Arbeiten in Süddeutschland Bayern: Berge, Seen - und viele Jobs

Nicht nur die traumhafte Natur und das Münchener Nachtleben locken Berufseinsteiger nach Bayern. Große Unternehmen und ein starker Mittelstand bieten jungen Menschen rosige Job-Aussichten.

Julia Groth | , aktualisiert

Florian Lindstaedt ist eigentlich ein Nordlicht. Nach dem Elektrotechnik-Studium in Hamburg kam für den 27-Jährigen trotzdem nur eine Richtung in Frage: Süden. "Ich habe mich im Studium auf Halbleiter spezialisiert, und in dieser Branche gibt es in Deutschland relativ wenige Unternehmen", sagt er. "Infineon in Bayern ist eins der größten und hat mich sofort eingestellt." Den Umzug ins Land des Weißbiers und der Brezen hat Lindstaedt nicht bereut. Im Rahmen eines Trainee-Programms hat er bisher Regensburg und München kennengelernt, mit kurzem Zwischenspiel in Singapur. Ab Ende des Jahres wird er voraussichtlich fest in der Technik-Entwicklung von Infineon in Regensburg arbeiten. "Die Halbleiter-Branche hat Zukunft", sagt er zuversichtlich, "und Bayern hat den Ruf, eine starke Wirtschaft zu haben."

So wie Lindstaedt zieht es viele Berufseinsteiger nach Bayern, denn die Chancen auf einen Job stehen hier besonders gut. Die Metall- und Elektroindustrie, die Medien- und die Tourismusbranche boomen. Die Arbeitslosenquote lag im vergangenen Monat bei 4,8 Prozent - damit hat Bayern nach Baden-Württemberg deutschlandweit die wenigsten Menschen ohne Job. Große und kleine High-Tech-Unternehmen sorgen dafür, Bayerns Status als international geschätzten Technologie- und Wirtschaftsstandort auszubauen. Als Bonus hat das Bundesland Berge, Seen und Wälder zu bieten, die jedes Jahr hunderttausende Touristen anlocken. Wer hier einen Job findet, arbeitet dort, wo andere Urlaub machen.

Dabei sind die Zeiten der Traditionspflege in Bayerns Unternehmen längst vorbei. "Prägend für Bayerns Wirtschaft ist die Internationalität", betont Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW). "Rund tausend ausländische Firmen, vor allem aus dem High-Tech-Bereich, haben sich hier angesiedelt." Die hohe Konzentration an Unternehmen hat dazu geführt, dass Fachkräfte in vielen Bereichen fehlen. Vor allem in der Metall- und Elektroindustrie herrscht ein Mangel: Jedes zweite Unternehmen aus diesen Branchen sucht Spezialisten, vor allem Ingenieure sind gefragt.

Auch für Unternehmensgründer ist Bayern ein gutes Pflaster. Michael Schuster, Geschäftsführer der Enertex Bayern GmbH im oberfränkischen Forchheim, ist ein klassisches Beispiel dafür. Im Jahr 2001 gründete der damals Dreißigjährige, der gerade an der Universität Erlangen-Nürnberg in elektrischer Energieversorgung promoviert hatte, sein Unternehmen. Das Land förderte den Jung-Unternehmer im Rahmen der "High-Tech-Offensive Bayern", und Schuster widmet sich seither erfolgreich der Simulation elektrischer Systeme. "Das Geschäft läuft gut", berichtet er. "Wir expandieren kontinuierlich." Sieben Mitarbeiter beschäftigt er mittlerweile, Tendenz weiter steigend.

Wenn er aus dem Fenster blickt, sieht Schuster Wiesen, einen kleinen Fluss, einen selbstgepflanzten Nussbaum und etwas entfernt den Berg Walberla, zu dem er und seine Mitarbeiter ihre Betriebsausflüge machen. Trotz der idyllischen Postkarten-Landschaft ist der Standort in Forchheim ein Vorteil für das Unternehmen: "Die Kunden sind direkt vor unserer Tür", sagt Schuster. Die Medizintechnik-Sparte der Siemens AG sitzt ebenfalls in der Stadt und ist für Schuster eine wertvolle Forschungspartnerin. Auch viele andere Unternehmen aus den Bereichen Logistik und High-Tech haben sich angesiedelt, bis nach Nürnberg und Erlangen ist es nicht weit.

