Aufstiegschancen Hirn schlägt Herkunft

Akademikerkinder werden Akademiker, Arbeiterkinder werden Arbeiter. In Deutschland ist sozialer Aufstieg oft schwer. Dabei haben US-Forscher herausgefunden, dass nichts förderlicher für die Karriere ist als Intelligenz.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Hirn schlägt Herkunft

Foto: Jakub Jirsák / fotolia.com

Kinder aus schlechtem Hause werden keine Uniprofessoren, keine Ingenieure und auch keine Meeresbiologen. Das scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. Zumindest in Deutschland. Die soziale Mobilität – also die Aufstiegschancen junger Menschen – wird hierzulande in jeder guten Bildungsstudie kritisiert. Wenn die Eltern nicht studiert haben, so der Eindruck, helfen sie weder bei den Hausaufgaben, noch interessieren sie sich für die Förderung des Nachwuchses.

Richtig ist, dass es leichter ist, vom Gymnasium auf die Realschule zu wechseln, als umgekehrt. Aber in punkto soziale Mobilität – also bei den Aufstiegschancen – liegt Deutschland mit seinem bewährten System der dualen beruflichen Bildung international in der Spitzengruppe. Denn unabhängig vom Elternhaus kann jeder eine Berufsausbildung machen.

Karrierevorteil durch "gutes Elternhaus"?

Doch davon einmal ganz abgesehen, haben Forscher aus Illinois herausgefunden, dass der Einfluss des Elternhauses auf die eigene berufliche Laufbahn nicht so groß ist, wie bislang angenommen. Die Methode: Für die Langzeitstudie "Project Talent" wurden 1960 mehr als 80.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren zu ihrem Elternhaus, ihrem Bildungsstand und ihren beruflichen Zielen befragt.

1971 befragte man die gleichen Jugendlichen nochmals. 44 Jahre später nahmen sich Ioana Damian von der Universität Illinois und ihre Kollegen haben sich die Daten nochmals vor und untersuchten, wie die sich Intelligenz, Persönlichkeit und der sozioökonomische Status der Eltern der Teenager von 1960 auf den erreichten Bildungsstatus, das Jahreseinkommen, und das Prestige des Berufs der jungen Erwachsenen von 1971 ausgewirkt haben.

Dem Klischee nach hätten nun Kinder aus sozial schwachen Familien schlecht bezahlte Jobs mit geringem Prestige haben müssen, wogegen Kinder aus gutem Hause Ärzte, Anwälte oder Piloten sein müssten.

Am Ende zählt das Köpfchen

Doch dem war nicht so: ausschlaggebend für den späteren Berufserfolg sei die Intelligenz gewesen – unabhängig von Herkunft und Persönlichkeit. Wer als Teenager intelligent war, machte einen Masterabschluss und übte später einen angesehenen Beruf mit entsprechendem Einkommen aus.

Gemäß dem Grundsatz "wer hat, dem wird gegeben", konnten zwar intelligente Kinder aus gutem Hause einen sehr guten Abschluss machen und einen entsprechenden Beruf erreichen. Doch Kinder aus sozial schwachen Familien konnten allein durch Köpfchen ihre schlechten Startbedingungen wettmachen. Clevere Kinder aus den ärmsten Familien verdienten als erwachsene 39 Prozent mehr, als Kinder aus gutem Hause mit wenig Grips.

Was verwundert ist, dass die Persönlichkeit wenig mit dem beruflichen Erfolg zu tun hatte.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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