Ausbildung Bessere Qualifizierung im Gesundheitswesen

Für etliche Berufe, vor allem im boomenden Gesundheitswesen, müssen Jugendliche weiter die Schulbank drücken: Logopäde oder Erzieher wird man am Berufskolleg.

Kirstin von Elm | , aktualisiert


Illustration: Stefan Bayer/Pixelio

Berufsfachschule statt dualer Ausbildung

Kinder erziehen und Kranken helfen – besonders für Mädchen gehören diese beiden Tätigkeiten zu den zehn größten Berufswünschen. Der Weg in diese Jobs führt dabei in der Regel nicht über eine klassische duale Ausbildung in einem Betrieb, sondern über eine Berufsfachschule, in einigen Bundesländern auch Berufskolleg genannt.

Sie vermitteln Berufsabschlüsse, die in Deutschland nur an Schulen erworben werden können. Solche Ausbildungsformen dominieren insbesondere im Bereich Gesundheit, Pflege und Soziales und beinhalten oft einen umfangreichen und anspruchsvollen Theorieteil.

So müssen beispielsweise nicht nur angehende Erzieher, Alten- und Krankenpfleger, sondern auch Ergotherapeuten, Logopäden oder Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTAs) nach der mittleren Reife oder dem Abitur auf ihrem Weg in den Beruf weiter zur Schule gehen.

Viele entscheiden sich für private Anbieter

Im Bereich Wirtschaft und Medien gibt es berufliche Schulabschlüsse beispielsweise für diejenigen, die als staatlich geprüfter Assistent für Hotelmanagement, als Fachwirt für Marketing & Kommunikation oder als Media Designer arbeiten wollen.

Ähnlich wie bei den allgemeinbildenden Schulen haben Jugendliche auch bei den Berufsfachschulen und -kollegs die Wahl zwischen staatlichen und privaten Einrichtungen. Gerade in der beruflichen Ausbildung ist dabei der Anteil derjenigen Schüler, die sich für eine private Einrichtung entscheiden, mit mehr als 22 Prozent überdurchschnittlich hoch.


Illustration: Stefan Bayer/Pixelio

Damit lernt mehr als jeder fünfte Berufsfachschüler privat für den Berufsabschluss. Zum Vergleich: Quer durch alle Schulformen – von Grundschule bis Berufsfachschule – liegt der Anteil der Privatschüler im Durchschnitt bei acht Prozent, 92 Prozent wählen einen staatlichen Bildungsträger.

Die Frage, welche Variante die bessere Ausbildung bietet, lässt sich nicht pauschal beantworten, bei staatlichen wie privaten Trägern gibt es bessere wie schlechtere Angebote. Grundsätzlich gilt aber: Wer monatlich bis zu 500 Euro an einen privaten Anbieter zahlt und sich vertraglich längere Zeit bindet, sollte vorab genau klären, was geboten wird. 

Ebenso wie bei den allgemeinbildenden Schulen in privater Trägerschaft gibt es eine Vielzahl von privaten Berufsfachschulen und -kollegs. Allein die Datenbank des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP) verzeichnet 221 Einträge unter dem Stichwort, wobei längst nicht alle Schulen beim Verband gelistet sind.

Auf Qualiätssiegel achten

Erste Orientierung bieten die Qualitätssiegel der jeweiligen Berufsverbände. Damit werden Schulen ausgezeichnet, die bestimmte Standards einhalten.

Dietlinde Schrey-Dern vom Deutschen Bundesverband für Logopädie (DBL) empfiehlt, die Qualifikationen des Lehrpersonals genau zu hinterfragen: Welchen Abschluss haben die Lehrer? Sind sie praxiserfahren? Bilden Sie sich regelmäßig weiter? Vor allem sollten Interessenten genau klären, wie und von wem ihnen praktische Kenntnisse vermittelt werden: "Wenn der Praxisteil komplett ausgelagert ist, also keine Supervision durch Lehrpersonal garantiert wird, wäre das für mich ein K.o.-Kriterium", sagt die DBL-Referentin, die selbst fast 20 Jahre in der Ausbildung tätig war.


