Arbeitgeberranking Marken machen Mitarbeiter

Ob Sportwagen, Möbel oder Markenklamotten: Produkte machen Unternehmen für junge Berufstätige attraktiv. Eine exklusive Rangliste zeigt die beliebtesten Arbeitgeber.

Kristin Schmidt, wiwo.de | , aktualisiert

Marken machen Mitarbeiter

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Gelebte Tradition schafft Markenidentität

Foto: Ikea

Wie viele Stunden sie schon auf ihrem Bürostuhl gesessen hat, kann Cornelia Obitz nicht ansatzweise schätzen. Zu lange schon begleiten der hellblaue Drehstuhl vom schwedischen Möbelhaus Ikea und der dazugehörige Schreibtisch aus Kiefernholz die heute 29-Jährige.

In ihrer Zeit am Gymnasium hat sie daran mathematische Gleichungen gelöst, später Bewerbungen für den ersten Job geschrieben, heute stapeln sich dort die Unterlagen für ihr berufsbegleitendes Studium an der Leuphana Universität Lüneburg.

Und auch die weißen Klappstühle, die in ihrer Küche in der Ecke stehen, haben schon ihre Eltern Gästen als Sitzplätze angeboten.

Dem Kult verhaftet

Ikea hat bei Familie Obitz Tradition. Und Tochter Cornelia führt diese fort: Ob Kleiderschrank, Küchentisch oder ein Sofa aus der Reihe Ektorp – die Produkte der Schweden finden sich überall in Obitz' Zwei-Zimmer-Wohnung.

"Ikea ist einfach Kult", sagt sie. Umso mehr freut es die Betriebswirtin, dass sie seit Januar nicht nur Kundin, sondern auch Mitarbeiterin von Ikea ist.

Image und Identifikation

Ob mit Papa das Billy-Regal fürs Kinderzimmer aufbauen, die Möbel für die Studentenbude aussuchen oder Accessoires für die erste Eigentumswohnung: Wer in Deutschland aufgewachsen ist und den 40. Geburtstag noch vor sich hat, ist mit Ikea groß geworden. Und identifiziert sich mit den unkomplizierten Produkten sowie dem lässigen Image des Unternehmens wie keine Generation zuvor.

"Diese Menschen verbinden viele Erinnerungen mit der Marke", sagt Alfred Quenzler, Professor für Personalmanagement an der Technischen Hochschule Ingolstadt. "Und schließen aus ihren Kundenerfahrungen auf einen attraktiven Arbeitsplatz."
 

Dieser gedankliche Transfer macht sich auch im aktuellen Arbeitgeberranking bemerkbar, das Universum Communications exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellt hat. Die Beratungsgesellschaft fragte mehr als 4700 Berufseinsteiger nach ihrem bevorzugten Arbeitgeber – das Ergebnis: Ikea landete bei den Ökonomen auf Rang neun.

Und gehört damit zu den Top-Arbeitgebern, die ihre Beliebtheit im Vergleich zum Vorjahr am deutlichsten steigern konnten.

Welchen Einfluss interessante Produkte auf die Arbeitgebermarke haben, bestätigt auch der Blick aufs Treppchen. AudiBMW und Porsche teilen im Land der Autoliebhaber die vorderen Plätze unter sich auf – und das seit Jahren.

Neues Design macht's möglich

Doch nicht nur die Autohersteller aus dem Premiumsegment konnten mit ihren schicken Karossen punkten. "Auch Opel profitiert von seinen neuen Produkten", sagt Stefan Lake, Deutschland-Geschäftsführer der Beratung Universum.

Obwohl die Traditionsmarke jahrelang als angestaubt galt und statt attraktiver Autos vor allem Hiobsbotschaften produzierte, landet der Autohersteller bei den Ingenieuren unter den Top 50 und ist damit der Aufsteiger des Jahres.

Hauptgrund für diese Renaissance, so Lake: "Das Design der neuen Modelle Adam und Mokka bricht mit dem langweiligen Bild, das viele Junge von Opel haben."

