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Arbeitsmarkt Erfinden Sie Ihren Job neu

Flexibel soll man sein, so verlangen es Unternehmen von ihren Mitarbeitern. Aber warum immer die Aufgaben vom Chef diktieren lassen? Nehmen Sie die Dinge selbst in die Hand. Erfinden Sie Ihren Job neu oder bauen Sie sich eine Existenz auf. Der Zeitpunkt ist gut: In der Krise ist alles im Wandel.

Britta Mersch | , aktualisiert

Mit 27 Controller werden und die nächsten 40 Jahre Bilanzen lesen? Als Anwalt für Scheidungsrecht beginnen und bis zur Rente frustrierte Ehepaare trennen? Zum Personalmanager aufsteigen - und dann immer wieder die gleichen Vorstellungsgespräche führen? Oder mal ein Konzept aus Legosteinen anfertigen und damit seine Chefs überzeugen? Christian Doll, 36, IT-Experte bei Siemens, entschied sich für die Lego-Variante. Vor etwa zwei Jahren stellte sich der Münchener Konzern die Frage, wie man den Service seiner IT-Abteilung besser in den weltweiten Standorten anbieten könnte. Ausgliedern ja, aber wie genau? Eine Idee hatte keiner. Um die zu entwickeln "fehlten uns auch die Strukturen", sagt Doll. Also lief zunächst alles weiter wie bisher.

Doll aber dachte nach, trommelte vor gut einem Jahr ein Team zusammen und baute einen Prototypen - aus Legosteinen und mit Figuren. Der Kunde bekam (als König) eine Krone auf, das Männchen mit dem Geld-Symbol trug die Budgetverantwortung, und die Beziehungen untereinander stellten den Prozess in der Abteilung dar. "Meine Chefs haben komisch geguckt, als ich mit dem Modell in den Konferenzraum trat. Aber als ich anfing zu erzählen, verschwanden langsam die Fragezeichen in ihren Gesichtern." 20 Minuten später hatte er alle überzeugt.

"Arbeitskraftunternehmer" - eine neue Spezies auf dem Jobmarkt

Christian Doll hat seinen Job neu erfunden. Zumindest hofft er, den Konzern auch in Zukunft mit innovativen Problemlösungen zu beraten - sein Konzept wird zurzeit geprüft. Für Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler sind Menschen wie er "Arbeitskraftunternehmer", eine neue Spezies von Arbeitnehmern. "Man muss sich und seine Arbeit wie ein Produkt sehen", sagt Günter Voß, Soziologe an der TU Chemnitz. Arbeitnehmer sollten die Bereitschaft zeigen, den Prozess in einem Unternehmen selbst zu gestalten und sich weiterzubilden. "Das beginnt beim Zeitmanagement und geht bis zur Organisation des gesamten Lebenslaufes."

Doll macht das gerade. Neben seinem Beruf absolviert er den Studiengang Executive MBA in Innovations & Business Creation, der seit kurzem an der TU München in Kooperation mit der Handelshochschule Leipzig angeboten wird. "Wir bilden Leute aus, die gestaltend aktiv werden wollen", sagt Martin Zißler, der Leiter des Studiengangs, "die also in Unternehmen Veränderungen anstoßen oder eigene Start-ups gründen." Die Studenten sollen lernen, Chancen zu erkennen: Wie lässt sich das Unternehmen weiterentwickeln? Wie schöpft man Potenziale aus? Aber auch: Welches Potenzial bringe ich mit, um neue Prozesse anzustoßen?

In vielen Unternehmen gibt es entsprechend großen Veränderungsdruck. Aber: "Häufig fehlen den Mitarbeitern die Kompetenzen, diese Prozesse anzustoßen und erfolgreich durchzuführen", sagt Zißler. In Arbeitsgruppen lernen die Studenten in München an fiktiven und realen Beispielen, neue Ideen umzusetzen - und dabei so innovative Werkzeuge zu verwenden wie den Lego-Baukasten. Neue Pfade beschreiten und Ideen ausprobieren, das ist wichtiger als je zuvor. Wer sich heute für einen Beruf entscheidet und eine Stelle annimmt, muss davon ausgehen, in seinem Leben eine Vielzahl von Stationen zu absolvieren. Der Soziologe Richard Sennett schätzt, dass ein Amerikaner in 40 Arbeitsjahren mindestens elfmal seinen Job wechselt und sein Know-how mindestens dreimal erneuert.