Die gute Infrastruktur in Bayern und die vielen großen Unternehmen, denen sie zuarbeiten können, machen das Bundesland für Mittelständler attraktiv. Ein riesiges Potenzial für Job-Suchende: Kleine und mittlere Unternehmen stellen etwa siebzig Prozent der Arbeitsplätze in Bayern. "Vor allem die IT-Branche ist sehr stark im Kommen", sagt Alexander Frinken, der bei der Hypovereinsbank mittelständische Unternehmer in Finanzfragen berät. Seinen Beobachtungen zufolge gibt es derzeit besonders viele Unternehmensgründungen in diesem Bereich. Denn die Auftragslage sei für viele Mittelständler im vergangenen Jahr nach einer zweijährigen Flaute wieder rosiger geworden.

Manche Branchen mussten aber auch im sonst so erfolgsverwöhnten Bayern in den vergangenen Jahren wirtschaftliche Tiefschläge wegstecken. So zum Beispiel in Nürnberg, wo Anfang des Jahres ein großes AEG-Werk geschlossen wurde, weil das Unternehmen künftig in Italien und Polen produziert. Ein herber Schlag für die industriell geprägte Region - die jetzt versucht, zum Ausgleich mehr Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor zu schaffen.

Für Versicherungskaufmann Markus Pohl, der bei der Nürnberger Versicherungsgruppe Auszubildende betreut und nebenher an der Universität Erlangen-Nürnberg BWL studiert, ist Nürnberg aber noch lange nicht verloren. "Nürnberg-Erlangen-Fürth ist eine Metropolregion", erklärt der 24-Jährige. "Es gibt viele Firmen und viele Möglichkeiten" - auch wenn ein großer Arbeitgeber dicht macht. Schließlich zählt die Gegend trotz allem zu den wirtschaftsstärksten in Deutschland. Pohl, der zuerst einen technischen Beruf ergreifen wollte, sieht in seiner jetzigen Arbeit eine Chance. "Versicherungen sind eine Branche mit Zukunft", ist er überzeugt.

Ob IT, Technik oder Dienstleistungen: Zukunft hat Bayern in jedem Fall. "Die Unternehmen und ihre Mitarbeiter haben sich in den vergangenen Jahren den Herausforderungen der Globalisierung gestellt", verspricht Standortlobbyist Brossardt. "Sie sind noch flexibler geworden, sei es in der Produktion, bei der Entwicklung neuer Technologien oder den Arbeitsbedingungen."
Und den größten Standortvorteil wird das weiß-blaue Bundesland auch bei zunehmender internationaler Konkurrenz nicht verlieren: Wenn endlich Feierabend ist, warten der Chiemsee, die Bayerischen Alpen und das legendäre Münchener Nachtleben. So viele Möglichkeiten wie in Bayern, sich von der Arbeit zu erholen, gibt es wohl nirgends sonst in Deutschland.

Bayerns Vorzüge:

Schnell im Schnee
Für Wintersportbegeisterte liegt Bayern ideal: In den Bayerischen Alpen fällt trotz Klimawandels im Winter genug Schnee, um ordentlich Ski und Snowboard zu fahren. Als erste Adresse für das Wintervergnügen hat sich die Gemeinde Berchtesgaden etabliert. Neben Skifahrern trainieren hier auch Rennrodler und Skeleton-Fahrer, die bäuchlings auf einem Renn-Bob liegen, der Spitzengeschwindigkeiten von über hundert Stundenkilometern erreicht. Die Studenten der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität München fahren zu ihren Ski-Kursen dagegen lieber nach Italien oder Südtirol. So bleibt im Berchtesgadener Land wenigstens mehr Platz für die vielen Touristen.