Jagd auf die Young Professionals

Ein wichtiger Schritt, denn junge Berufstätige sind gefragt. BWL-Professor Quenzler spricht von einer regelrechten Jagd auf Akademiker mit drei bis sechs Jahren Berufserfahrung. "Bachelor-Absolventen sind noch zu jung und unerfahren", sagt der 49-Jährige. "Die Unternehmen wollen nicht noch erzieherisch tätig werden."

Die gewünschte Zielgruppe ins Unternehmen zu locken dürfte nicht allzu schwierig sein.

Denn vollkommen zufrieden mit ihrem derzeitigen Job sind nur 38 Prozent der jungen Berufstätigen unter 35. Das hat eine aktuelle Umfrage der Jobbörse Monster ergeben. 14 Prozent der Befragten mögen ihren Job nicht. 46 Prozent finden ihn gerade mal in Ordnung.

Um die Berufseinsteiger zu locken, müssen die Unternehmen laut Arbeitgeberranking neben ansprechenden Produkten auch finanzielle Stärke zeigen. In Zeiten unkalkulierbarer Finanzmärkte, Euro-Krise und Stellenabbau vielerorts ist die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens den jungen Berufstätigen wichtiger geworden.

36 Prozent halten dieses Kriterium für zentral – ein Plus von einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr.

Diese Anforderung kann Ikea erfüllen. Der Möbelkonzern setzte im vergangenen Geschäftsjahr knapp vier Milliarden Euro alleine in Deutschland um und damit knapp drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im nächsten Jahr kommen neue Märkte in Lübeck und Hamburg-Altona dazu. Mit dann 48 Filialen ist der schwedische Möbelgigant nirgends so prägnant vertreten wie in Deutschland.

Wert der Nachhaltigkeit

Doch Ikea-Mitarbeiterin Cornelia Obitz interessiert nicht nur der zahlengetriebene Erfolg ihres Arbeitgebers. Wie etwa ein Fünftel ihrer Altersgenossen legt sie Wert auf umweltfreundliches Wirtschaften. Diesen Wunsch kann sie in ihrem Job ausleben.

Die gebürtige Ludwigshafenerin macht Kunden energie- und wassersparende Produkte aus dem Ikea-Sortiment schmackhaft, entwickelt beispielsweise mit der Kommunikationsabteilung Werbeaktionen für Induktionsherde oder LED-Lampen.

Angenehme Unternehmenskultur

Aber auch die Unternehmenskultur hat sie überzeugt. Schon im Vorstellungsgespräch wurde ihr das Du angeboten, Ikea gewährt ihr eine Vier-Tage-Woche, damit sie nebenbei ihren MBA in Nachhaltigkeit absolvieren kann.

Und sie muss sich "nicht in ein Kostümchen zwängen", wie sie sagt.

Das kommt dieser Generation gelegen. „Sie wollen sich vor allem wohlfühlen“, sagt Professor Quenzler. Dazu brauchen sie Anerkennung von ihren Vorgesetzten, flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten. Für den Großteil ist eine ausgewogene Mischung aus Arbeit und Freizeit immer noch das Karriereziel Nummer eins.

Ein Grund, warum die großen Unternehmensberatungen in diesem Jahr weiter abstürzen – allen voran die Boston Consulting Group, die bei den Wirtschaftswissenschaftlern gleich 18 Plätze verliert und sich auf einem enttäuschenden 30. Rang wiederfindet.

Auch McKinsey schafft es nicht unter die ersten zehn. "Die Arbeitskultur der großen Beratungen passt nicht mehr zum Zeitgeist", sagt Quenzler.

Nur wenige wollten noch die gesamte Woche im Hotel übernachten und von einer Großstadt in die nächste reisen, selbst wenn ein überdurchschnittliches Gehalt entschädigt.