Der Grund dafür ist der "flexible Kapitalismus", der sich seit den 80er-Jahren auch in Deutschland ausbreitet: Die gesetzlichen Regulierungen gehen zurück, Hierarchien verflachen, die Arbeitsverhältnisse werden kürzer. Darin liegt die Chance, sich selbst zu verwirklichen, aber auch das Risiko, der Entwicklung nicht mehr folgen zu können. Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung befinden sich mehr als ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland in einem auf Kurzfristigkeit angelegten Arbeitsverhältnis. Sie haben befristete Stellen, sind Leiharbeiter oder in Teilzeit beschäftigt.

Viele Menschen belastet diese unstete Situation. Sie vermissen die Stabilität in diesen Strukturen. "Es gibt keine fest kalkulierbaren Aufstiegsprozesse mehr", sagt Soziologe Günter Voß, "niemand kann mehr damit rechnen, eine unbefristete Stelle zu bekommen, wenn er nur genügend Engagement zeigt." Im Gegenteil: "Man muss bereit sein, wie ein Krebs von links nach rechts zu laufen." Oder man geht einfach seinen eigenen Weg, so wie Manfred Schmidt. Der 35-Jährige arbeitete als Architekt, bis er die Idee zu seiner Firma "Oma Schmidt's Masche" entwickelte. "Als mein Vater vor fünf Jahren starb, verbrachte meine Oma sehr viel Zeit mit Häkeln und Stricken, und viele der Stücke landeten bei mir." Irgendwann dachte er, es sei doch eine gute Idee, die Arbeiten zu vermarkten.

Den Job als Architekt aufgegeben

Gesagt, getan: Die Häkelsachen verkauft er über das Internet und seinen Laden "Mascherie" in Stuttgart. Seinen Beruf als Architekt hat er aufgegeben. Und er bringt die verrücktesten Dinge unter die Leute: Pistolenanhänger, Handy-Taschen, Topflappen mit Totenköpfen oder Woll-Cheeseburger: "Hauptsache, die Sachen versprühen Charme und sind von guter Qualität", sagt Schmidt.

Sich selbstständig zu machen, ist die einfachste Variante, um eine eigene Idee umzusetzen. Es kann aber auch Angestellten gelingen. Timo Klein ist einer von ihnen. Der 28-Jährige machte zunächst eine Ausbildung zum IT-System-Elektroniker und absolvierte danach berufsbegleitend ein BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie. Nach seinem Abschluss nahm er eine Stelle bei Beko Technologies an, einem mittelständischen Unternehmen in Neuss, das sich auf Drucklufttechnik spezialisiert hat. "Eigentlich bin ich als Trainer und Tutor eingestellt worden", sagt Timo Klein, "doch diese Aufgaben machen mittlerweile nur einen kleinen Teil meiner Arbeit aus."

Ihm fiel auf, dass die Kommunikation verbessert werden müsste. Der Mittelständler unterhält Standorte auf der ganzen Welt. Wenn aber ein Mitarbeiter in China Informationen aus Deutschland benötigte, musste er wegen der Zeitverschiebung lange darauf warten. Kleins Idee: ein neues Kommunikationssystem. Er baut es zurzeit auf - und hat sich so einen neuen Job geschaffen. Die Möglichkeit, eine eigene Aufgabe zu finden, ist also da. Besonders Akademiker haben gute Chancen: "Die Arbeitslosigkeit bei ihnen ist konstant unterdurchschnittlich", sagt Frank Wießner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Über 30 Jahre lang lag sie stabil unter fünf Prozent - und damit deutlich unter dem Prozentsatz der Arbeitnehmer, die eine Lehre hinter sich haben (11,8 Prozent).

