Arbeitsleben Freizeit versus Gehalt? Eine Wohlfühl-Bilanz

7000 Euro Monatsgehalt hören sich gut an. Wenn Sie dafür aber regelmäßig einen Zwölf-Stunden-Tag hinlegen müssen, sieht die persönliche Wohlfühl-Bilanz ganz anders aus. Junge Karriere hat zehn Berufe unter die Lupe genommen. Was Sie verdienen können und was Sie dafür leisten müssen.

U. Heitze, K. Stricker | , aktualisiert

Der Software-Entwickler:

Junge Karriere: Wann haben Sie das letzte Mal eine Nacht durchprogrammiert und dazu Pizza gegessen? Das ist doch das klassische Bild des Informatikers...
Pelle Vehreschild: Vor einigen Wochen habe ich einen langen Sonntagabend mit Chips und Cola vor dem Computer verbracht, allerdings nur bis zwei Uhr morgens. Das ist aber eher die Ausnahme und kommt nur dann vor, wenn ein Projekt sich dem Ende nähert. Dann bestellen wir aber auch gerne ein paar Familienpizzen ­so richtig klischeemäßig.

Und die normalen Arbeitszeiten?
Sind für die Branche ziemlich human. In der Regel arbeite ich so knapp 50 Stunden pro Woche, abends bin ich selten länger als bis acht Uhr im Büro. Auch an den Wochenenden muss ich nur selten ran und dann auch meist am heimischen PC. Ich kann mich also nicht beschweren.

Bei welchem Arbeitspensum würden Sie streiken?
Viel mehr als im Moment sollte es auf Dauer nicht sein, sonst bin ich abends einfach zu fertig, um noch etwas zu unternehmen. Meine Freizeit ist mir generell sehr wichtig ­ mich mit Freunden treffen, Kart fahren oder mal ins Kino gehen. Das heißt aber nicht, dass ich meinen Job nicht liebe. Im Gegenteil. Ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können. Ich bin überzeugt davon, dass sich berufliche Unzufriedenheit auf die Dauer nicht aus dem Privatleben heraushalten lässt. Jetzt habe ich bei Firstgate einen Job, in dem ich mich super wohl fühle.

Und finanziell stimmt's auch?
Ein klares Ja. Ich verdiene momentan etwa 40.000 Euro pro Jahr. Das ist zwar nicht übermäßig viel, aber dafür habe ich auch noch einen Dienstwagen.

Pelle Vehreschild, 27, hat Wirtschafts- und Medieninformatik studiert. Seit Sommer 2000 arbeitet er als Software-Entwickler bei der Kölner Internet-Firma Firstgate: 50 Stunden/Woche 40.000 Euro + Dienstag

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehalt: Zwischen 30.000 und 40.000 Euro pro Jahr im Großunternehmen; kleinere Firmen zahlen meist 5.000 Euro pro Jahr weniger. Nach fünf Berufsjahren sind bis zu 50.000 Euro, nach zehn Jahren bis zu 70.000 Euro drin. Ein IT-Leiter bekommt durchschnittlich ein Jahresgehalt von 110.000 Euro.

Quelle: Kienbaum Arbeitszeit: In Großkonzernen eher Acht-Stunden-Tage, bei New-Economy-Buden sind zwölf bis 14 Stunden täglich normal. Im Branchenschnitt liegt die Wochenarbeitszeit, so eine Studie des Deutschen Multimediaverbandes, bei knapp 47 Stunden. 

Der Unternehmensgründer:

Junge Karriere: Sie haben 1996 Netsolut gegründet. Wie viel Arbeit steckt darin?
Alexander Wiegand: Viel. In der Gründungsphase haben wir neben dem ganzen administrativen Kram wie wild programmiert. Weil man da so richtig drin versinken kann, vergisst man schnell die Zeit und kommt auf Zwölf-Stunden-Schichten oder mehr.

