Arbeiten im Ausland Klischees über Russland

Russen trinken Wodka en masse, die Mafia hat Moskau in der Hand und es wird nie wärmer als zehn Grad. Es gibt so einige Klischees, die man mit Russland verbindet. Junge Karriere zeigt, welche Vorurteile begründet sind und welche sich längst in Luft aufgelöst haben.

Florian Willershausen | , aktualisiert

Armut
Russland ist kein armes Land mehr. Mitarbeiter großer Unternehmen verdienen oft so viel wie in Westeuropa. Auf den Dörfern hingegen müssen Rentner und Landwirte aber mit weniger als 200 Euro auskommen. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind sehr groß.

Bürokratie
Ein Thema, das allen Ausländern die Nerven raubt. Wer in Russland lebt, muss mit der Zettelwirtschaft klarkommen - beim Visumsantrag, bei der Anmeldung eines Autos, bei der Steuererklärung. Putin und Medwedjew wollen das ändern. Zu spüren ist davon noch nichts.

Demokratie
Russland ist keine Demokratie, mit dem autoritär regierten Nachbarn China lässt sich das Land aber auch nicht vergleichen. Die Bürger fühlen sich frei und haben sich damit abgefunden, dass der Staat den politischen Prozess kontrolliert. Die meisten Ausländer ebenfalls.

Eiseskälte
In Zentralrussland herrscht kontinentales Klima, mit kalten Wintern und heißen Sommern. In Moskau ist es im Januar selten kälter als Minus 20 Grad, im August spürt man bei 35 Grad im Schatten, wie groß das Smog-Problem der Metropole ist. Mehr als zehn Millionen Menschen leben hier.

Gastfreundschaft
Wenn die sonst meist grimmig dreinblickenden Russen zu sich nach Hause einladen, kommt die russische Seele zum Vorschein. Dann werden der Tisch gedeckt, Lieder gesungen, in Form von Trinksprüchen Nettigkeiten ausgetauscht. Auch Ausländern gegenüber sind die meisten Russen offen - insbesondere, wenn sie aus Deutschland kommen.

Korruption
Das größte Leck im System. Russland gilt nach wie vor als eines der korruptesten Länder der Welt. Schon im Zarenreich und zu Sowjetzeiten war es üblich, Verwaltungsleuten Gefälligkeiten zu erweisen. Bis heute gehört Korruption zum Alltag. Ausländische Geschäftsleute sollten sich nicht an Schmierereien beteiligen. Wer einmal zahlt, ist immer bestechlich.

Oligarchen
Sie waren in den wilden Neunzigerjahren unter Jelzin übermächtig und haben aktiv Politik gemacht. Putin hat den Einfluss der Oligarchen zurückgedrängt. Diejenigen mit politischen Ambitionen gingen ins Exil (Beresowski) oder ins Gefängnis (Chodorkowski). Übrig geblieben sind lammfromme Multimilliardäre wie Oleg Deripaska, die nach der Pfeife des Kremls tanzen.

Mafia
Es gibt keine Mafia-Banden, die Moskau kontrollieren. Die Stadt ist nicht krimineller als andere europäische Großstädte. Jeder kann sich abends alleine auf die Straße trauen, und Ausländer leben in Russland sicher. Trotzdem gibt es immer wieder Auftragsmorde an russischen Geschäftsleuten (Andrej Koslow) und Journalisten (Anna Politkowskaja).

Pressefreiheit
Russlands TV-Sender sind nicht frei. Sie werden staatlich gelenkt und gezielt zur positiven Darstellung der Machthaber instrumentalisiert. Bei Zeitungen und Zeitschriften trauen sich viele Redakteure, den Staat zu kritisieren. Doch auch ihnen sind Grenzen gesetzt: Als eine Boulevardzeitschrift über eine angebliche Affäre des Präsidenten berichtete, wurde sie wenig später eingestellt.

Reichtum
Moskau gilt als die teuerste Stadt der Welt - und das hat sie ihren vielen Millionären zu verdanken, die die Preise hochtreiben. Es gibt Restaurants, die 15 Euro für einen Espresso verlangen. Ein halbwegs komfortables Hotelzimmer ist normalerweise nicht unter 300 Euro zu kriegen. Die Mieten sind etwa doppelt so hoch wie in Frankfurt oder München.

Sauna
Die Kür für alle Besucher. Die russische Sauna nennt sich "Banja" und hat eine wesentlich höhere Luftfeuchtigkeit als vergleichbare deutsche Einrichtungen. Nach dem dritten Gang peitschen sich die Schwitzenden mit eingeweichten Zweigen aus, was die Durchblutung anregt. Ein Stück russische Lebenskultur, auf das man nicht verzichten sollte.

Trinkfestigkeit
Alkohol ist Russlands Todesursache Nummer eins. Wer mit Verstand trinken will, isst nach jedem Schluck ein Stück Schaschlik oder spült mit Orangensaft nach (niemals mit Bier). Auf diese Weise kann man Wodka trinken, ohne betrunken zu werden. Und wer nicht trinken möchte, nippt nur - oder verweist darauf, Auto fahren zu müssen. Das hilft.

Verkehrschaos
Nach wie vor eine Schwachstelle in allen Großstädten. Wer mit dem Auto in der Hauptverkehrszeit über den dritten Innenstadtring fährt, braucht für sieben Kilometer oft länger als eine Stunde. Grund: Die Russen sind undisziplinierte Fahrer. Wenn vier Spuren verstopft sind, machen sie eigenmächtig die Spuren fünf bis sieben auf. Und dann stehen alle.

Wachstum
Russlands Wirtschaft wächst zurzeit rasant. Jedes Jahr legt das Bruttoinlandsprodukt um sechs bis acht Prozent zu. Solange der Ölpreis hoch bleibt (und daran zweifelt gegenwärtig kaum jemand), wird sich dieses Wachstum fortsetzen. Die Kehrseite: Der Aufschwung macht die Menschen bequem - und verhindert zuweilen dringend nötige politische und wirtschaftliche Reformen.

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