Arbeitsrecht Wann ein falsches Wort den Job kostet

Vorgesetzte und Angestellte sind nicht immer einer Meinung. Doch was, wenn der sachliche Ton verloren geht? Im Interview erklärt der Anwalt Christoph Abeln, was Mitarbeiter sagen dürfen, und welche Faktoren vor Gericht eine Rolle spielen.

Jens Hagen / Handelsblatt.com | , aktualisiert

Herr Abeln, der Druck auf die Angestellten steigt von Jahr zu Jahr, gerade bei wichtigen Projekten oder in Veränderungsprozessen geht es ab und zu hitzig zur Sache. Welche Folgen können unbedachte Äußerungen gefährlich werden?
Die Kritisierung oder gar Beleidigung des Chefs kann zur Abmahnung oder verhaltensbedingter Kündigung führen. Ein beleidigender Arbeitnehmer verletzt seine arbeitsvertraglichen Pflichten, zu denen auch die Rücksichtnahme auf die berechtigten Belange des Arbeitgebers zählt.

Gilt das auch bei Ausfällen gegenüber Kunden?
Ja. Bei Beleidigungen des Arbeitgebers oder seiner Repräsentanten ebenso wie bei entsprechenden Äußerungen gegenüber Kollegen oder Kunden. Auch Äußerungen außerhalb der Arbeitszeit können eine Beleidigung darstellen, wenn sie dem Arbeitgeber oder einem Vertreter zugehen.

Wann gilt eine Aussage als Beleidigung?
Nicht jede kritische Bemerkung des Arbeitnehmers ist eine Beleidigung. Ein Vorgesetzter muss sachlich begründete Kritik hinnehmen. Auch am Arbeitsplatz gilt das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Das gilt nicht für Schmähkritiken oder Formalbeleidigungen. Die Abgrenzung ist oftmals schwierig.

Inwiefern?
Nicht jede Äußerung, die der Arbeitgeber als grobe Herabwürdigung seiner Person versteht, wird auch juristisch als solche gewertet. Bei der Beurteilung wird stets der Einzelfall geprüft: Welche Bildungsgrad hat der Arbeitnehmer, wie war die psychische Verfassung, die Gesprächssituation? Entlastend wirken auch Provokationen vom Chef oder traditionell raue Umgangsformen im Betrieb.

(Zuerst erschienen auf Handelsblatt-Online)

Können Sie ein Beispiel geben?
Das Landesarbeitsgericht Köln urteilte etwa, dass die geäußerte Beleidigung „blöder Sack“ kein Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung sei. Der Äußerung ging eine unberechtigte Denunziation wegen krankheitsbedingten Fehlzeiten zuvor. Das Verhalten der Arbeitgeberseite hatte die Äußerung provoziert.

Wie ist der tägliche Umgangston im Unternehmen zu bewerten?
Das spielt ebenfalls eine Rolle. Das Arbeitsgericht Frankfurt entschied etwa, dass ein „Hau ab und verpiss Dich!“ im Verhältnis einer Reinigungskraft zu ihrem Vorgesetzten ebenfalls keinen ausreichenden Kündigungsgrund darstellt. Der allgemein herrschende grobe Umgangston der Reinigungsbrache hätte lediglich eine Abmahnung erlaubt.

Was ist, wenn Mitarbeiter den Chef im Kollegenkreis schimpfen?
Vertrauliche Äußerungen im Familien-, engen Kollegen- und Freundeskreis werden in der Regel nicht als Beleidigung gewertet. Die gilt jedoch nur dann, wenn damit gerechnet werden durfte, dass die Äußerung nicht über diesen Kreis hinaus weiter gegeben wird. Es ist Vorsicht geboten: Wenn kein Vertrauensverhältnis zu dem Kollegen besteht, können Konsequenzen drohen.

Wie gehen Arbeitgeber in der Praxis mit ausfälligen Angestellten um?
In der Regel wird eine Beleidigung des Arbeitgebers mit einer Abmahnung geahndet, ist sie aber grob ehrverletzend oder sogar rufschädigend, wird sie wohl stets zu einer berechtigten Kündigung führen.

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