Gut für die Jobsuche: kurze Studiendauer und guter Abschluss

Zwar nimmt die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse auch bei Akademikern zu, besonders am Anfang ihrer Karriere. Trotzdem sind sie im Vorteil, sagt Kolja Briedis, der für das Hochschul-Informations-System (His) die Lebensläufe von Akademikern untersucht. Ein guter Abschluss und eine kurze Studiendauer helfen bei der Jobsuche. Viele versuchten darüber hinaus aber auch, sich mit einer inhaltlichen Spezialisierung zu positionieren. "In unseren Studien sehen wir, dass rund vier bis fünf Prozent ihren Job selbst geschaffen haben", so Briedis. Häufig entstehen sie durch Praktika, Diplomarbeiten oder durch Zufall.

Ob und wie Jobs in Unternehmen erfunden werden, hängt aber auch davon ab, wie offen die Vorgesetzten für neue Ideen sind. Die Drogeriemarktkette dm ist ein Vorreiter in dieser Entwicklung, das Familienunternehmen ist für seine Innovationsfreude bekannt. "Wenn in einem Unternehmen viel Bewegung ist, entstehen automatisch neue Beschäftigungsfelder", sagt Erich Harsch, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Das Management versuche, die Aufgaben so zu verteilen, dass sie zu den Neigungen und Interessen der Menschen passen: "Die Frage ist: Lässt eine Firma es zu, dass die Mitarbeiter eigene Ideen entwickeln? Oder werden sie in ihrer Initiative beschnitten?"

Von Einzelkämpfern hält Erich Harsch ziemlich wenig. "Wir fragen uns, wie wir innovative Projekte innerhalb der Arbeitsgemeinschaft umsetzen können", sagt er. Wenn etwa ein neues Design für die Läden entworfen wird, werden die Mitarbeiter aufgefordert, ihre Ideen einzubringen. Auf diese Weise habe das Unternehmen in den vergangenen 25 Jahren rund 500 Projekte gestartet, die alle zu größeren organisatorischen Veränderungen geführt hätten: "Je mehr Köpfe sich daran beteiligen, desto besser", sagt Harsch.

Studien zeigen, dass diese Haltung des Managements ganz im Sinne der Mitarbeiter ist. Eine Untersuchung des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie von 2004 belegt, dass die Ansprüche der Angestellten an ihre Vorgesetzten und ihre Firma inzwischen hoch sind. 71 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich, Prozesse mit zu gestalten. Zwei von drei Arbeitnehmern möchten ihre eigenen Fähigkeiten laufend weiterentwickeln und in ihrer beruflichen Laufbahn gefördert werden. Und auch der Arbeitsmarktklima-Index 2009 der Personaldienstleistungsgesellschaft Job AG zeigt: Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigt mit den Aufgaben, die die Mitarbeiter erfüllen dürfen.

Tatsache ist aber auch, dass Pioniere in vielen Unternehmen an ihre Grenzen stoßen. Laut dem aktuellem DGB-Index "Gute Arbeit" sind nur 59 Prozent der rund 6800 befragten Menschen zufrieden. Die Möglichkeiten, sich selbst einzubringen, werden als "mittelmäßig" eingestuft, die beruflichen Zukunftsaussichten sogar als "schlecht". Fraglich ist, ob sich Unternehmen diese Blockadehaltung leisten können. Die Wirtschaft klagt über einen Mangel an Talenten und Fachkräften, und wer qualifiziert ist und zwischen mehreren Firmen wählen kann, lässt sich nicht von einem Chef beeindrucken, der seine Mitarbeiter nur an der kurzen Leine führt.

Dass es für Unternehmen sinnvoll ist, die Mitarbeiter in ihren Kompetenzen zu fördern, hat schon 1960 der Managementprofessor Douglas McGregor herausgefunden. Er sprach vom "self-actualizing man", der nach Selbstverwirklichung strebt, indem er seine Talente und Möglichkeiten im Unternehmen voll ausnutzen kann. Richard Sennett prägte Ende der 90er-Jahre das Bild des "flexiblen Menschen", der bereit sein muss, stets nach neuen Herausforderungen zu suchen.