Faszinierende Jobinhalte

Auch Mathias Schülke ist Geld nicht so wichtig. Der Diplom-Maschinenbauer arbeitet am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald, wird nach öffentlichem Tarifvertrag bezahlt. Dass seine ehemaligen Kommilitonen bei den großen Autobauern mehr verdienen, steht für Schülke fest. "Meinen Job finde ich aber spannender."

Denn er tüftelt an der Energie der Zukunft. Der 27-Jährige ist einer von 465 Mitarbeitern, die im Ostseestädtchen zu Forschungszwecken an einer Fusionsanlage bauen.

Dabei ist er die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Technik: auf der einen Seite die Physiker, die Schülke ihre Idealvorstellung präsentieren und Werte aufs Tausendstel genau messen wollen. Auf der anderen Seite das, was technisch möglich ist. "Ich muss den Physikern dann erklären, dass die Ergebnisse nur auf ein Zehntel genau sein werden", sagt Schülke.

Pionierarbeit hat Mehrwert

Gerade hat er mit seinen Kollegen eine hitzebeständige Röntgenkamera entwickelt, die filmt, was sich im Inneren der Anlage abspielt, sobald die Forscher Einstellungen an der riesigen Maschine verändern. Er ist dabei, wenn Kollegen neue Messgeräte per Computersimulation entwerfen, unterstützt sie bei der Montage der Technik, behält permanent die Vorgaben der Physiker im Auge.

Dass die Aufgaben am Max-Planck-Institut abwechslungsreich sind, hat er schon als Werkstudent festgestellt. Direkt nach dem Studium heuerte er in Greifswald an.

Ein Weg, um den ihn viele junge Ingenieure beneiden. Beim Arbeitgeberranking landete die Dachorganisation der 82 Forschungseinrichtungen – die Max-Planck-Gesellschaft – auf Rang 14. Bei Naturwissenschaftlern hält sich die Institution schon jahrelang ganz vorne. "Jetzt haben auch die Ingenieure entdeckt, dass sie dort Pionierarbeit leisten können", sagt Lake.

Einen weiteren Vorteil sieht Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, im Markennamen. "Er steht national wie international für ausgezeichnete Forschung." Vor allem für junge Ingenieure wichtig: Fast jeder Dritte legt Wert auf gute Referenzen für seine Karriere – egal, ob im In- oder Ausland.

Diese internationale Strahlkraft geht auch vom französischen Konsumgüterkonzern L'Oréal aus. Das Unternehmen konnte 2013 viele Ökonomen von sich überzeugen, verbesserte sich um elf Plätze auf Rang 17.

Jedes Jahr rekrutieren die Franzosen allein in Deutschland 100 Führungskräfte. Etwa 40 Prozent der Neueingestellten haben schon als Praktikanten bei L’Oréal Geld verdient.

Rundum-Versorgung garantiert Beständigkeit

Doch mit dem Sprung in die Festanstellung ist noch nicht Schluss. Das Unternehmen entwickelt seine Mitarbeiter gezielt weiter. Bestes Beispiel: Drei der vier Manager, die heute die Konzernbereiche leiten, haben ihre Karrieren bei L'Oréal als Praktikanten begonnen.

Elf Jahre bleiben Arbeitnehmer durchschnittlich im Konzern, machen häufig Station im Ausland. Momentan sind 160 deutsche L'Oréal-Mitarbeiter außerhalb der Bundesrepublik tätig. Von China über Kasachstan bis in die USA.

Geht ein Angestellter ins Ausland, muss er die Landessprache lernen. "Nur so kann er die Kultur und die Konsumenten vor Ort verstehen", sagt Nicolas Pauthier, Personaldirektor von L'Oréal Deutschland.

Ausland als Option

Eine Herausforderung, die auch auf Cornelia Obitz zukommen könnte. Die Ikea-Mitarbeiterin kann sich gut vorstellen, einige Zeit im Ausland zu arbeiten.

Auswahl hat sie bei ihrem Arbeitgeber reichlich – mehr als 300 Standorte in 26 Ländern. Egal, wohin es gehen wird – ihren hellblauen Drehstuhl wird sie vermutlich mitnehmen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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