universitäten haben entschieden, mit sehr großen Budgets in die Spitzenforschung zu investieren. Das ist per se ein riesiges Förderprogramm, darum braucht es keine weiteren staatlichen Förderprogramme. Außerdem fällt es den Gründern durch die starken Netzwerke sehr leicht, Geldgeber zu finden. Es haben selbst die weiterhin gute Chancen, an Geld zu kommen, die schon einmal gescheitert sind. Im Gegensatz zu Deutschland heißt es in den USA sogar: Wer schon einmal einen Fehler gemacht hat, gilt als Entrepreneur mit Erfahrungen.

Was kann Deutschland also noch von den USA lernen?

Am Ende sind die schiere Zahl von Top-Forschern an einem Ort und große Forschungsbudgets ausschlaggebend für eine erfolgreiche Spin-off-Szene. Eine solche Clusterbildung muss in Deutschland noch weiter vorangetrieben werden, Ansätze sehen wir zum Beispiel in Berlin Adlershof und München Martinsried. Dort sind auch Investoren eher bereit, Geld zu geben. Zweitens muss der Übergang von Wissenschaft und Wirtschaft flexibler werden. Und man muss auch hierzulande endlich anerkennen, dass das Scheitern dazugehört und kein Ausschlussgrund ist.

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