"Die klassischen Jobs sterben aus"

Und der Amerikaner Richard Florida sprach Anfang des neuen Jahrtausends von der "creative class". Zu ihr zählen nicht nur die Künstler, Musiker oder Filmemacher, sondern auch Banker, Professoren und Software-Entwickler. Seine These: Technologie, Talent und Toleranz bringen kreatives Potenzial zur Entfaltung. Ist ein Umfeld von diesen drei Faktoren geprägt, entstehe ein Biotop für neue, wegweisende Ideen. Auch in Firmen, die nicht zu den klassischen Kreativbranchen zählen, funktioniere das.

Die Schlussfolgerung daraus: Der Dienst nach Vorschrift läuft aus. Von heutigen Mitarbeitern wird mehr verlangt. "Und damit sterben auch die klassischen Jobs", sagt der Arbeitsmarktforscher Frank Wießner. Produktionsprozesse werden automatisiert oder in Billiglohnländer verlegt - und weil dadurch Jobs verloren gehen, müssen Arbeitnehmer stets neue Qualifikationen anhäufen und Nischen besetzen, in denen sie mit Expertenwissen punkten, das andere nicht haben. "Die wissensintensiven Berufe boomen", sagt Wießner und meint die Menschen, die dafür sorgen, dass Informationen im Unternehmen bleiben und zirkulieren.

Tine Vogt hat sich auf Wissensmanagement spezialisiert. Die 35-Jährige arbeitet seit zehn Jahren bei der Citibank in Düsseldorf - für moderne Arbeitsverhältnisse eine sehr lange Zeit. Sie hat sich aber immer wieder neue Geschäftsfelder erarbeitet und verantwortet zurzeit einen der wichtigsten Prozesse: Sie koordiniert die Neuausrichtung der Marke. Die Bank wurde an die französische Crédit Mutuel verkauft. Im kommenden Februar erhält sie einen neuen Namen, und mit dem sollen auch neue Kunden angesprochen werden.

Geschaffen hat sie ihren Job selbst. Vor zehn Jahren begann sie als Trainee, direkt nach ihrem VWL-Studium. Auf eigenen Wunsch übernahm sie die Kundenbetreuung in einer Filiale: "Wer in einer Bank Karriere machen möchte, muss wissen, wie es in den Filialen zugeht", sagt Vogt. Es folgte ein Wechsel in die Hauptverwaltung - der dadurch zustande kam, dass sie einfach beim Verantwortlichen vorsprach. Sechs Monate später übernahm sie ihre erste Aufgabe als Projektmanagerin.

Es folgten weitere Stationen, doch eine Konstante blieb: Tine Vogt entwickelte sich zur Spezialistin in Fragen des Projektmanagements. "Ich habe nie Wert auf Titel wie Teamleiter oder Abteilungsleiter gelegt", sagt sie, "sondern ich wollte etwas bewegen". Jetzt leitet sie einen Prozess, den es im Unternehmen vorher nicht gab.

Hochschulen treiben die Möglichkeiten zur Spezialisierung voran

Die Hochschulen wollen in Zukunft stärker dabei helfen, dass solche Nischen aktiv entdeckt und besetzt werden. Wie das geht, macht die TU München mit Christian Dolls MBA-Ausbildung vor. Billig ist sie allerdings nicht. Für 13 Monate Studium werden 28000 Euro fällig. Und die Kandidaten müssen die Qualifikationen mitbringen, die bei MBA-Studiengängen üblich sind: gutes Englisch, nachgewiesen durch den Toefl-Test, ein GMAT-Zeugnis, das die Eignung für betriebswissenschaftliche Fächer belegt, drei bis fünf Jahre Berufserfahrung, ein Motivations- und zwei Eignungsschreiben.

Es geht aber auch günstiger. Durch die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master entstehen viele Studiengänge mit einer Spezialisierung. Die Studenten erhalten mehr Wahlmöglichkeiten, etwa wenn auf einen Bachelor-Abschluss eine Phase der Berufstätigkeit folgt, die anschließend mit einem passenden Master ergänzt wird. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft haben im vergangenen Jahr die zehn innovativsten Master-Angebote ausgezeichnet.

