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Arbeitslosigkeit Die Bedeutung von Hartz IV

Viele Arbeitslose haben Angst vor Hartz IV. Sie fürchten, in eine Armutssackgasse gedrängt zu werden. Doch wo liegen die Unterschiede zum Arbeitslosengeld I? Wir klären Fragen zum Arbeitslosengeld II.

Sindy Heyn / Zeit.de | , aktualisiert

Ich werde arbeitslos. Welches Arbeitslosengeld erhalte ich denn überhaupt?

Arbeitslosengeld I: Das sogenannte Alg I bekommen alle, die innerhalb der Rahmenfrist von zwei Jahren mindestens ein Jahr lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben. Eingezahlt hat, wer in einem beitragspflichtigem Beschäftigungsverhältnis gearbeitet hat, Beamter war oder als Freiberufler eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen hatte.

Arbeitslosengeld II: Das als Hartz IV bekannte sogenannte Alg II ist eine Grundsicherungsleistung für erwerbsfähige Hilfebedürftige nach dem SGB II. Das heißt: Wer mindestens 15 Jahre alt ist, erwerbsfähig, dauerhaft in Deutschland lebt und hilfebedürftig ist. Anspruch auf Alg II hat also jeder, der nicht aus eigener Kraft seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Das Alg II wird auch zusätzlich zum Alg I bezahlt, wenn dieses zu niedrig ist, um davon leben zu können. Monatlich gibt es 359 Euro für einen Alleinstehenden.

Muss ich jetzt jeden Job annehmen – auch 1-Euro-Jobs?

Arbeitslosengeld I: Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man dreimal einen Vermittlungsvorschlag ablehnen darf, ehe Sanktionen eintreten. Das ist falsch. Arbeitslose müssen jedes zumutbare Beschäftigungsangebot annehmen. Das klingt strenger als es ist. Die Arbeitsagentur vermittelt in der Regel nur in das zuletzt ausgeübte Berufsfeld. Es sei denn, eine Einstellung in diesem Bereich erscheint nicht realistisch, weil keine geeigneten Stellenangebote auf dem relevanten Arbeitsmarkt vorhanden sind. Beim Gehalt gilt: In den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit sind Beschäftigungen zumutbar, deren Arbeitsentgelt mindestens 80 Prozent des Entgelts entspricht, das der Arbeitslose zuvor verdient hat. In Hinblick auf die Fahrzeit gelten Pendelzeiten zwischen Wohn- und Arbeitsort von insgesamt zweieinhalb Stunden als angemessen und zumutbar.

Arbeitslosengeld II: 1- Euro-Jobs gibt es nur für Alg II Empfänger. Diese Arbeitsgelegenheiten sollten das "letzte" Mittel sein, falls ein Jobsuchender wirklich keine andere Arbeit finden kann. Vorab müssen die Arbeitsberater aber prüfen, ob andere Leistungen (je nach Qualifikation und Lebenslauf) der Arbeitsförderung wirksamer sind. Insbesondere Personen, die noch nicht lange beschäftigungslos sind – beispielsweise Studienabsolventen oder junge Fachkräfte, die im Anschluss an einen befristeten Vertrag nicht auf Anhieb eine Weiterbeschäftigung gefunden haben – wird zumeist kein 1-Euro-Job angeboten. Prinzipiell steht die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt immer im Vordergrund. Langzeitarbeitslose sollen diese Arbeitsgelegenheiten jedoch der persönlichen wie beruflichen Stabilisierung dienen. Wer viele Jahre lang ohne Arbeit ist, hat durch diese Maßnahme die Chance, sich wieder an einen geregelten Arbeitstag zu gewöhnen.

Wird eine berufliche Weiterbildung gefördert?