Und wie sieht es heute aus?
Meine Arbeit hat sich stark verändert und deshalb auch meine Arbeitszeiten: Ich programmiere kaum noch. Dafür bin ich jetzt als Geschäftsführer Ansprechpartner für Kunden und Mitarbeiter, bin also auf "normale" Geschäftszeiten angewiesen. Ich fange morgens um halb neun an und versuche abends, um halb acht die Kurve zu kriegen. Das gelingt mir leider noch zu selten. Mein Arbeitstag ist heute nicht kürzer, aber geregelter.

Können Sie ruhigen Gewissens abschalten?
Nein, noch nicht wirklich. Ich versuche aber ganz bewusst, abends und am Wochenende das Büro mal hinter mir zu lassen und mit meiner Frau und meinem Sohn abzuschalten. Das geht mit spazieren gehen oder saunieren. Ein wenig freie Zeit ist schon wichtig. Als Ausgleich und um die Akkus wieder voll zu kriegen. Gerade jetzt, wo wir ein Baby haben, bin ich wesentlich konsequenter als früher.

Ist für einen Gründer Urlaub drin?
Ja, wir fahren zum Beispiel öfter nach Frankreich. Mit Notebook und Handy arbeite ich von da aus aber auch acht Stunden pro Tag. Es klingt verrückt, aber mir macht das nichts. Es muss ja sein.

Wie viel Gehalt zahlen Sie sich?
Am Anfang haben wir uns ganz wenig gezahlt. Nur was aus der Kasse genommen, wenn wir was brauchten. Irgendwann meinte unser Steuerberater, das müsste mal geregelt werden. Wir sind mit 4.000 Mark im Monat gestartet, und das stieg dann langsam an. Heute bekomme ich 14 Gehälter à 5.000 Euro plus einen Firmenwagen.

Wo würde der Spaß aufhören?
Weniger Gehalt bei gleicher Arbeit sollte nicht sein. Ich arbeite ganz klar auch für Geld. Wenn es nur um Spaß ginge, dann könnte ich auch irgendwo nebenher was Nettes programmieren. Für mich ist das Gehalt die Anerkennung meiner Leistung. Aber klar, Freude an der Arbeit muss natürlich auch da sein. Tja, und noch mehr arbeiten? Das ginge ja kaum noch. Da macht der Körper irgendwann schlapp. Eine 50-Stunden-Woche wäre schön. Wir arbeiten auch dran.

Alexander Wiegand, 32, einer der Gründer und Geschäftsführer von Netsolut. Das IT-Unternehmen entwickelt Landkartensoftware für Navigationssys-teme und Internetdatenbanken wie die eigene www.map24.com. Wiegand hat Informatik studiert, ist verheiratet und seit fünf Monaten Vater von Cuba Alexander. 60 Stunden/Woche 70.000 Euro + Dienstwagen

Und so sieht's generell aus:

Viel Arbeit für wenig Geld ­ wer ein Unternehmen gründet, neigt zur Selbstausbeutung. Durchschnittliche Arbeitszeit in den ersten zwei Jahren: zehn bis zwölf Stunden pro Tag bei einer Sechs- bis Sieben-Tage-Woche. Auch 18- bis 20-Stunden-Tage sind nicht selten. Urlaub? Was ist das? In den Folgejahren reduziert sich das Pensum leicht auf acht bis zwölf Stunden, zumindest Sonntage sind dann frei. Urlaub gibt's bei Gelegenheit. Das Gros der Gründer zahlt sich anfangs 20.000 bis 30.000 Euro. Gehälter steigen je nach Erfolg. Die Mehrheit leistet sich nach drei Jahren rund 50.000 Euro. Mehr als 70.000 sind selten. 

Quelle: Bund junger Unternehmer, Exklusiv-Umfrage für Junge Karriere

Die Unternehmensberaterin:

Junge Karriere: Consultants sind ständig auf Achse, arbeiten von früh bis spät und verdienen viel ­ stimmt das Klischee?
Andrea Ingrisch:
Na ja, wenn man es auf diese drei Punkte beschränkt, wohl schon. Viel unterwegs ist man auf jeden Fall. Während eines Projekts sind wir meistens vier Tage pro Woche vor Ort beim Kunden und wohnen im Hotel. Freitags arbeiten wir in der Regel vom Büro aus ­ auch, um ein bisschen was vom Betriebsklima zu haben.

