Arbeiten im Ausland Expatriates: So wird die Rückkehr zum Erfolg

Karrierefalle Auslandseinsatz: Die Rückkehr in die Heimat ist für viele Expatriates häufig alles andere als ein Triumphzug. Professionelle Unterstützung finden sie kaum. Dazu: Acht Tipps, damit der Auslandsaufenthalt zum Erfolg wird.

Petra Blum | , aktualisiert

„Eigentlich wollte ich nicht nach Russland", sagt Verena Stehle (Name von der Redaktion geändert) heute. Aber ihr Arbeitgeber, ein großes deutsches Unternehmen mit mehr als fünf Milliarden Jahresumsatz, schickte sie nach Moskau - zuerst für ein paar Wochen. Doch aus der baldigen Rückkehr wurde nichts: Zweieinhalb Jahre blieb die 30-Jährige in der russischen Metropole, übernahm die Leitung der Personalabteilung und baute das Filialnetz auf. „Wir haben die Zahl der Mitarbeiter insgesamt von 400 auf 2000 erhöht“, sagt sie, nicht ohne Stolz.

Die Enttäuschung hätte kaum größer sein können

Die Enttäuschung, als sie zurück nach Deutschland kam, hätte kaum größer sein können: Führungsaufgabe? Fehlanzeige! Statt Anerkennung für ihre Leistung bekam Verena Stehle wieder die gleiche Position, die sie auch schon vor ihrem Russlandeinsatz hatte - eine Stelle als Referentin. So wie Verena Stehle geht es vielen Heimkehrern, die im Ausland Führungsverantwortung hatten. Rund ein Drittel von ihnen wechselt den Job bereits innerhalb eines Jahres nach der Rückkehr.

Das ergab eine Befragungder Beratungsgesellschaft Deloitte unter 200 Unternehmen. Experten schätzen, dass innerhalb von zwei Jahren sogar mehr als 60 Prozent der Expats den Arbeitgeber wechseln. Immer mehr Firmen erkennen zwar das Problem, doch nur wenige haben es bisher angepackt. So gibt mehr als die Hälfte der von Deloitte befragten Firmen an, ihren Umgang mit den Mitarbeitern im Ausland überprüfen zuwollen, gut ein Drittel hält das eigene Management selbst nicht für effizient. Nur magere vier Prozent glauben, dass ihr Verfahren mit Auslandseinsätzen den Anforderungen der nächsten Jahre gewachsen ist.

Dabei sind die Gründe für den Jobwechsel der Heimkehrer fast immer identisch: 77 Prozent geben zu Protokoll, mit dem Job, den sie nach der Rückkehr in ihrem Unternehmen bekommen haben, unzufrieden zu sein. 29 Prozent kommen mit dem Statusverlust nach der Rückkehr nicht zu recht. Mehr als die Hälfte beklagt, dass sie das im Ausland erworbene Wissen auf der neuen Position gar nicht einbringen können.

"Warum haben die mich ins Ausland geschickt?"

Patrick Schild, Partner bei der Personalberatung Ray & Berndtson, war selbst viele Jahre Expatriate und weiß um die Problematik: „Oft wird einem der Auslandsaufenthalt so verkauft: Das ist gut für Ihren Lebenslauf, gehen Sie mal ins Ausland. Wenn man dann nach der Rückkehr merkt, dass man das Wissen, das man dort erworben hat, zu Hause gar nicht braucht, fragt man sich schon, warum haben die mich ins Ausland geschickt?

Dann gilt es, aufkommenden Frust zu managen.“ Über eben diesen Frust zu berichten, trauen sich dagegen nur wenige Expats. Keiner will seinen Namen in der Zeitung lesen - zu groß ist die Angst, der eigenen Karriere zu schaden.

Auch Verena Stehle ist nach ihrer Rückkehr tief enttäuscht. „Die Erfahrungen, die ich in Russland als Abteilungsleiterin gesammelt habe, interessieren hier keinen. Ich werde nicht ernst genommen“, sagt sie. Zur Frustration mit der Anschlussposition mischen sich weitere Probleme im Arbeitsalltag. Viele Abläufe haben sich in der Zwischenzeit verändert. „Ich habe Stunden gebraucht, nur um den richtigen Ansprechpartner für bestimmte Dinge zu finden. Das Arbeiten in Deutschland kam mir sehr umständlich vor.“

Umgekehrter Kulturschock

Wie bei der anfänglichen Trennung von zu  Hause müssen sich Expatriates auch wieder an die heimische Kultur gewöhnen, was nicht immer leicht fällt. „Durch den Aufenthalt im Ausland bekommt man Abstand zum Heimatland, und nach der Rückkehr kommt vielen Repatriates die Heimatkultur fremd vor - sie erleben einen umgekehrten Kulturschock“, sagt Ruth Stock-Homburg, Professorin für Personalmanagement an der Universität Darmstadt. Die Probleme im Job werden so zusätzlich verschärft. Wer nicht wechselt, geht oft in die innere Kündigung. Inzwischen haben sich schon einige Headhunter auf das Problem spezialisiert.

