Arbeitsrecht Urlaub: Welche Rechte haben Arbeitnehmer?

Viele Arbeitnehmer genießen jetzt den Sommerurlaub. Doch nicht alle Urlauber können richtig abschalten und entspannen. Laut einer Studie bekommt fast jeder zweite Arbeitnehmer an seinen freien Tagen Mails oder Anrufe aus dem Büro. Muss ich erreichbar sein? Kann mir der Chef den Urlaub wieder streichen? Die wichtigsten Antworten für den Arbeitnehmer.

Gero Brandenburg | , aktualisiert

Sommerzeit ist Urlaubszeit und damit eigentlich die Zeit der Erholung und Entspannung. Doch nach einer Studie des Personaldienstleisters Randstad bekommt fast jeder zweite Arbeitnehmer an seinen freien Tagen Mails oder sogar Anrufe aus dem Büro. Muss ich immer erreichbar sein? Kann mir der Chef den Urlaub sogar wieder streichen? Ulrike Barkow ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei HMW. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen zum Urlaub. 

Frau Barkow, wie viel Urlaub steht Arbeitnehmern eigentlich zu?
Jeder Arbeitnehmer mit einer Sechs-Tage-Woche hat einen gesetzlichen Anspruch auf 24 Werktage Urlaub im Jahr. Bei einer Fünf-Tage-Woche sind es 20 Tage pro Jahr. In den meisten Arbeits- und Tarifverträgen ist der Urlaub aber sowieso geregelt und meist auch höher als der gesetzliche Anspruch.

Kann ich den ganzen Urlaub am Stück nehmen?
Nicht unbedingt. Vom Gesetzgeber ist nur vorgesehen, dass mindestens zwölf Tage Urlaub – also zwei Wochen – am Stück gegeben werden müssen. Diesen Anspruch könnten Sie auch einklagen. Aber das macht kaum jemand. Meist arrangiert man sich irgendwie mit dem Chef. 

Wann muss ich meinen Urlaub anmelden?
Je größer der Betrieb, desto eher muss der Urlaub angemeldet werden. Meist gibt es Urlaubslisten, in die man sich frühzeitig eintragen sollte. Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Es ist auch eine Frage der internen Absprache. Gibt es im Unternehmen zwei Chefsekretärinnen, können die nicht gleichzeitig in den Urlaub gehen. Es sei denn, der Chef ist ebenfalls nicht anwesend und erlaubt es deshalb.

Haben Arbeitskollegen mit Kindern während der Schulferien mehr Anrecht auf Urlaub?
Es ist zwar nicht gesetzlich vorgegeben, doch es gibt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, wonach die Eltern von schulpflichtigen Kindern bevorzugt Urlaub in den Ferien bekommen. Gibt es mehrere Mütter oder Väter mit Schulkindern müssen die sich  untereinander absprechen und die Ferien aufteilen. Beispiel: Der eine Mitarbeiter nimmt die ersten beiden Wochen, der andere die mittleren zwei Wochen und der Dritte die letzten beiden Wochen.

Unter welchen Umständen darf der Chef meinen Urlaubsantrag ablehnen?
Abgelehnt werden darf der Antrag nur, wenn betriebliche Gründe dies erfordern. Etwa, weil sonst die Produktion gefährdet ist oder ein wichtiger Kundenauftrag bearbeitet werden muss.

Kann der Vorgesetzte bereits zugesagten Urlaub widerrufen?
Nein, das kann er nicht. Eine Ausnahme wäre nur, wenn das Unternehmen ohne den Mitarbeiter zusammenbrechen würde, aber das muss der Arbeitgeber ganz konkret nachweisen. Der lapidare Hinweis, dass durch den Urlaub Arbeitsabläufe
gestört werden, reicht nicht aus. Denn Urlaub stört in dieser Hinsicht immer.

Muss ich im Urlaub für das Unternehmen erreichbar sein?
Nein. Urlaubszeit ist arbeitsfreie Zeit und soll der Erholung dienen. Sie müssen auch keine Telefonnummer oder Adresse hinterlegen, wo Sie zu erreichen sind. In manchen Positionen ist das aber eher theoretischer Natur. Als Geschäftsführer müssen Sie natürlich erreichbar sein, falls im Unternehmen die Hütte brennt. Und Anwälte und Ärzte zum Beispiel müssen eine Vertretung stellen, falls sie mehr als eine Woche im Urlaub sind.

Kann ich mir meinen Urlaubsanspruch abkaufen lassen?
Nein, auch das ist gesetzlich verankert. Der Urlaub soll in Natura gegeben werden und kann nicht abgekauft werden. Die sogenannte Urlaubsabgeltung gibt es im Gesetz nur unter der Voraussetzung, dass das Arbeitsverhältnis beendet wird. Angenommen, der Mitarbeiter wird zum 30. Juni gekündigt und hat noch einen Resturlaub von 15 Tagen, und kann oder will aber den Urlaub nicht während der Kündigungsfrist nehmen, dann muss der Urlaub abgegolten werden. 

Kann ich Urlaub mit ins nächste Jahr nehmen?
Der Urlaub soll im Kalenderjahr genommen werden. Übergehen ins nächste Jahr kann er nur nach Vereinbarung oder wenn dringende betriebliche Belange gegen den Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers stehen. In Steuerberater-Büros zum Beispiel werden die Angestellten wegen der Jahresabschlüsse der Klienten im Dezember kaum Urlaub nehmen können.

Den Resturlaub muss ich dann aber bis zum 31. März nehmen.
Nein. Da hat es eine wichtige Änderung gegeben. Früher ging der Resturlaub über bis zum 31. März des Folgejahres. Danach verfiel er. Das Bundesarbeitsgericht hat aber vor einiger Zeit entschieden, dass gesetzlicher Urlaub nicht verfällt. Vorausgesetzt, Sie haben als Arbeitnehmer gesetzlichen Anspruch auf 24 Urlaubstage und Ihr Arbeitgeber gewährt Ihnen im Vertrag 30 Tage Jahresurlaub, von denen Sie aber nur 15 nehmen können. Die 15 verbliebenen Tage verfallen dann nicht nach dem 31. März, sondern werden mit dem gesetzlichen Anspruch verrechnet. Das heißt, auf neun Urlaubstage haben Sie weiterhin Anspruch. 

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