Und wie lang sind Ihre Tage?
So ab neun sollte man erreichbar sein. Abends geht es meistens bis neun oder zehn. Aber wenn ich mal was Privates vorhabe, dann kann ich mir die Zeit auch nehmen. Im Schnitt komme ich wohl so auf 60 Stunden pro Woche. Schon ganz schön viel.

Dafür verdienen Sie gut, oder?
Ja, klar. Einsteiger fangen bei uns mit 60.000 bis 80.000 Euro an. Und mit jeder Karrierestufe entwickelt sich das sehr schnell. Aber an sich ist mir das nicht so wichtig. Ich sehe mein Gehalt nicht als Entschädigung für die viele Zeit im Büro. Leben macht nur Spaß mit guter Arbeit und nicht mit viel Geld.

Jede Nacht im Hotel ­ stört das nicht?
Bis jetzt noch nicht. Ich find's auch mal ganz schön, abends mit den Kollegen was zu unternehmen. Und auch wenn keine große Zeit für Sightseeing oder Shopping-Touren bleibt, ein bisschen was kriege ich von jeder Stadt mit. Aber klar, spontane Kino- oder Theaterabende sind schon schwierig.

Wie findet Ihr Freund, dass Sie so oft weg sind?
Zum einen schade, zum anderen ist er, glaube ich, aber auch ganz froh, so viel Zeit für sich zu haben. Am Wochenende leben wir unsere Beziehung dafür umso intensiver. Ich versuche auch, Freundschaften aktiv zu pflegen, sonst verliert man ja alle Kontakte.
Momentan genieße ich den Luxus, dass mein derzeitiges Projekt auch in Berlin ist. Da gehe ich abends ganz normal nach Hause zu meinem Freund und in eine vertraute Atmosphäre. Solche Heimschläferprojekte könnte ich ruhig öfter haben.

Wo wäre Ihre Schmerzgrenze?
Wenn ich nicht mehr regelmäßig am Wochenende zu Hause wäre. Diese Zeit ist für mich absolut wichtig, die brauche ich, um frischen Input zu bekommen. Momentan müssen wir ab und zu auch am Wochenende ran, wenn das Projekt drängt. Aber das ist die absolute Ausnahme.

Andrea Ingrisch, 29, wohnt in Berlin, hat Wirtschaftspsychologie studiert und ist seit einem Jahr Unternehmensberaterin bei der Boston Consulting Group: 60 Stunden/Woche 60.000-80.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehälter: Große Bandbreite, abhängig von Qualifikation des Bewerbers und Unternehmensgröße. In den Top-40-Beratungen (Gesamtmarktanteil 50 Prozent, 25.000 Berater) bis zu 60.000 Euro, nach fünf Jahren 250.000 bis 320.000. Mittelgroße und kleine Beratungen (Marktanteil 34 und 16 Prozent, 29.000/15.500 Consultants) zahlen Einsteigern 35.000 bis 45.000 Euro (fünf Jahre: 80.000 bis 100.000, zehn Jahre: 180.000 bis 200.000 Euro).

Quelle: Kienbaum Arbeitszeit: In großen Häusern sind Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tage gängig. Während der Woche ist Stationierung beim Kunden die Regel. Wochenende meist frei. In kleineren Unternehmen moderatere Arbeitszeiten und eingeschränkte Reisetätigkeit, weil es mehr regionale Projekte gibt.

Der Maschinenbauingenieur:

Junge Karriere: Wie sieht denn der Alltag eines Maschinenbauers aus? Den ganzen Tag rechnen und basteln?
Markus Wolf:
So ungefähr. Ich entwickle Druckmaschinen weiter. Dabei überlege ich mir Lösungen und die beste wird dann am Computer ausgearbeitet. Ist die Planung fertig, bauen wir einen Prototypen und testen, ob alles wie geplant funktioniert.

Und das wie viel Stunden die Woche?
Ich bin meist von 8.30 bis 18 Uhr im Büro, komme also auf 42 Stunden in der Woche. Das ist zwar mehr als die tariflich festgelegten 35 Stunden, aber verglichen mit anderen Jobs sind das moderate Zeiten. Ein Beruf, in dem es selbstverständlich ist, zwölf oder mehr Stunden täglich zu arbeiten, wie etwa Unternehmensberater, wäre nichts für mich. Dafür sind mir mein Privatleben, meine Freunde und meine Hobbys zu wichtig.