Weil die neuen Studiengänge besser auf den Beruf vorbereiten sollen als die alten Abschlüsse Magister und Diplom, entstehen durch die Reform auch Kooperationen mit Unternehmen. Von einer solchen profitiert Kathrin Maier. Sie hat an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Psychologie und Pädagogik auf Diplom studiert. Die Universität hat Ende 2008 eine Wissenschaftskooperation mit dem Autobauer Audi abgeschlossen - und die 26-jährige Doktorandin ist eine der ersten, die von der Zusammenarbeit profitiert. Angestellt ist sie an der Universität am Lehrstuhl für Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitspsychologie. Für Audi erforscht sie nun einen Bereich, der auch für das Unternehmen neu ist: Sie entwickelt ein neues Konzept für Fahrerassistenzsysteme.

Im Moment arbeitet jedes System für sich: Die Einparkhilfe piepst, der Spurwechselassistent lässt das Lenkrad vibrieren. "Ich suche nach einem Weg, die Warnstrategien der Systeme miteinander zu vereinen", sagt Maier. In ihrer Dissertation möchte sie herausfinden, wie die Systeme entwickelt werden müssen, damit sie die Fahrer möglichst nicht von der Fahrt ablenken.

Durch die Forschung am Auto hat sich Maier ganz nebenbei einen neuen Job erschaffen. Sie ist die Erste aus ihrem Fachbereich, die in der technischen Entwicklung forscht. Für solche Innovationen ist das Unternehmen sehr offen: "Es kommt durchaus vor, dass sich aufgrund der Anforderungen oder Veränderungsprozesse neue Betätigungsfelder ergeben und Mitarbeiter sich aufgrund ihrer Erfahrung ein neues Jobprofil schaffen", sagt Michael Groß, der Leiter des Personalmarketings bei Audi.

Um solche Prozesse gezielt anzustoßen, hat das Unternehmen auch ein Ideenprogramm in Gang gesetzt. Im vergangenen Jahr kamen von den Mitarbeitern mehr als 33500 Vorschläge zusammen, von denen 18000 realisiert wurden. Wer so arbeitet, braucht keine externen Berater. "Insgesamt konnten wir auf diese Weise 53 Millionen Euro einsparen."

Erfinden Sie Ihren Job. Wie, wo und wann Ihnen das gelingt, dafür gibt es kein Patentrezept. Doch besonders in Zeiten, in denen viel Bewegung in den Märkten ist, bieten sich Chancen. "Wir können die Entwicklung, dass es keine klaren Wege mehr gibt, nicht aufhalten", sagt der Soziologe Günter Voß. "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu lernen, damit umzugehen." Er rät Studenten und Absolventen: "Bekommen Sie heraus, was Ihnen Spaß macht, wo Sie gut sind." Und dann: "Strengen Sie sich an."

INNOVATIVE MASTER-STUDIENGÄNGE*

Charité-Universitätsmedizin Berlin: Int. Graduate Program Medical Neurosciences. Spezialisierung in Zell- und molekularer Biologie, klinische Ausrichtung. Dauer: 2 Jahre, Gebühren: 250 Euro/Semester.

Technische Universität Dresden: Tropical Forestry and Management. Für Bachelor-Absolventen mit Abschluss in Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Gartenbau. Sprache: Englisch, Dauer: 2 Jahre, keine Gebühren.

Universität Hannover: Ergänzungsstudiengang Rechtsinformatik. Int. Fach mit Spezialisierung IT-Recht. Dauer: 1 Jahr, Gebühren: 500 Euro/Semester.

Universität Hohenheim: Master-Studiengang Agricultural Sciences in the Tropics and Subtropics. Schwerpunkt: Ressourcenmanagement oder Tierpopulationen. Gebühren: 500 Euro/Semester.

Handelshochschule Leipzig: Master of Business Administration. Schwerpunkt Internationales Management. Richtet sich an Absolventen ohne betriebswirtschaftlichen Abschluss. Dauer: 18 Monate, Gebühren: 25000 Euro.

Universität Leipzig: European Master Global Studies - A European Perspective. Interdisziplinär, in Kooperation mit vier int. Hochschulen. Doppelabschluss von zwei Unis. Gebühren: 5000 Euro/Jahr.

