Ausbildungssystem Arbeitgeber unzufrieden mit Berufseinsteigern

Die Fertigkeiten vieler Berufseinsteiger lassen zu wünschen übrig: Laut einer Studie sind 26 Prozent der deutschen Arbeitgeber mit dem beruflichen Nachwuchs unzufrieden. Deutschland steht aber im Vergleich mit anderen EU-Staaten noch gut da.

wiwo.de | , aktualisiert

Arbeitgeber unzufrieden mit Berufseinsteigern

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Foto: Jürgen Fälchle/Fotolia.com

Es kriselt im deutschen Ausbildungssystem. Die Berufseinsteier seien unmotiviert, lustlos und gingen Probleme nicht systematisch an, so lauten die häufigsten Kritikpunkte, mit denen sich Arbeitgeber über den Nachwuchs beschweren.

Der Studie "Education to Employment" des Beratungsunternehmens McKinsey zufolge mangelt es der berüchtigten "jungen Generation" vor allem an Arbeitsmoral sowie der Fähigkeit der Problemlösung.

McKinsey & Company befragte mehr als 8500 junge Menschen, Arbeitgeber und Vertreter von Bildungseinrichtungen in acht europäischen Ländern. Das Ergebnis: Deutschland steht international verglichen noch gut da, doch auch im deutschen Ausbildungssystem gibt es Defizite.

Stellen aufgrund von Qualifikationslücken unbesetzt

Jeder vierte Arbeitgeber ist unzufrieden mit dem beruflichen Nachwuchs. Ein Drittel (knapp 32 Prozent) der befragten Arbeitgeber sogar an, dass aufgrund von Qualifikationslücken viele Stellen unbesetzt blieben.

Vor allem in den Krisenländern Südeuropas sorgen mangelnde Qualifikationen für eine hohe Jugendarbeitslosigkeitsrate. Hier spiele nicht allein die wirtschaftliche Flaute eine Rolle.

"Das Überraschende ist: Es gibt auch ein Problem auf Seiten der Arbeitgeber", sagt Kai Holleben, der an der McKinsey-Studie mitgearbeitet hat. "In allen analysierten Staaten scheint das Bildungssystem die Jugendlichen nicht gut genug auf den Beruf vorzubereiten." Unter den untersuchten Ländern berichteten Arbeitgeber vor allem in Frankreich, Griechenland, Italien und Portugal über Probleme.

Falsche Berufswahl

Unzufriedenheit zeigt sich jedoch nicht nur auf Arbeitgeberseite. Auch Azubis klagen vermehrt über die Ausbildungssituation: Nur jeder Dritte würde sich noch einmal für die von ihm gewählte Ausbildung entscheiden und zwei Drittel (64 Prozent) gaben sogar an, sich falsch oder unzureichend über ihre spätere Berufswahl informiert zu fühlen.

"Unser aktuelles System der Berufsinformation und -beratung garantiert nicht, dass junge Menschen die Ausbildung wählen, die tatsächlich die beste für sie ist", erläutert McKinsey-Beraterin Solveigh Hieronimus die Umfragewerte für Deutschland.

EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou bezeichnete fehlende Fertigkeiten der Berufseinsteiger als Bedrohung für Europas künftigen Wohlstand. "Die Diskrepanz zwischen dem, was unsere Bildungssysteme liefern und den Bedürfnissen der Arbeitgeber führt zu einem ernsthaften Mangel an Fertigkeiten", mahnte sie.

Die Einschätzungen von Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen darüber, wie gut vorbereitet junge Menschen ins Berufsleben starten, klafft in Deutschland immer weiter auseinander.

Während sich 43 Prozent der befragten Arbeitgeber zu diesem Thema skeptisch äußerten, sind die Bildungseinrichtungen mit 83 Prozent positiver Bewertung deutlich optimistischer. In keinem anderen befragten EU-Land war diese Diskrepanz so groß.

Modulare und finanzierbare Ausbildung

Solveigh Hieronimus sieht als Ursache nicht nur ein Nachfrage- sondern vor allem auch ein Angebotsproblem. "Die Bildungssysteme in ganz Europa – auch das deutsche – bereiten junge Menschen nicht ausreichend auf den Arbeitsmarkt vor."

Um das Problem anzugehen, schlagen die Autoren der Studie unter anderem eine stärkere Zusammenarbeit von Ausbildungsinstitutionen und Wirtschaft vor. Auch berufsbegleitende Ausbildungen und frühere praktische Erfahrungen seien sinnvoll.

Als wichtige Maßnahme nennt die McKinsey-Studie unter anderem Maßnahmen, die es jungen Menschen ermöglichen sollen, ihre Ausbildung besser zu finanzieren, zeitlich flexibler zu gestalten oder inhaltlich freier zu modularisieren.

Forderung nach Vergleichbarkeit der Abschlüsse

Da das Problem EU-weit gilt, empfiehlt McKinsey auch den Ausbau der Angebote, um europaweit mehr Transparenz auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen.

Wichtig sei hier die Kooperation zwischen den nationalen Arbeitsmarktagenturen. Desweiteren müsse eine europaweite Vergleichbarkeit der beruflichen Ausbildungsabschlüsse angestrebt werden, um so die Mobilität und den Austausch auf dem europäischen Arbeitsmarkt zu fördern.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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