Arbeiten für wenig Bezahlung Da verdienen Praktikanten selten genug

Studenten müssen in ihren Praktika meist richtig ran. Doch dass sie dafür Geld bekommen, ist längst nicht die Regel. Junge Karriere zeigt, wo was gezahlt wird.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Endlich darf sich Saskia Krömer* als Glückspilz fühlen: Für die nächsten Semesterferien hat die angehende Betriebswirtin ein Praktikum ergattert, bei dem es sogar Geld fürs Lernen und Arbeiten gibt - 620 Euro pro Monat, in der Projektentwicklung eines Kosmetikherstellers. Dass dies keineswegs die Regel ist, weiß die 27-Jährige von zwei unbezahlten Drei-Monats-Einsätzen in einer Werbeagentur und einem kleinen Verlag.

Mit dieser Quote liegt die Kölnerin voll im Schnitt: Nur jeder dritte Praktikant hat laut einer aktuellen Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in den vergangenen zwölf Monaten ein Gehalt für seinen Einsatz bekommen. Pflichtpraktika werden dabei deutlich seltener honoriert als freiwillige Stippvisiten, bei denen es laut HIS in 44 Prozent der Fälle einen kleinen Obolus gab. Immerhin beobachtet Jürgen Bühler, Berater beim Recruiting-Dienstleister Alma Mater, einen steten Trend zur Besserung: "Praktikanten gewinnen für Unternehmen langsam an Stellenwert. Und damit wächst - im Vergleich zu früher - zusehends die Bereitschaft, etwas dafür zu bezahlen."

Chemie- und Pharmaunternehmen zahlen am besten

Denn auch wenn das Gros der Studenten Praktika nicht des Geldes, sondern der Berufspraxis und der Kontakte wegen absolviert, macht sich ein warmer Geldregen immer gut auf flauen Konten. Wohnung, Essen und vielleicht ein Auto müssen schließlich auch dann bezahlt werden, wenn keine Zeit zum anderweitigen Jobben bleibt. Je nach Branche honorieren die Unternehmen das Engagement von Praktikanten sehr unterschiedlich, zeigt eine Alma-Mater-Studie. Während Medien und Maschinenbau im Schnitt weniger als 500 Euro im Monat zahlen, kommen Praktikanten in der Chemie-, Pharma- und Konsumgüterindustrie mit durchschnittlich 750 Euro deutlich besser weg.

Großen Verhandlungsspielraum haben Praktikanten allerdings nicht. Viele Unternehmen folgen einem vorgegebenen Vergütungsrahmen und richten wie Audi und die Norisbank das Salär schlicht nach Vor- und Hauptstudium aus oder wie Jungheinrich und Deloitte nach der Zahl der bisherigen Einsätze in Unternehmen.

Bei anderen lohnt es sich dagegen, in der Praktikumsbewerbung seine Qualifikationen und bisherigen Erfahrungen hervorzuheben. Zum Beispiel Haribo, die Techniker Krankenkasse und Reiseveranstalter Dertour orientieren ihre Vergütung an der Eignung und Einsatzfähigkeit des Kandidaten. Werden für ein Praktikum deutlich mehr als 1.000 Euro pro Monat geboten, sollte man hellhörig werden. Hier ersetzt möglicherweise ein Student eine Vollzeitkraft. Statt über die Schulter schauen, ist da eher Schuften vorgesehen.

Wer dagegen einen der vielen unbezahlten Praktikumsplätze erwischt, kann versuchen, eine Aufwandsentschädigung in Form von Sachwerten auszuhandeln. So könnte das Unternehmen ein Jobticket oder eine Bahncard finanzieren, Tankgutscheine und Fachliteratur besorgen oder Rabatte auf Produkte des Unternehmens einräumen. Alles ist schließlich besser als nichts.

*Name geändert

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