LMU München: Master of Science in Neuro-Cognitive Psychology. Baut auf Bachelor-Studiengang Neuro-Cognitive Psychology auf. Auch für Absolventen anderer Unis. Dauer: 2 Jahre, Gebühren: 500 Euro/Semester.

Hochschule Offenburg: Communication and Media Engineering. Für Absolventen der Elektro- oder Medientechnik. Dauer: 2 Jahre, Gebühren: 700 Euro/Semester.

Universität des Saarlandes: Joint European Master Programme in Advanced Materials. Schwerpunkt: Charakterisierung und Modellierung von Werkstoffen. Mit Partner-Unis in Frankreich, Schweden und Spanien.

Fachhochschule Weihenstephan: Internationaler Masterstudiengang Agrarmanagement. Vor allem für Studenten aus Entwicklungsländern gedacht. Dauer: 2 Jahre, Gebühren: 465 Euro/Semester.

*Ausgezeichnet vom Stifterverband und DAAD; Quelle: DAAD

ERFINDEN SIE IHREN JOB

Der Entdecker
Manfred Schmidt, 35, hat die Firma Oma Schmidt's Masche gegründet und verkauft Wollprodukte in ganz Deutschland.

Herr Schmidt, Häkeldecken, Topflappen und Eierwärmer: Wie kamen Sie darauf, Selbstgehäkeltes zu verkaufen?
Eigentlich war das ein trauriger Zufall, der Tod meines Vaters. Meine Oma hat schon vorher viel gehäkelt und gestrickt, danach wurde es noch mehr. Von Zeit zu Zeit hat sie mir etwas geschenkt: Wollbeutel für Taschentücher, Topflappen, Klopapierhüte. Ich fand die Sachen immer stylisch und habe sie gerne benutzt. Irgendwann kam ich auf die Idee, dass man sie auch vermarkten könnte.

Aber gibt man dafür gleich seinen Beruf als Architekt auf?
Das habe ich ja nicht sofort gemacht. Zwei Jahre lang liefen beide Jobs parallel. Erst als ich sicher war, dass es funktioniert, habe mich für die Selbstständigkeit entschieden. Dass ich von Omas Nadelwerken leben könnte, haben die meisten nicht geglaubt. Manche haben gelacht und mich gewarnt. Auch die Berater meiner Bank, als ich nach einem Kredit fragte.

Mittlerweile beschäftigen Sie 39 Seniorinnen und einen Häkel-Opa.
Am Anfang hat nur die Freundin von Oma ausgeholfen. Dann habe ich ein paar Damen auf dem Markt angesprochen. Mir ging es ja nicht nur um die Vermarktung. Ich wollte auch etwas finden, woran Rentner Spaß haben. Mittlerweile bekomme ich Bewerbungen aus ganz Deutschland, Probepakete mit selbstgemachten Sachen und handgeschriebenen Briefen. Nur dass die gewöhnlichen Häkeldeckchen nicht so gut ankommen, das müssen die meisten erst lernen.

Die Wissenschaftlerin
Kathrin Maier, 26, Diplom-Psychologin und -Pädagogin, arbeitet bei Audi.

Frau Maier, Sie sind Psychologin. Was machen Sie bei einem Autokonzern?
Mich haben schon immer Nischen interessiert. Meine Diplomarbeit habe ich in Umweltpsychologie geschrieben - das allein ist schon ein Randgebiet. Es ging um das Umweltschutzverhalten im häuslichen Energiebereich. Als ich nach meinem Studium eine Stelle am Lehrstuhl meiner Uni bekam, begann gerade die Wissenschaftskooperation mit Audi. Mein Professor hat mich vorgeschlagen, und jetzt werde ich mich auf einem Gebiet behaupten, das sonst von Elektrotechnikern oder Maschinenbauern besetzt ist.

Woran forschen Sie?
Es geht um multimodale Warnstrategien für Fahrerassistenzsysteme. Die meisten kennen die piepsenden Einparkhilfen. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe dieser Systeme in Autos, und die Möglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft. Nur wenn es gleichzeitig piepst, das Lenkrad vibriert und ein Lämpchen leuchtet, kann das schnell zu viel werden. Ich entwickle ein System, bei dem die Fahrer durch die unterschiedlichen Systeme so gewarnt und informiert werden, dass sie sofort verstehen, worum es geht.

