Arbeitsweg 2015 erwartet Deutschland einen Pendlerrekord

Morgens eine halbe Stunde mit dem Zug zur Arbeit, abends wieder zurück. Vielleicht sind es auch zwei Stunden. Oder die Baustelle auf der Autobahn frisst Zeit. Für immer mehr Deutsche gehört das zum täglichen Wahnsinn.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

2015 erwartet Deutschland einen Pendlerrekord

Foto: Starpics / Fotolia.com

Haben Sie heute Morgen auch wieder im Stau gestanden? Wahlweise im Auto oder in der Straßenbahn hinter dem Müllwagen? Kam der Bus zu spät und war völlig überfüllt? In Deutschland gibt es immer mehr Pendler, die zweimal am Tag mit dem Auto, Bus oder Bahn die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz überbrücken müssen. Die meisten brauchen dafür eine halbe Stunde. Einzelfälle, die zwei Stunden oder mehr unterwegs sind, gibt es natürlich auch.

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sind die steigenden Pendlerzahlen eine Folge der zunehmenden Beschäftigungsrate. Im Jahr 2005 arbeiteten 38,8 Millionen Deutsche, im Jahr 2014 waren es schon 42,6 Millionen. Zwischen 2004 und 2012 ist die Zahl der Pendler um 11 Prozent gestiegen – ähnlich rasant wie die Beschäftigung.

Drang in die Metropolen
 
Hinzu kommt, dass es alle in die Städte zieht - und zwar zum Wohnen und Arbeiten. In den 15 größten deutschen Städten leben inzwischen 17 Prozent der Bundesbürger – im Jahr 2000 waren es erst 15,5 Prozent. Entsprechend ist auch der Arbeitsweg innerhalb einer Stadt kein Vergnügen – es sei denn, man wohnt nur wenige Minuten vom Arbeitsplatz entfernt, sodass man zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren kann.

Das Pendeln mit den eigenen Füßen oder dem öffentlichen Nahverkehr ist allerdings ein Privileg der Metropolen und ihrer Bewohner. So fahren in Berlin 44 Prozent der Pendler mit U- und S-Bahn, Tram oder Bus zur Arbeit, während im Saarland neun von zehn Pendlern das Auto nutzen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sind es acht von zehn.

Durch den Drang in die Städte sind allerdings die Arbeitswege entsprechend kurz: Im Jahr 2012 lebte wie 2004 knapp die Hälfte der Pendler maximal zehn Kilometer von ihrem Arbeitsort entfernt.

Das IW Köln geht davon aus, dass es 2015 bei weiter steigender Erwerbstätigkeit einen neuen Pendlerrekord geben dürfte. Noch in diesem Jahr sollen gut 40 Millionen Menschen morgens und abends in der Straßenbahn sitzen beziehungsweise stehen. Denn auf dem gleichen Grundstück – also im Homeoffice oder im eigenen Handwerksbetrieb – arbeiten nicht einmal fünf Prozent der Erwerbstätigen.

Das hat nicht nur Folgen für die Verkehrsbetriebe und Straßenplaner: Wer zur Arbeit pendelt, trägt ein erhöhtes Risiko psychisch krank zu werden. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) aus dem Jahre 2012 hervor.

Höhere psychische Belastung

"Mobilität und Flexibilität gehen auf die Nerven", sagte eine TK-Sprecherin bei der Vorstellung des Berichts. Berufspendler, zu denen etwa 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland zählen, werden mit 12,7 Tagen im Jahr zwar geringfügig weniger krankgeschrieben als wohnortnah arbeitende Erwerbstätige mit 12,9 Tagen. Aber Pendler sind mit 2,2 Fehltagen pro Kopf häufiger und langwieriger von psychischen Diagnosen betroffen als andere Beschäftigte (1,9 Tage).

Immerhin: Das IW geht davon aus, dass sich Pendlerzahlen mittelfristig wieder reduzieren werden. Allerdings erst ab 2020. Dann nämlich, wenn auch die letzten Arbeitnehmer aus der Generation der Babyboomer in Rente gehen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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