 „Die warten einfach, bis ein Rückkehrer so mürbe ist, dass er weiter vermittelt werden kann“, sagt Fritz Audebert, Vorstand von Icunet, einer Firma, die die Unternehmen bei ihren Auslandsentsendungen unterstützt. „Die Rückkehr nach Deutschland war ein tiefer Fall“, berichtet ein ehemaliger Manager eines deutschen Chemiekonzerns. Acht Jahre hatte er in Malaysia ein Joint Venture seines Arbeitgebers geleitet und sich, wie viele Entsandte an exotischen Orten, an einen hohen Lebensstandard gewöhnt. „In Malaysia hatte ich Hausangestellte, einen Chauffeur, und eine Sekretärin, die mir vor einem Termin die Schuhe putzte“, sagt der Manager, der inzwischen im Ruhestand ist.

"Die wollen bis zum Rentenalter dort bleiben"

Darauf, dass in der Heimat kein Dienstwagen wartet und die Wohnung in der Regel kleiner ist, sind viele Expats schlecht vorbereitet. Bis sich der 58-Jährige wieder in Deutschland zurechtfand, dauerte es mehr als ein Jahr. Kollegen, die noch in Asien arbeiten, würden sich mit Händen und Füßen gegen einen Job in Deutschland wehren, sagt er. „Die wollen bis zum Rentenalter dort bleiben.“ Doch immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie es sich nicht leisten können, ihre auslandserfahrenen Mitarbeiter auf Parkpositionen zu schieben oder gleich an die Konkurrenz zu verlieren.

Vor allem Firmen, die auf dem Arbeitsmarkt um Fachkräfte wie Ingenieure oder IT-Spezialisten konkurrieren, versuchen ihre Expats auch nach der Rückkehr an sich zu binden. Udo Bohdal, Personalexperte bei Deloitte und Leiter der aktuellen Studie, beobachtet seit drei Jahren einen Umbruch im Expat-Management. Auch Personalberater Schild bestätigt: „Inzwischen werden die Auslandsentsendungen systematisch in den Personalabteilungen gemanagt.“

So hat beispielsweise der Industriekonzern Bosch, der 2007 mehr als 2000 seiner Mitarbeiter im Ausland beschäftigte, ein Mentorenprogramm für Expats eingerichtet, um sie bei der Rückkehr zu unterstützen. „Es ist programmiert, dass man während seines Auslandseinsatzes einwenig zwischen den Stühlen sitzt“, sagt Karin Strube. Viereinhalb Jahre war sie für Bosch in Japan, um Steuergeräte für Autos zu entwickeln. Durch ihren Mentor Volkmar Denner blieb sie allerdings auch während ihrer Zeit in Japan in ständigem Kontakt mit dem Hauptsitz in Stuttgart - eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reintegration.

"Sobald man eine andere Kultur durchlebt hat, wird man gelassener"

Denner, der für die Sparte Automobilelektronik verantwortlich war, hatte zudem einen guten Überblick über die Personalplanung im Unternehmen und half, als es darum ging, eine geeignete Anschlussposition für Strube zu finden. Mit ihrer Position in Deutschland ist die 42-Jährige zufrieden, auch weil sie ihr Wissen über Japan weitergeben kann. Als Länderreferentin hilft sie zukünftigen Expats bei der Vorbereitung auf ihren Auslandseinsatz. Für die Physikerin steht die kulturelle Erfahrung im Vordergrund, wenn sie auf ihre Zeit in Japan zurückblickt. „Sobald man eine andere Kultur durchlebt hat, wird man gelassener. Und mein Wissen kommt dem Unternehmen zugute.“

Bei den von Deloitte befragten Firmen ist der Bedarf an Mitarbeitern, die wie Karin Strube für längere Zeit ins Ausland gehen, um 87 Prozent gestiegen. „Die Unternehmen müssen sich verstärkt umschauen, wo sie gute Leute für Auslandsentsendungen rekrutieren können“, sagt Udo Bohdal. Bereits bei einem Drittel fehlen qualifizierte Mitarbeiter für einen Auslandseinsatz.