Bayern liegt am Meer 
Der Chiemsee - auch das bayerische Meer genannt - ist vermutlich der einzige deutsche See mit eigener Kleidungsmarke. Wer es sich hier im Sommer gut gehen lässt, trägt dennoch meist kein T-Shirt mit Chiemsee-Logo und gesticktem Schwimmer, sondern nur eine Badehose. Mit seinen etwa achtzig Quadratkilometern bietet Bayerns größter See Schwimmern, Seglern, Surfern und Ruderern genug Platz, um sich gegenseitig nicht ins Gehege zu kommen. Und Sandstrände gibt es auch. Kein Wunder also, dass es in Bayern an schönen Sommerwochenenden heißt: "Komm, wir fahren ans Meer!" Für Wasserscheue gibt es übrigens eine Alternative: In den nahe gelegenen Chiemgauer Alpen kann man klettern. Und auch die Kultur kommt nicht zu kurz. Jedes Jahr im August steigt am See das Festival "Chiemsee Reggae Summer".

IT-Sicherheit lernen
Bayern ist ein High-Tech-Land - und bietet entsprechend viele Ausbildungsgänge. So bietet das Zentrum für Weiterbildung der Universität Regensburg seit September dieses Jahres eine Fortbildung zum IT-Sicherheitsbeauftragten an. In Zusammenarbeit mit der Ulmer Akademie für Datenschutz und IT-Sicherheit will das Zentrum IT-Verantwortlichen den neuesten Stand der Datenschutztechnik nahe bringen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen könnten ihre elektronischen Daten oft nicht ausreichend schützen, weil sie finanziell und personell überfordert seien, heißt es bei der Universität Regensburg. Die Schulung dauert 16 Tage, verteilt auf ein Vierteljahr.

Umweltzentrum Bayern
Im ostbayerischen Straubing entsteht derzeit eine Biodieselanlage, ein Holzpelletwerk ist in Planung, ebenfalls in Straubing startet 2008 das vom Land mit 38 Millionen Euro finanzierte "Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe" - Bayern gibt sich alle Mühe, sich so grün wie möglich zu präsentieren. Vor allem Ostbayern entwickelt sich zu einem Zentrum für erneuerbare Energien: Viele Unternehmen der Branche haben sich in Regensburg und Straubing angesiedelt - zum Beispiel die Deutsche Bioenergie AG.

Die perfekte Welle
Mitten in der Stadt Wellenreiten, ohne erst alles einpacken und ans Meer fahren zu müssen _ ein unerfüllbarer Wunsch? Nicht in München! Auf dem Eisbach im Englischen Garten finden Münchener Surfer die perfekte Welle direkt vor der Haustür: Dank einer Steinstufe im Wasser rollt stets eine Welle von einem halben bis einem Meter Höhe durch den Bach. Inzwischen kommen sogar Surfer aus den Nachbarländern, um den Münchener Wasserlauf mit dem Board zu erkunden. Wen stört da, dass Baden und Surfen im Eisbach eigentlich verboten ist?

Manager fürs Theater
Auch Kulturschaffende fühlen sich in Bayern wohl. Im Januar 2008 startet an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München die deutschlandweit einzigartige Weiterbildung "Theater- und Musikmanagement". Theater-Profis und Studenten mit Praxiserfahrung sollen sich damit für Leitungspositionen qualifizieren. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem die Themen Finanzmanagement, Personalführung und Recht. Abschließend müssen die Teilnehmer eine Prüfung bestehen, nach der sie ein Doppeldiplom vom Institut für Theaterwissenschaft der LMU sowie der Bayerischen Theaterakademie August Everding bekommen.

Das Bier studieren
Wer Bier so sehr liebt, dass er sich ihm auch im Beruf widmen möchte, ist in München an der richtigen Adresse. Am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität (TU) München gibt es den Studiengang Brauwesen, an dessen Schluss der Titel Diplom-Braumeister steht. Diesen akademischen Grad kann man sonst nur noch an der TU Berlin erwerben. Die vor allem naturwissenschaftlich-technisch geschulten Absolventen haben hervorragende Berufsaussichten in der deutschen und internationalen Wirtschaft, heißt es beim Wirtschaftszentrum Weihenstephan.
618 Brauereien gibt es in Bayern, das ist fast die Hälfte aller Brauereien in Deutschland. Kein Wunder, denn die Bayern pflegen die Biergarten-Kultur besonders leidenschaftlich. Nach der Arbeit heißt es: Oans, zwoa, g'suffa!

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