Bleibt dafür genug Zeit?
Eigentlich schon. Direkt nach dem Studium kam mir ein ganz normaler Arbeitstag von acht oder neun Stunden schon recht lang und anstrengend vor. Da war ich oft zu kaputt, um mich abends noch zu etwas aufzuraffen. Aber man gewöhnt sich dran. Zeitaufwändigere Hobbys wie Fotografieren und Modellbau muss ich schon einschränken, seit ich arbeite. Das ist schade, aber so ist es halt.

Dafür haben Sie mehr Geld als zu Studentenzeiten...
Das stimmt. In meiner Position und mit meiner Berufserfahrung verdient man zwischen 50.000 und 55.000 Euro im Jahr ­ für 35 Wochenstunden.

Markus Wolf, 29, hat Maschinenbau studiert. Arbeitet seit drei Jahren als Ingenieur in der Entwicklungsabteilung der Heidelberger Druckmaschinen AG: 42 Stunden/Woche 50.000-55.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehalt: Durchschnittlich rund 41.000 Euro pro Jahr; nach zwei bis fünf Jahren im Job zwischen 45.000 und 50.000 Euro. FH-Absolventen liegen fünf Prozent unter dem Niveau von Uni-Absolventen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und VDI Nachrichten. Die Studie "Ingenieurgehälter 2001/2002" kann für 975 Euro bei der DGFP bestellt werden. eschmann@dgfp.de Arbeitszeit: Laut Tarifvertrag 35-Stunden-Woche, in der Praxis sind 40 Stunden üblich. Überstunden werden in der Regel extra bezahlt.

Der Werber:

Junge Karriere: Bei Werbeagenturen denkt man an junge, durchgestylte Kreative, die unheimlich hipp sind und schräge Partys feiern. Wie trendy geht's bei Ihnen zu?
Laurenz Köhler:
Na ja, geht so. Dieses Klischee ist aus den 80ern hängen geblieben. Mittlerweile arbeiten die Agenturen professioneller, mehr wie Unternehmensberatungen. Die Kunden wollen ja fundierte Erkenntnisse und keine heiße Luft. Aber klar, bunter ist es schon, weil wir die Kreativen an Bord haben.

Was ist statt dessen typisch?
Das selbstbestimmte Arbeiten. Die Agenturen basieren auf der hohen Eigenmotivation ihrer Mitarbeiter. Jeder organisiert seine Arbeit selbst. Diese Freiheit ist der Hauptgrund, warum ich gerne hier arbeite und bereit bin, so viel Zeit zu investieren. Offiziell arbeiten wir von neun bis 18 Uhr. Aber ganz klar sitzen wir länger. Ich komme gerne morgens mal um sieben, damit ich abends um sieben gehen kann. Ab zehn bin ich ständig auf Achse in Meetings, beim Kunden oder auch mal auf einem Foto-Shooting. Abends wird es oft nach acht. Durchgearbeitete Nächte kommen aber höchstens zweimal im Monat vor.

Dann bleibt nur am Wochenende richtig freie Zeit?
Eigentlich schon. Samstag und Sonntag versuche ich weitgehend frei zu halten, um für meine Frau und meinen Sohn da zu sein. Freizeit ist bei mir wirklich ein knappes Gut. Das ist wohl der Preis für einen super Job und eine lockere Atmosphäre.

Was verdient man denn so?
Die Spanne für Etatdirektoren bei BBDO liegt bei 55.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. Aber besonders als Einsteiger sollte man nie zu sehr aufs Geld schielen. Bei denen, die ihren Job gut machen, kommt das von alleine. In der Werbung kann man durch ständiges Agenturwechseln schnell viel mehr Geld verdienen. Das wird aber leicht zum Bumerang: Es fällt auf, wenn man die versprochene Qualität nicht halten kann. Und das spricht sich rum. Die Branche ist klein.

