Arbeitgeberwechsel Vollgas für die Karriere

Der Wechsel des Arbeitgebers bringt mehr Geld, Verantwortung – und Balance. Firmen locken mit Vereinbarkeit von Familie und Job. Überstürzte Wechsel bergen jedoch Gefahren.

Mathias Peer | , aktualisiert

Vollgas für die Karriere

Vollgas für die Karriere 1

Foto: R.Bitzer Photography/Fotolia.com

Mehr Ruhe in der Freizeit – damit lockt der Automobilhersteller Daimler neue Führungskräfte. Nach der Arbeit sollen sie das Firmenhandy ohne schlechtes Gewissen abschalten können. Auch im Urlaub will das Unternehmen niemanden dazu zwingen, regelmäßig das elektronische Postfach zu überprüfen: Auf Wunsch werden Mails bei Abwesenheit sogar automatisch gelöscht.

"Es besteht keine Erwartungshaltung, immer erreichbar zu sein", heißt es in neuen Leitlinien, die der Konzern gerade präsentiert hat. Darin wird generell eine bessere Balance zwischen Beruf und Privatleben festgeschrieben.

Mit entsprechenden Maßnahmen will Daimler nicht nur seine Manager entlasten. Für den Stuttgarter Konzern ist das Thema auch wichtig, um im Wettbewerb um hochqualifiziertes Personal zu punkten. Hier sieht sich das Unternehmen mit steigenden Ansprüchen der Fach- und Führungskräfte konfrontiert. "Immer mehr Beschäftigte wollen sich beruflich verwirklichen und sich gleichzeitig um die Betreuung der Kinder oder die Pflege ihrer Angehörigen kümmern", sagt Personalvorstand Wilfried Porth.

Buhlen um Hochqualifizierte

Aber nicht nur der Automobilkonzern muss seine Arbeitsbedingungen überarbeiten, um Fach- und Führungskräfte anzulocken. Zwar hat ein Großteil der Unternehmen mit der nachlassenden Konjunktur und den Folgen der Euro-Krise zu kämpfen. Gleichzeitig aber ächzt die Wirtschaft unter einem Personalmangel gerade bei den Hochqualifizierten.

Besonders gefragt sind Ingenieure, Naturwissenschaftler und Informatiker. Aber auch um Spezialisten für das Kosten- und Restrukturierungsmanagement sowie für den Vertrieb herrscht ein harter Wettbewerb.

Das beflügelt die Karriereaussichten wechselwilliger Topkandidaten – selbst in wirtschaftlich turbulenten Zeiten.

Neue Herausforderungen

"Krisen führen stets zu grundlegend neuen personellen Aufstellungen und eröffnen Chancen zur Karriereentwicklung", sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum. "Insofern sind sie auch Väter von Karrieresprüngen."

Neue Herausforderungen anzunehmen, lohnt sich für Kandidaten vor allem finanziell. Um Spezialisten anzuwerben, würden sich Unternehmen zunehmend gegenseitig überbieten, sagt Attilio Berni. Der Geschäftsführer des Dienstleisters Experis, der sich auf die Vermittlung von hochqualifiziertem Personal spezialisiert hat, nennt als Beispiel IT-Experten: "Sie können sich vor Anfragen kaum retten", sagt er.

Dass der Jobwechsel auch außerhalb des Topmanagements ein gutes Mittel für Gehaltssprünge ist, hat Bernis Unternehmen in einer repräsentativen Studie herausgefunden: Darin gaben 56 Prozent der Befragten an, nach dem Wechsel mehr verdient zu haben als zuvor.

Eine materielle Verbesserung ist auch beim Aufstieg innerhalb der Firma möglich. Wer jedoch den Arbeitgeber wechselt und dabei aufsteigt, kann auf einen stärkeren Zuwachs hoffen, sagt Richard Fudickar. Er ist Partner der auf Führungskräfte spezialisierten Personalberatung Boyden.

Es gelinge Managern in der Regel, durch den Wechsel des Arbeitgebers eine Hierarchiestufe nach oben zu klettern und mehr Budget- und Personalverantwortung zu erhalten.

Bequemlichkeit als Karrierekiller

"So erhöht man insgesamt seinen Marktwert", sagt Tiemo Kracht. Er empfiehlt Führungskräften einen Unternehmenswechsel vor allem dann, wenn sie sich bei ihrer aktuellen Arbeit kaum noch weiterentwickeln können und Routine droht. "Das bedeutet auch abzustumpfen", sagt Kracht. Er warnt:"Bequemlichkeit ist ein Karrierekiller."

Bei der Suche nach der nächsten Karrierestation ist aus seiner Sicht Flexibilität gefragt: Die größten Chancen sieht er für international ausgelegte Karrierepläne und Manager, die beispielsweise bei der Erschließung neuer Wachstumsmärkte Verantwortung übernehmen. "Die Devise heißt: Raus und dort hingehen, wo Rauch ist!"

Bereuen des Jobwechsels

Freilich sollte das Geld allein nicht den Ausschlag für den Jobwechsel geben. Eine Studie der Personalberatung Harvey Nash zeigt, dass viele Führungskräfte ihre Entscheidung bereits nach kurzer Zeit bereuen: 39 Prozent waren demnach von ihrem Neuanfang dermaßen enttäuscht, dass sie bereits innerhalb der ersten 90 Tage mit dem Gedanken spielten, den neuen Arbeitgeber wieder zu verlassen.

Die Gründe für solche Fehlschläge sind vielfältig und liegen meist an einer mangelhaften Vorbereitung des Firmenwechsels. Problematisch ist, wenn sich erst im Nachhinein herausstellt, dass die Unternehmenskultur nicht passt, der Arbeitsstil des Vorgesetzten nicht behagt, Verantwortlichkeiten nicht ausreichend klar geregelt sind oder Entwicklungsmöglichkeiten deutlich schlechter ausfallen als erhofft.

"Ein Kardinalfehler ist, sich von hohen Gehältern blenden zu lassen", sagt Thomas Kienle, geschäftsführender Gesellschafter der Beratungsfirma Labbé & Cie. Statt primär auf finanzielle Aspekte zu achten, sollten Wechselwillige einen potenziellen Arbeitgeber daraufhin prüfen, ob er die richtigen Rahmenbedingungen dafür bietet, sich bestmöglich in das Unternehmen einzubringen. Das sei für die persönliche Zufriedenheit meist wichtiger als die Höhe des Gehalts. "Vom Geld allein ist meines Wissens noch niemand längerfristig glücklich geworden", sagt Kienle.

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