Arbeitstrends Befristete Verträge können Sprungbrett sein

In vielen Regionen gibt es ein Heer von Minijobbern, Zeit- und Leiharbeitern. Außerdem steigt die Zahl der befristeten Jobs ohne sogenannten Sachgrund. Warum Arbeitnehmer davon auch profitieren können.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Befristete Verträge können Sprungbrett sein

Vollbeschäftigung wird laut Arbeitsmarktprognosen immer mehr zur Ausnahme, aber befristete Verträge können auch ein Sprungbrett in reguläre Beschäftigungsverhältnisse sein.

Foto: wellphoto/Fotolia.com

Laut Statistiken des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung sind 43 Prozent der Stellen in Deutschland keine Normalarbeitsverhältnisse. Das heißt: Es handelt sich um befristete Arbeitsverträge, einen Mini- oder Teilzeitjob mit weniger als 20 Wochenstunden – oder eine Anstellung als Leiharbeiter. "Der weiterhin hohe Anteil atypischer Beschäftigung ist nicht unproblematisch. Häufig ist diese Arbeit geringer bezahlt und sozial schlechter abgesichert als im Normalarbeitsverhältnis, das gilt insbesondere für Leiharbeit und Minijobs", sagt WSI-Experte Toralf Pusch.

Wo Minijobs und Co. am häufigsten sind

Hinzu kommen große regionale Unterschiede: In manchen westdeutschen Städten und Landkreisen haben Teilzeitstellen, Minijobs und Leiharbeit sogar einen Anteil von knapp 60 Prozent an allen abhängigen Beschäftigungsverhältnissen. Die meisten sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse gibt es in Delmenhorst (58,8 Prozent) und Landshut (57,2 Prozent). Die Landkreise Trier-Saarburg und Kusel verzeichnen mit 56,4 und 55,9 Prozent die nächsthöchsten Werte. Betrachtet man die Bundesländer, sind Schleswig-Holstein (47,3 Prozent), Rheinland-Pfalz (46,5 Prozent) und Niedersachsen mit 46 Prozent Spitzenreiter.

Besonders häufig betroffen sind Frauen. Laut Pusch liegt das daran, dass es gerade in ländlichen Regionen im Westen Deutschlands nur wenig Kinderbetreuungsangebote gibt. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen, wo allerdings immer noch knapp zwei Fünftel der Arbeitsverhältnisse betroffen sind.

Zwar sind auch im Osten viele Beschäftigungsverhältnisse von Frauen Minijobs, jedoch ist der Anteil mit 17,2 Prozent deutlich geringer als bei westdeutschen Arbeitnehmerinnen, deren Beschäftigungen zu 28,4 Prozent geringfügig sind. Gleichzeitig liegt die Quote der Teilzeitarbeitsplätze bei ostdeutschen Frauen mit 35 Prozent leicht über dem westdeutschen Wert von 32,7 Prozent.

Immer mehr befristete Jobs

Junge Frauen sind bundesweit auch am häufigsten befristet beschäftigt. Insgesamt arbeiten in Deutschland mehr als 2,6 Millionen Menschen in befristeten Jobs, die Hauptstadt der Arbeitnehmer mit befristeten Jobs ist Berlin.

Besonders häufig kommt diese Form des Arbeitsvertrages bei jungen Menschen vor: Bis zum 24. Lebensjahr hat rund ein Viertel der Arbeitnehmer nur befristete Jobs – und dementsprechend Schwierigkeiten, eine Wohnung zu mieten oder ein Auto zu finanzieren. Schließlich besteht immer die Gefahr, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Grundsätzlich lässt sich gegen befristete Arbeitsverträge nichts sagen: Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ermöglichen sie es Arbeitnehmern, flexibel zu reagieren. Und auch wenn ein Unternehmen erst neu gegründet wurde, ist eine solche Regelung sinnvoll.

Befristung als Probezeit 

Was jedoch stutzig macht: Die Zahl der Befristungen mit Sachgrund geht zurück. Es gibt also immer weniger Elternzeitvertretungen oder zeitlich begrenzte Projekte, für die befristete Kräfte gebraucht werden. Im Jahr 2013 gehörte jeder zweite befristete Job zu den Befristungen ohne Sachgrund. Die Unternehmen stellen also Menschen pro forma für ein halbes oder ein ganzes Jahr ein – und überlegen sich dann, ob derjenige noch ein Jahr länger dabei bleiben soll. Da drängt sich der Eindruck auf, dass sich so mancher Chef eine verlängerte Probezeit erschleicht.

Zwar werden viele befristete Verträge verlängert, für eine langfristige Lebensplanung nützt das den Betroffenen dennoch nichts. Die können nur hoffen, dass ihnen der demographische Wandel in die Karten spielt. "Für Unternehmen ist es mittlerweile schwieriger als noch vor zehn Jahren, Personal zu finden", sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Damit verbessern sich die Chancen für die Arbeitnehmer auf reguläre statt atypische Jobs."

Beim IAB ist man sich außerdem sicher, dass die sachgrundlosen Befristungen ein Sprungbrett in eine reguläre Beschäftigung sein können – wenn der Arbeitnehmer sich in seiner einjährigen Probezeit bewährt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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