Laurenz Köhler, 33, ist seit Anfang des Jahres Etatdirektor bei Deutschlands größter Werbeagentur BBDO. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler betreut den Etat von E-Plus und seit kurzem auch einen kleinen Sohn: 60 Stunden/Woche 55.000-70.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehalt: Einstieg in eine Werbe-Agentur meist als Junior-Kontakter: Jahresgehalt im Schnitt 30.000 Euro. Nächste Stufe Kontakter: Durchschnittsverdienst 41.000 Euro plus Auto. Etat-Direktoren kommen im Mittel auf 61.000 Euro plus Auto. Leistungsabhängige variable Anteile etwa 15 Prozent. Die größten Agenturen zahlen 12.000 Euro mehr als die kleinsten.
Arbeitszeit: 40-Stunden-Woche und länger ist überall die Regel. Überstunden werden meist nicht bezahlt.

Der Lehrer:

Junge Karriere: Lehrer arbeiten nur vormittags ein paar Stündchen und machen sich ansonsten ein schönes Leben. Sieht Ihr Tag tatsächlich so aus?
Rüdiger Bönnemann: Schön wär's. Dass Lehrer nur einen Halbtagsjob haben, ist völliger Quatsch. Mit 25 Unterrichtsstunden pro Woche ist es längst nicht getan. Ich sitze jeden Nachmittag daheim am Schreibtisch, bereite den Unterricht vor, suche neue Lektüren raus, korrigiere Klassenarbeiten, oft bis 20 oder 21 Uhr. Es ist natürlich klasse, dass ich viel zu Hause arbeiten kann. Gerade seit ich vor kurzem Vater geworden bin, mache ich öfter mal eine Pause und kümmere mich um meinen Sohn. Dafür brüte ich dann aber auch häufig am Wochenende über Schulheften. Dazu gibt es ja noch Zeugnis-Konferenzen, Schulausflüge,

Elternabende...
Das hört sich richtig nach Stress an.
Lehrer sein bedeutet eine Menge Arbeit, vor allem, wenn man seinen Job ernst nimmt. Ich hoffe, dass ich mit der Zeit routinierter und die Vorbereitungszeiten etwas weniger werden. Aber auf über 40 Stunden pro Woche komme ich dann sicher auch noch locker.

Vorurteil Nummer zwei: Lehrer verdienen gut...
Na ja, es geht. Ich bekomme zurzeit knapp 3.000 Euro brutto im Monat. Bei meinem Arbeitspensum möchte ich den Stundenlohn lieber nicht ausrechnen. Lehrer ist sicher kein Job, den man macht, um reich zu werden.

Dafür haben Sie aber auch gut elf Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr...
Wirklich frei habe ich in der Praxis wesentlich weniger. Gerade in den zwei Wochen Oster- und Herbstferien arbeite ich auf, was während der Schulzeit liegengeblieben ist ­ korrigiere Klausuren, schreibe Gutachten. Natürlich sitze ich dann nicht immer von früh bis spät über den Heften. Die Sommerferien sind bis auf die letzte Woche, in der meist schon die ersten Konferenzen sind, komplett frei.           

Rüdiger Bönnemann, 32, ist seit einem Jahr Lehrer für Englisch und Geschichte am Ursulinen-Gymnasium in Werl. Verheiratet und Vater eines Sohnes: 50 Stunden/Woche 39.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehalt: Als Referendar zwischen 950 und 1.000 Euro im Monat; danach als Grundschullehrer 2.500 Euro, am Gymnasium 2.800 Euro. Zulage für Verheiratete: 100 Euro monatlich, mit Kind sind es 187 Euro. Verbeamteten Lehrern bleibt netto mehr als angestellten: Sie zahlen keine Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Arbeitszeit: Laut einer Studie der Unternehmensberatung Mummert je nach Schulart jährlich zwischen 1.750 und 1.970 Stunden. Das sind zwischen 40 und 45 Stunden pro Woche.

