Auf der Suche Lufthansa: Traumberuf Pilot

Traumberuf Pilot? Die Lufthansa sucht Hunderte neuer Piloten. Junge Karriere hat eine Crew auf ihrem Umlauf in den Senegal begleitet.

Sven Scheffler | , aktualisiert

18:25 Uhr: Freitagabend ist nicht für jedermann der optimale Zeitpunkt, die Arbeitswoche zu beginnen. Für Kapitän Peter Brunner und seine Co-Pilotin Susanne Keimel ist es eher die Regel. Die 29-Jährige ist gerade vor zwei Tagen aus Astana in Kasachstan zurückgekommen. "Das gehört zum Reiz dazu", sagt sie. Jetzt erledigt die Co-Pilotin die letzten Vorbereitungen vor dem Start. Von Frankfurt aus geht es nach Dakar, Senegal. Brunner und Keimel sind noch nie zusammen geflogen. Angesichts von 400 Piloten bei Lufthansa Cargo ist das nichts Ungewöhnliches.

18:35 Outside-Check: Kapitän Brunner schnappt sich eine große Taschenlampe und geht einmal um die MD-11 herum, überprüft die Bolzen in den Rädern, die Klappen und Sicherungen, schaut nach Vogelschlag in den Triebwerken. Im Cockpit testet Co-Pilotin Keimel derweil die verschiedenen Systeme des Flugzeugs. Was früher ein Flugingenieur - dritter Mann an Bord - erledigt hat, erledigt heute der Computer.

18:55: Die Beladung des Frachters ist abgeschlossen. "Wollt ihr früher raus?", fragt der Tower. Ja, wollen wir.

19:04: "Ready for push back!" Die Maschine wird aufs Rollfeld geschoben. Brunner und Keimel gehen die Normal Checklist durch. Der Dialog sitzt: "Flight controls?" - "Checked" - "Flaps" - "25" - "Spoilers" - "Armed"... Der Tower gibt die Startbahn frei.

17:07: "Takeoff!" Wieso 17:07? Plötzlich haben wir zwei Stunden gewonnen. Denn in der Luft gilt weltweit die UTC, die Universal Time Coordinated. Die richtet sich nach dem Londoner Vorort Greenwich und liegt während der Sommerzeit, zwei Stunden hinter der deutschen Zeit zurück.

17:37: In 34000 Fuß Höhe übernimmt der Autopilot und steuert die Maschine weiter. Zeit für einen Kaffee und das Abendessen.
18:00 Brunner hat Essen heiß gemacht. In der kleinen Bordküche ist die Crew bestens ausgestattet. Es gibt Boeuf Stroganoff. Nur auf Wein muss die Crew verzichten: Zwölf Stunden vor Start und natürlich auch während des Flugs gilt striktes Alkoholverbot.

20:16: In 37000 Fuß Höhe überfliegen wir Spanien. Außentemperatur: -53 Grad Celsius. Keimel nimmt sich einen gelben Marker und zeichnet auf der Luftstraßenkarte die vorgesehene Route nach Dakar ein, die im Computer längst programmiert ist. Die Karten sehen aus wie irrwitzige Schnittmuster: sich kreuzende Airways mit Gradangaben, Sektoren mit Mindest- und Höchstflughöhen, Funkfrequenzangaben, Flugverbotszonen. Was unterscheidet Cargo-Fliegerei von der Passage? "Fracht motzt nicht, Fracht kotzt nicht", sagt Brunner.

22:55: Im Cockpit wird es unruhig. Wir verlassen unsere Reiseflughöhe und gehen auf 27000 Fuß. Co-Pilotin Keimel nimmt Flugkontakt zum Tower auf.

23:15: Nur noch 2000 Fuß. Jetzt kann man den Flughafen in der Nacht strahlen sehen. Kapitan Brunner nimmt das Steuer in die Hand und entlässt den Autopiloten in den Feierabend. "400, 300, 200, 100", ruft der Höhenmesser.

23:20: Gelandet. Brunner und Keimel haben Feierabend, dafür übernimmt bereits die nächste Crew, die unsere MD-11 in gut einer Stunde nach Brasilien lenken wird. Schon während wir das Flugzeug verlassen, wird Fracht ausgeladen, neue eingeladen.

8:30: Ein ganzer Tag liegt vor der Crew. Am Frühstückstisch schmiedet Susanne Keimel Pläne für den Tag. Zunächst am Strand entspannen, Sonne tanken und danach in die Straßen der Altstadt von Dakar. "Aber zunächst werde ich mich entspannt an den Pool legen", sagt die 29-Jährige. "Welcher Job bietet mir das sonst? " Keimels Einstieg war 2001 die Flugschule der Lufthansa in Bremen.

Seit 2005 ist sie CoPilotin, zunächst bei Condor, seit Januar 2007 bei Lufthansa Cargo. Für Susanne Keimel war der Pilotenberuf kein Kindheitstraum. "Zunächst habe ich eine Ausbildung als Bankkauffrau in Regensburg gemacht", sagt sie. Heute bewundern sie viele wegen ihres Jobs. "All diese Klischees, die mit diesem Beruf zu tun haben, ärgern mich mitunter, Auf Partys habe ich auch schon mal erzählt, dass ich weiter bei der Bank arbeite."

Pilotenschule:

Die Nachfrage nach der Ausbildung zum Cockpit-Chef ist ungebrochen. Alleine bei der Lufthansa bewerben sich jedes Jahr etwa 3000 bis 4000 junge Leute.

Auswahlverfahren: Den schwierigen Auswahltest besteht nur etwa jeder zwölfte Bewerber. Bedingung sind die Eignungsuntersuchungen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg.

Ausbildung: Das theoretische Rüstzeug erhalten die Pilotenschüler an der Verkehrsfliegerschule in Bremen. Für die praktische Flugausbildung geht's einige Monate in die USA nach Arizona.

Kosten: Die Schulungskosten werden von Lufthansa zunächst vorfinanziert. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss und Arbeitsvertrag beginnt die Rückzahlung des Eigenanteils von derzeit 40903 Euro.

Aussichten: Bei Co-Piloten liegt das monatliche Grundgehalt zwischen 2389 und 4384 Euro, beim Kapitän zwischen 3875 und 8578 Euro. Erfahrene Kapitäne können bis zu 250000 Euro pro Jahr verdienen.

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