Illustration: Stefan Bayer/Pixelio

Renommierte Träger oder Kooperationspartner aus der jeweiligen Branche, die Schülern gut abgestimmte Praxiseinsätze ermöglichen, sind für Berufsfachschulen also ein Pluspunkt. So engagieren sich beispielsweise die Gesundheitskonzerne SRH und Fresenius als private Schulträger.

Die SRH-Fachschulen für Gesundheit bilden an sieben Standorten unter anderem Ergo- und Physiotherapeuten, Diätassistenten und Logopäden aus.

Seit dem aktuellen Wintersemester gibt es zudem erstmals die Möglichkeit eines berufsintegrierten Logopädie-Studiums, das die Schulen gemeinsam mit der SRH-Fachhochschule Gera anbieten. Der erste Jahrgang hat im Oktober am Standort Karlsruhe begonnen, 2012 sollen Bonn, Düsseldorf und Heidelberg als weitere Standorte folgen.

Akademischer Abschluss für Logopäden

Erfolgreiche Absolventen schließen nach dreieinhalb Jahren dann nicht nur als staatlich anerkannter Logopäde ab, sondern dürfen zusätzlich den akademischen Grad Bachelor of Science führen. "In unseren Nachbarländern ist ein akademischer Abschluss für Logopäden bereits Standard", sagt der Geschäftsführer der Gesundheitsschulen Andreas Schimmer.

Ähnlich wie SRH bietet auch Fresenius an der privaten Berufsfachschule in Idstein bei Wiesbaden und am neuen Standort Frankfurt verschiedene schulische Berufsausbildungen im Bereich Chemie und Gesundheit an, darunter den Abschluss als Biologisch- oder Chemisch-technischer Assistent, als Logopäde, Ergo- oder Physiotherapeut sowie als Pharmazeutisch-technischer Assistent.


Illustration: Stefan Bayer/Pixelio

Während für die meisten der schulischen Berufsausbildungen mindestens die mittlere Reife vorausgesetzt wird, existieren auch einige Angebote für Hauptschulabsolventen.

So bietet Fresenius in Idstein die Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister. Auch der Besuch privater Krankenpflegeschulen ist mit dem Hauptschulabschluss möglich.

Bedingung ist allerdings, dass die Bewerber im Vorfeld eine zweijährige Berufsausbildung absolviert haben.

Zunehmende Akademisierung

Einstiegsmöglichkeiten gibt es zudem beispielsweise an Hotelfachschulen oder an Berufsfachschulen im Bereich der Früh- und Sozialpädagogik.

Ähnlich wie im Gesundheitswesen ist allerdings auch in diesen Branchen insgesamt eine zunehmende Akademisierung zu beobachten.


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Auswahlkriterien

Schulabgänger, die sich für eine berufliche Ausbildung an einer – staatlichen oder privaten – Berufsfachschule interessieren, sollten nachfolgende Kriterien bei ihrer Recherche abklopfen. Eine hochwertige Schule zeichnet sich aus durch ihre Zertifizierung durch Berufsverbände und unabhängige Institute, eine hohe Vermittlungsquote der Absolventen ins Berufsleben sowie eine intensive persönliche Betreuung durch eine gute Lehrer-Schüler-Quote.

Außerdem punkten Schulen mit hohem Praxisbezug, moderner Ausstattung und praxiserfahrenen Dozenten. Hilfe bei der Suche nach Praktika im In- und Ausland, Finanzierungsberatung sowie Unterstützung bei der Finanzierung sollten selbstverständlich sein. Seriöse Anbieter vermitteln auch Kontakte zu ehemaligen Teilnehmern als Referenz.

Datenbanken

Einen Überblick über die Vielzahl der Angebote gibt der Verband deutscher Privatschulverbände (www.privatschulen.de) sowie die Aus- und Weiterbildungsdatenbank Kursnet der Arbeitsagentur für Arbeit (www.kursnet.arbeitsagentur.de).

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