Der Investmentbanker:

Junge Karriere: Investmentbanker rackern bis spät in die Nacht. Nur ein Vorurteil?
Dirk Liedtke: Nein, für Berufseinsteiger stimmt das auf jeden Fall; in den ersten Jahren habe ich oft an die 80 Stunden in der Woche geschuftet. Jetzt als Direktor sind die Zeiten schon humaner. Ohne die Reisezeiten komme ich wöchentlich auf 60 bis 70 Stunden.

Sind Sie viel unterwegs?
Zwei bis drei Tage die Woche besuche ich Kunden oder Investoren. Zum Glück sind das meist Tagesreisen, so dass ich zu Hause schlafen kann und meinen Sohn wenigstens abends oder beim Frühstück sehe. An den anderen Tagen bin ich von halb neun bis abends acht Uhr im Büro.

Ganz schön langer Tag ...
Mit der Menge der Stunden kann ich leben. Mich stört eher, dass es schwierig ist, privat etwas verbindlich zu planen. Wenn ein Kunde anruft, muss ich zur Stelle sein, notfalls bis spätabends oder während meines Urlaubs.

Warum nehmen Sie das in Kauf?
Weil ich meinen Job liebe. Die Verhandlungen, die ich führe, sind unheimlich spannend. Wir bewegen etwas. Das Geld ist natürlich auch nicht zu verachten. Es ist angenehm, sich und seiner Familie eine gesicherte Existenz aufbauen zu können. Neben einem Fixum, das nach fünf Jahren Berufserfahrung über 80.000 Euro pro Jahr liegt, kann noch mal das Gleiche als Bonus dazukommen ­ wenn das Geschäft gut läuft.

Dirk Liedtke, 34, ist Investmentbanker. Der Diplom-Kaufmann arbeitet als Direktor in der Abteilung Merger & Acquisition bei der Hypovereinsbank München. Verheiratet, ein Sohn: 60-70 Stunden/Woche über 80.000 Euro + Bonus

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehalt: Bis zu 60.000 Euro pro Jahr; nach fünf Berufsjahren je nach Aufgabe zwischen 150.000 und 400.000 Euro pro Jahr. Meist gibt es zusätzliche Goodies wie einen Firmenwagen.

Quelle: Kienbaum Arbeitszeit: 60 bis 80 Stunden in der Woche sind üblich. Je nach Position gehören Reisen und Nächte im Hotelzimmer zum Alltag.

Der Anwalt:

Junge Karriere: Haben Sie als Anwalt für Mergers & Acquisitions trotz der momentanen Pleitewelle noch gut zu tun?
Jan Michael Bauer: Über Arbeitsmangel kann ich mich nicht beklagen. Es gibt zwar weniger ganz große Transaktionen, aber da unsere Klienten vom Dax-Wert bis zum großen Mittelständler reichen und wir auch Gesellschaften in der Krise beraten, haben wir insgesamt nicht weniger Arbeit als in den Vorjahren.

Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus?
An heftigen Tagen, wenn ein Unternehmenskauf in die heiße Phase geht, kann es schon mal nach Mitternacht werden. Dafür gehe ich dann an einem anderen Tag auch mal früher nach Hause. Im Schnitt komme ich vielleicht auf eine 60-Stunden-Woche. Zum Glück bin ich hier bei der Arbeitszeitgestaltung sehr frei. Und mein Job macht mir großen Spaß, so dass ich die viele Zeit nicht als belastend empfinde. Ich habe sicherlich weniger Freizeit als andere Leute. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich zu stark einschränken muss. Es gibt ja auch noch das Wochenende.

Im Referendariat verdienen Jung-Anwälte 800 Euro im Monat. Diese Summe liegt weit hinter Ihnen, oder?
Ja. Gleiss Lutz zahlt Einsteigern derzeit zwischen 70.000 und 80.000 Euro. Unsere Gehälter werden jedes Jahr angepasst. Deshalb liege ich da jetzt schon einiges drüber. Man sollte die schiere Summe aber nicht überbewerten. Für mich ist das Gehalt vor allem Ausdruck der Anerkennung der Leistung, die man erbringt. Es kommt daher mehr auf die Relation zu anderen Gehältern als auf den absoluten Betrag an.