„Es ist schlecht, wenn Unternehmen Mitarbeiter nur deshalb ins Ausland schicken, weil sie dort ein Loch stopfen müssen“, sagt Simone Siebeke, die weltweit zuständige Bereichsleiterin für Kosmetik bei Henkel. „Ich habe vor zwei Jahren unsere Expats an einen Tisch geholt und gezielt gefragt, was ihre Anliegen sind. Dann haben wir ein System etabliert, das sich inzwischen sehr bewährt hat.“ Bei Henkel hat jeder Expat einen Tutor, der ihm vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt zur Seite steht.

Die Betreuung zahlt sich aus

Um mit den Mitarbeitern im Ausland im Kontakt zu bleiben, reist Siebeke selbst regelmäßig in die jeweiligen Länder und spricht mit den entsandten Mitarbeitern vor Ort. Die Rückkehr nach Deutschland wird mindestens ein halbes Jahr im Voraus vorbereitet. Die Betreuung zahlt sich nach Angaben des Unternehmens aus: Die große Mehrheit der Expatriates sei auch nach der Rückkehr zufrieden und bleibe Henkel erhalten, sagt Siebeke.

Wieder daheim fühlte sich Verena Stehle weder willkommen noch stieß sie auf offene Ohren: „Das Thema Expatriates wurde zwar auch in unserem Unternehmen schon lange diskutiert. Aber wenn dann Leute nach dem Auslandsaufenthalt frustriert das Unternehmen verließen, wurde das immer als Einzelfall betrachtet.“ Auch Stehle kündigte. Bei einem großen Unternehmen fand sie einen neuen Job, eine Führungsposition. Und diesmal, so sagt sie, wird ihre Auslandserfahrung geschätzt.

Was kann man tun, damit der Auslandsaufenthalt zum Erfolg wird - und sich die Rückkehr in die Heimat nicht als Sackgasse entwickelt?

Wir haben folgende Tipps für Sie:

1. Vor der Abreise sollte man eine Entsendungsvereinbarung mit dem Arbeitgeber treffen, in der die Rahmenbedingungen für die Vergütung und die Rückkehr schriftlich geregelt werden.

2. Die Dauer des Auslandseinsatzes sollte ebenfalls schriftlich festgelegt werden: Oft wollen Arbeitgeber die Auslandseinsätze ihrer Mitarbeiter verlängern, vor allem wenn der Expat Erfolge erzielt. Doch ab einem Zeitraum von 5 Jahren gilt der Expat zu Hause als nur noch schwer integrierbar.

3. Durch eine Re-Entry Klausel im Vertrag den Wiedereinstieg zu Hause im Unternehmen sichern: Hier kommt es auf die Formulierung an, meist wird dem Expat eine „gleichwertige Stellung“ zugesichert. Auf konkrete Positionszusagen lassen sich allerdings nur sehr wenige Arbeitgeber ein. Wichtig ist außerdem bei der Festlegung des zukünftigen Einsatzortes der Zusatz „im Inland“, ansonsten kann aus der Rückkehr schnell der nächste Auslandseinsatz werden.

4. Wer während des Auslandsaufenthalts in der deutschen Sozialversicherung bleibt, vermeidet, dass ihm nach der Rückkehr die Auslandszeit nicht auf die Rentenversicherung angerechnet wird. Voraussetzung hierfür ist, dass das inländische Beschäftigungsverhältnis bestehen bleibt.

5. Während des Auslandsaufenthaltes ständigen Kontakt zum Mutterkonzern halten: Die beste Möglichkeit, um zu Hause präsent zu bleiben, ist die Benennung eines Mentors, mit dem der Expat regelmäßigen Kontakt pflegt. Ein Mentor kann auch nach der Rückkehr unter die Arme greifen, wenn es darum geht, eine neue Position zu finden.

6. Durch Telefon, E-Mail und gelegentlich Heimflüge den Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten halten.

7. Die Rückkehr schon ein halbes Jahr im Voraus planen: Der Abschied vom Gastland ist oft genauso schwer wie es die Eingewöhnung zu Beginn des Auslandsaufenthaltes war. Mit genügend Vorlauf lassen sich Anschlussposition, Wohnung und andere organisatorische Fragen im Vorfeld regeln, um anschließend Enttäuschungen zu vermeiden.

8. Viele Unternehmen oder Relocation-Spezialisten bieten Rückkehrer-Workshops an. Dort lernen die Rückkehrer, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind – dass es zum Beispiel normal ist, sich nach einigen Monaten zu Hause wieder weg zu wünschen.

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