Haben Sie den Job selbst erfunden?
Bislang gibt es kaum Psychologinnen, die mit der Entwicklung von Autos befasst sind. Das merke ich auch an den Reaktionen. Freunde oder Kollegen fragen mich, was ich in der technischen Entwicklung mache. Natürlich war es ein Zusammenspiel zwischen der Hochschule und dem Unternehmen - aber ich denke, ich kann schon sagen, dass ich den Job selbst erfunden habe. Und das ist eine große Herausforderung.

Die Strategin
Tine Vogt, 35, Diplom-Volkswirtin, modernisiert die Citibank, die im Februar 2010 umbenannt wird.

Frau Vogt, wie sieht Ihr Arbeitstag bei der Citibank aus?
Es steht jeden Tag etwas anderes an. Wir planen die Neupositionierung der Marke in 16 Teilprojekten, 100 Mitarbeiter nehmen daran teil. Gemeinsam überlegen sie, wie die Filialen und Produkte in Zukunft aussehen sollen. Meine Aufgabe ist es, zwischen allen Beteiligten zu vermitteln und Meilensteine zu setzen.

Was ist das Neue an Ihrem Job?
Als die Citibank an die Crédit Mutuel verkauft wurde, mussten wir definieren, wie wir uns in Zukunft positionieren. Dafür wurde ein Team gebildet, aber es gab niemanden, der das Projekt leitete. Irgendwann bekam ich die Aufgabe, weil ich schon vieles gemeistert habe.

Inwiefern haben Sie Ihren Job selbst erfunden?
Ich habe mich auf das Projektmanagement spezialisiert. Mein Pluspunkt ist, dass ich Menschen begeistern kann. Dadurch wurden meine Aufgaben größer und strategisch wichtiger. Die Citibank ist ein Unternehmen, das ständig in Bewegung ist. Das macht die Arbeit spannend, ständig entstehen neue Jobs. Wer sich darauf einlässt, hat gute Chancen, ganz verschiedene Aufgaben zu übernehmen und sich selbst einen eigenen Job zu schaffen.

Der Reformer
Christian Doll, 36, Solution Designer bei Siemens, hat ein Modell zur Auslagerung von Dienstleistungen entworfen.

Herr Doll, was ist das Neue an Ihrer Erfindung?
Siemens hat vor drei Jahren einen Teil seiner IT-Dienstleistungen ausgelagert. Als der erste große Auftrag kam, zeigte sich, dass es noch viele offene Fragen für den Umgang mit den externen Partnern gab. Mit Hilfe eines Lego-Modells habe ich gemeinsam mit meinem Projektteam überlegt, wie die Zusammenarbeit gelingen kann.

Wie kamen Sie auf Lego?
Ich mache zurzeit einen MBA-Abschluss an der TU München. Dort lösen wir Fallbeispiele und wenden Methoden an, die im wirtschaftlichen Alltag bislang zu kurz kommen. Dazu gehört auch die Entwicklung und Darstellung von Ideen in Form von Prototypen mit Lego.

Wie sind Sie vorgegangen?
Erst haben wir ein Brainstorming gemacht, danach haben wir einen Prototyp gebaut. Unterschiedliche Figuren symbolisieren die beteiligten Personen: Kunden, Vertrieb, Management, Service-Techniker. Die Kunden tragen eine Krone, wer eine Kugel mit Geld hat, besitzt Budgetverantwortung. Das Modell zeigt auch, wie die Abteilungen zusammenhängen und wo noch Lücken waren.

Wie haben Ihre Chefs reagiert?
Die haben komisch geguckt. 20 Minuten hat mein Vortrag gedauert, mit Powerpoint hätte ich länger gebraucht. Sie waren an dem Modell sehr interessiert.

Sind Sie schon befördert worden?
Ich bin sehr zuversichtlich, dass das bald passiert. Im Moment wird beraten, wie das Konzept umgesetzt wird. Ich hoffe, dass ich daran beteiligt werde. Dann hätte ich mir einen neuen Job geschaffen.

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