Jan Michael Bauer, 30, ist seit zwei Jahren Anwalt in der Großkanzlei Gleiss Lutz: 60 Stunden/Woche über 80.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Die Hälfte der 116.000 Anwälte arbeitet als Einmann-Kanzlei. Durchschnittsverdienst 1999: 2.000 Euro netto pro Monat bei einer 56-Stunden-Woche. Freiberufler in örtlichen Sozietäten erzielten 85.000 Euro Gewinn vor Steuern, in überörtlichen 130.000.
Angestellte Anwälte in kleinen und mittelgroßen Kanzleien kamen 1999 als Einsteiger auf 3.000 Euro, im dritten Berufsjahr auf 3.400 Euro. Zehn Prozent der Anwälte arbeiten in Großkanzleien. Einstiegsgehalt: 60.000 Euro aufwärts.

Quellen: Bundesrechtsanwaltskammer, Institut für freie Berufe

Der Oberarzt:

Junge Karriere: Halbgott in Weiß mit einer Jacht vor Mallorca und einer Jahreskarte im Golfclub ­ wird man in Ihrem Beruf tatsächlich reich?
Steffen Kohler:
Na ja, wenn man die ersten Jahre erst mal hinter sich hat, verdient man vergleichsweise gut. Aber reich? In einer kommunalen Klinik würde ich als Oberarzt nach BAT 50.000 bis 60.000 Euro verdienen. Hier bei Helios werde ich besser und leistungsgerechter bezahlt. Dafür habe ich aber auch andere Pflichten im Vertrag stehen. Forschungsarbeiten und Vorträge werden zum Beispiel vorausgesetzt, Überstunden nicht extra bezahlt. Ich bekomme ein Festgehalt plus zehn bis 15 Prozent Bonus, der an gewisse Aufgaben geknüpft ist, zum Beispiel die Einführung einer neuen Kliniksoftware.

Sie sprachen die ersten Berufsjahre an. Da sieht es nicht so rosig aus?
Als ich 1990 als Assistenzarzt angefangen habe, gab es 50.000 Mark brutto im Jahr. Da muss man den Gürtel schon eng schnallen. Später ist das auf 60.000 bis 70.000 Mark gestiegen. Besser, aber angesichts der Dienstzeiten auch wenig.

Von den Arbeitszeiten für Klinikärzte hört man nichts Gutes. Wie sehen denn Ihre Zeiten aus?
Mein Wecker klingelt um zehn nach fünf. Um 6.45 Uhr fängt mein Dienst an. Vier bis sechs Stunden verbringe ich täglich mit Operieren, oft auch mehr. Insgesamt komme ich auf zehn Stunden aufwärts. Ein langer Tag, nur eben nach vorne verschoben. Das hat den Vorteil, dass ich um 18 Uhr immer noch was erledigen kann und Zeit für die Kinder habe.

Keine 30-Stunden-Schichten oder Wochenenddienst?
Zweimal die Woche habe ich nachts Rufbereitschaft, muss also erreichbar sein. Und an einem Wochenende pro Monat. Die Orthopädie hat den Vorteil, dass sie gut planbar ist. Es gibt selten die typischen Notfallpatienten. Nach den Problemfällen muss ich aber natürlich auch am Wochenende schauen.

Und seit vier Jahren bin ich Oberarzt. Damit hören in den meisten Kliniken die schlimmen Zeiten mit den langen Präsenzschichten auf. Diese Dienste sind sehr belastend und meistens schlecht bezahlt.

Ein langes Studium, eine harte Zeit an der Klinik, bis man die nötige Praxis und die Diplome hat. Kann man so was überhaupt weiterempfehlen?
Die Anfangszeit muss man einfach als Investition in die Zukunft sehen. Wer Facharzt werden will, muss in den ersten Jahren leider die Zähne zusammenbeißen. Später wird es besser, wenn man wie bei uns ein gutes Betriebsklima erwischt. Und bei mir in der operativen Orthopädie sieht man schnell die Erfolge beim Patienten. So was macht Spaß. Das macht den Beruf schön.