Sowohl Alg-I- als auch für Alg-II-Empfänger haben die Möglichkeit, eine geförderte Weiterbildung in Anspruch zu nehmen. Für beide Personenkreise gelten dieselben gesetzlichen Regelungen. Der Arbeitsvermittler prüft anhand des individuellen beruflichen Werdeganges, ob eine Qualifizierung erforderlich ist. Zudem wird geschaut, ob die gewünschte Weiterbildung den aktuellen Arbeitsmarktanforderungen entspricht. Grundsätzlich können kurzzeitige und anerkannte Maßnahmen gefördert werden. Bei Interesse an einer Qualifizierung ist es ratsam, bereits vor dem Beratungsgespräch nach geeigneten Kursen zu recherchieren, um seinem Arbeitsvermittler gleich eine konkrete Bildungsmaßnahme benennen zu können. In der Weiterbildungsdatenbank Kursnet kann man sich überdies deutschlandweit über das Maßnahmeangebot informieren.

Darf ich eine Nebentätigkeit aufnehmen? Wie viel darf ich dazuverdienen?

Arbeitslosengeld I: Als Empfänger von Alg I dürfen Jobsuchende eine Nebentätigkeit ausüben, wenn diese weniger 15 Stunden in der Woche umfasst. Der Verdienst ist bis zu 165 Euro im Monat anrechnungsfrei. Das heißt: 165 Euro dürfen verdient werden; alles darüber hinaus wird vom Arbeitslosengeld I abgezogen. Wer aber bereits mindestens zwölf Monate lang vor der Arbeitslosigkeit eine geringe Beschäftigung ausgeübt hat, die fortgesetzt werden kann, bekommt einen höheren Freibetrag. Die Einkommensgrenze richtet sich dann nach dem durchschnittlichen Verdienst, der zuvor mit Job und Nebentätigkeit erwirtschaftet wurde.

Arbeitslosengeld II: Hier gibt es keine Stundenbegrenzung. Es gilt, je mehr desto besser, um die Hilfebedürftigkeit zu verringern. Anders als das Alg I, ist das Alg II keine Versicherungsleistung für Arbeitslose, sondern eine Leistung an Bedürftige. Alg-II-Empfänger müssen daher nicht zwangsläufig beschäftigungslos sein. So erhalten auch Personen, die im Niedriglohnsektor arbeiten und von ihrem Lohn ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, aufstockend Alg II. Ein monatlicher Nebenverdienst bis zu 100 Euro wird nicht auf das Alg II angerechnet. Bei höheren Verdiensten staffelt sich der Anrechnungssatz prozentual je nach Höhe des Einkommens.

Bekomme ich Zuschüsse, wenn ich mich selbständig mache?

Arbeitslosengeld I: Sofern durch die Aufnahme einer Selbständigkeit die Arbeitslosigkeit beendet wird, gibt es einen Gründungszuschuss. Wichtig ist, dass es sich um eine Neugründung handelt und dass der Gründer zum Zeitpunkt der Aufnahme der selbständigen Tätigkeit noch mindestens 90 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat. Der Gründungzuschuss wird in Höhe des Arbeitslosengeldes für eine Dauer von neun Monaten gezahlt. Zusätzlich werden 300 Euro für die Sozialversicherung gewährt, da Selbständige allein für die Sozialabgaben aufkommen müssen. Nach den neun Monaten können die Gründer, wenn sie Einkommen in dieser Zeit erwirtschaftet haben, für weitere sechs Monate die Pauschale von 300 Euro beantragen.

Arbeitslosengeld II: Alg II Empfänger können bei Aufnahme einer Selbständigkeit durch ein Einstiegsgeld gefördert werden. Dies wird für maximal 24 Monate gewährt und beträgt meist die Hälfte des Regelsatzes des Alg II. Hierbei werden unter anderem die Dauer der Arbeitslosigkeit sowie die Größe der Bedarfsgemeinschaft berücksichtigt.

Habe ich Anspruch auf Urlaub?

Auch Arbeitslose haben Anspruch auf 21 Tage Urlaub (oder auch Ortsabwesenheit) im Kalenderjahr unter Fortzahlung der Leistungen, dies gilt sowohl für Alg I als auch für Alg II Empfänger. Der Antrag sollte kurzfristig etwa eine Woche vor Antritt des Urlaubs gestellt werden.

(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)

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