Aufsichtsrat Kann man Kontrolleur lernen?

Der Posten als Aufsichtsrat mausert sich zum Beruf. Doch wie wird man Aufsichtsrat? Ohne Erfahrung geht gar nichts. Wer nicht selbst einmal eine Firma geführt hat, kann keine andere überwachen.

Stefani Hergert | , aktualisiert

In wenigen Tagen fit für den Kontrolljob. Vor allem für Aufseher in mittelständischen Unternehmen gibt es Seminarangebote zuhauf. Selbst ein Programm mit Tüv-Siegel ist dabei. Ein Marketingcoup, sagen Experten.

"Aufsichtsrat ist und wird kein Ausbildungsberuf. Man kann das nicht erlernen", sagt der Münchener Professor und Herausgeber der Fachzeitschrift "Der Aufsichtsrat" Manuel René Theisen. Denn als Kontrolleur braucht man vor allem Erfahrung. "Wer nie in operativer Verantwortung stand, ein Thema fachlich nicht durchdrungen hat oder Führungsverantwortung hatte, ist auch kaum in der Lage ein Aufsichtsratsmandat entsprechend den heute gesetzten und weiter steigenden Anforderungen zu erfüllen", sagt auch Friedrich-Wilhelm Graf von Pfeil von der Personalberatung Korn-Ferry. Je höher die Position, desto größer die Anforderungen: Als Dax-Aufsichtratschef kommen laut Experten nur Kandidaten infrage, die zumindest mal Chef einer MDax-Firma gewesen sind.

Doch allein die Managementerfahrung reicht nicht. "Aufsichtsräte brauchen ein spezifisches Überwachungswissen", sagt Theisen. Vor allem über die eigenen Rechte und Pflichten, über Bilanzierungsänderungen und Haftungsregeln müssen sie auf dem Laufenden bleiben. Und wo eignet man sich das an? In kurzen Seminaren, in Fachzeitschriften, im Austausch mit Kollegen lautet die simple Antwort.

Das sind die harten Fakten, die Aufseher können müssen. Weiche Faktoren kommen hinzu. Unabhängigkeit zählt, neben einem üppigen Zeitbudget. Und Mandatesammler sind heute ohnehin nicht mehr gefragt. Zu einem guten Aufseher gehört auch ein gesundes Rückrat. Um "Nein" zu sagen, aber auch um im Zweifel zuzugeben: "Das habe ich jetzt nicht verstanden!"

Die steigenden Anforderungen lohnen sich für Berater wie Axel Smend, der mit seinem Unternehmen "Deutsche Agentur für Aufsichtsräte" Kontrolleure schult. Er habe heute, berichtet er, mehr Anfragen denn je nach speziellem Training.

Denn: "Gute Aufsichtsräte lassen sich ab und zu schulen", sagt auch der langjährige Berufsaufseher Hans Ulrich Abshagen. Er hat sich an einer der führenden europäischen Wirtschaftshochschulen, dem IMD im Schweizer Lausanne, auf den neuesten Stand bringen lassen. Fast alle europäischen und amerikanischen Top-Wirtschaftshochschulen bieten mehrtägige Seminare an, meist international besetzt.

Solche Seminare können Manager und Aufsichtsräte in Harvard, Wharton, Booth oder bei europäischen Anbietern wie Insead und IMD buchen. Allerdings orientieren sie sich am angelsächsischen Modell des "Boards", in dem Vorstände und Kontrolleure zusammen sitzen. Die Trennung von Führungs- und Kontrollverantwortung in zwei Gremien ist spezifisch deutsch, daher sehen einige Experten die Seminare kritisch.

Bunt gemischt soll der ideale Rat sein - mit Experten unterschiedlicher Branchen, Nationalitäten, mit Männern und Frauen. Doch weibliche Manager sind rar. Nur, ohne sie gibt es auch keine weiblichen Aufseher.

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