Dr. Steffen Kohler, 39, ist Oberarzt für Orthopädie in der Helios-Klinik in Bleicherode. Verheiratet, zwei Söhne: 60 Stunden/Woche + Rufbereitschaft/Wochenddienst mehr als 60.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Eine Durststrecke steht am Anfang jeder Weißkittel- Karriere: Als Arzt im Praktikum (AiP) gibt es bestenfalls 1.500 Euro brutto im Monat. Laut Kienbaum starten Assistenzärzte mit 35.000 Euro im Jahr, Chefärzte verdienen 200.000 bis 250.000 Euro im Jahr. Per Gesetz 38,5-Stunden-Woche. 8,5 Überstunden sind laut Marburger Bund der Wochenschnitt, plus (Ruf-) Bereitschaftsdienste. 30-Stunden-Non-Stop-Schichten sind bei Jung-Ärzten üblich. Aktuelle Urteile zwingen Kliniken aber zu Verbesserungen. Auch AiP soll abgeschafft werden. Knapp die Hälfte der 300.000 Ärzte sind niedergelassen. Sie erarbeiten mit ihrer Praxis im Schnitt 77.000 Euro vor Steuern.

Der Schauspieler:

Junge Karriere: Und, wie ist Ihr letztes Engagement gelaufen?
Markus Angenvorth:
Super. Ich habe drei Monate in Aachen gespielt: Die Rollen des Pagen und des Offiziers in Don Carlos. Wir hatten in fünf Wochen rund 40 Vorstellungen, fast alle waren ausverkauft.

Wie sieht der normale Arbeitstag eines Schauspielers aus?
Einen klassischen Alltag ­ um neun Uhr zum Job und um 17 Uhr fertig ­ habe ich nicht. Während der Proben für ein neues Stück arbeite ich an die 50 Stunden in der Woche, meist tagsüber. Geprobt wird zwischen drei und sechs Wochen lang. Wenn die Vorstellungen losgehen, verlasse ich nachmittags meine Wohnung und bin erst gegen ein Uhr nachts zurück ­ und das jeden Abend, auch am Wochenende.

Und das Privatleben?
Kommt in den Zeiten, wenn ich spiele, ganz klar zu kurz. Freunde treffen, die nicht Schauspieler sind, ist nur während der Probenzeiten möglich oder zwischen zwei Engagements.

Was verdient man so beim Theater?
Nicht besonders viel, gerade wenn man wie ich noch relativ am Anfang seiner Karriere steht. In der Regel verdiene ich bei Theater-Engagements rund 1.400 Euro im Monat.

Ganz schön brotlose Kunst ...
Stimmt, aber es war nie mein Ziel, ein TV- oder Serienstar zu werden und viel Geld zu verdienen. Die Bühne ist einfach meine ganz große Leidenschaft. Es fühlt sich unbeschreiblich gut an, wenn der Applaus losgeht. Eine Festanstellung an einem Theater, die möchte ich in den nächsten Monaten allerdings schon erreichen. Bis dahin halte ich mich mit Zeitverträgen für einzelne Theaterstücke und Jobs bei TV-Produktionen über Wasser. Die zahlen nämlich gut. Hatte beispielsweise mal einen Auftritt beim RTL Morgenmagazin als Nikolaus. Da gab es für einen Vormittag rund 300 Euro.

Markus Angenvorth, 34, freier Schauspieler. Zuletzt am Grenzlandtheater in Aachen: 40-50 Stunden/Woche 17.000 Euro

Und so sieht's generell aus:

Einstiegsgehalt beim Theater: 1.280 Euro im Monat Mindestgage, der Rest ist Verhandlungssache. Nach fünf Jahren im Job verdient man je nach Theatergröße und Rolle zwischen 1.600 und 2.500 Euro im Monat. Bekannte Schauspieler an Großstadtbühnen bringen es auf Spitzengagen von 5.000 bis 8.000 Euro pro Monat.

Quelle: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger TV- und Film-Produktionen zahlen wesentlich besser. Als Seriendarsteller gibt es beispielsweise je nach Bekanntheitsgrad pro Tag zwischen 500 und 5.000 Euro. Arbeitszeiten: Zwischen 40 und 50 Stunden pro Woche; beim Theater meist abends und am Wochenende.

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