Ansturm auf Unis Zu wenig Vorbereitung auf den Job

Es gibt in Deutschland so viele Studierende wie noch nie. 2,8 Millionen sind es derzeit. Doch fit für den Beruf fühlen sie sich nach dem Studium nicht. Offenbar fehlt der Praxisbezug.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Zu wenig Vorbereitung auf den Job

Foto: kasto / fotolia.com

In Deutschland studieren 53 Prozent eines Jahrganges, wie der gestern veröffentlichte OECD-Bildungsbericht zeigte. Im OECD-Schnitt sind es 60 Prozent. Nun liefert das Statistische Bundesamt weitere Zahlen, die das deutsche Bildungsbürgertum freuen dürften: Die Zahl der Studierenden in Deutschland ist im laufenden Wintersemester auf einen Rekord von fast 2,8 Millionen gestiegen. Das waren noch einmal 2,2 Prozent oder gut 60.000 Studenten mehr als vor einem Jahr. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, sprach von einer "permanenten Hochleistung für die Bildung in Deutschland".

Ebenfalls Grund zur Freude bietet die Tendenz der Erstsemester hin zum Fach Informatik. Zwar gebe es nur wenig konkrete Ergebnisse, aber im Jahresvergleich hätten sich mehr Studienanfänger für Informatik eingeschrieben. Hipp hipp Hurra, könnte man meinen.

Doch all denen, die nun vor der Überakademisierung warnen, sei gesagt, dass nur 36 Prozent der deutschen Studenten ihr Studium auch abschließen.

Viel gelernt, aber nichts für die Praxis

Nur: Die, die ihr Studium beenden, fühlen sich dadurch nicht auf den Beruf vorbereitet, wie die Umfrage "unicensus kompakt" des Personaldienstleisters univativ unter mehr als 1.000 Studenten und Studentinnen ergab. Kaum einer fühlt sich durch das Studium allein ausreichend qualifiziert, so das Ergebnis. 90 Prozent der Studenten setzen auf Praxiserfahrung und Weiterbildung, um auf den Start im Job optimal vorbereitet zu sein. Nur eine Minderheit von 16 Prozent der Befragten sieht das Studium als beste Vorbereitung für das spätere Berufsleben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Studenten ihrer Uni per se ein schlechtes Zeugnis ausstellen: 60 Prozent fühlen sich durch ihr Studium sehr gut beziehungsweise gut auf die zukünftig relevanten Themen ihres Fachbereichs vorbereitet. Nur auf die tatsächliche Anwendung werde man nicht vorbereitet. "Wir beobachten, dass sich Studenten bereits bei Nebenjobs mit Anforderungen konfrontiert sehen, die sie nicht allein durch Studienwissen erfüllen können", sagt Olaf Kempin, Co-Geschäftsführer von univativ.

Denn auch bei Berufseinsteigern erwarten Arbeitgeber Fremdsprachenkenntnisse, Soft Skills - und Praxiserfahrung. Nur auswendig gelerntes Wissen hilft im Job nicht weiter. "Die universitäre Lehre in Deutschland ist sehr gut. Doch akademisches Fachwissen reicht nicht aus, um im Arbeitsleben zu bestehen", bestätigt Kempin.

Praktika und Nebenjobs machen fit für den Jobs

Deshalb schwören Studenten auf Praktika: 51 Prozent wollen dadurch fit für den Beruf werden, weitere 42 Prozent hoffen auf den qualifizierenden Erfolg eines Nebenjobs mit Studienfachbezug. Aber auch theoretisches Zusatzwissen ist gefragt: Jeder Fünfte nimmt Angebote von Hochschulen wahr, die nicht Teil des Studiengangs sind. 18 Prozent der Befragten eignen sich relevantes Wissen im Selbststudium an.
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56 Prozent versuchen es allgemein mit Weiterbildungsangeboten wie Kurse, Workshops oder Barcamps. Hauptmotivation ist dabei die Verbesserung der eigenen Employability. 30 Prozent wollen sich durch Zusatzqualifikationen von anderen Bewerbern abheben. 17 Prozent der Studenten bereiten sich sogar schon ganz gezielt auf das Anforderungsprofil eines potenziellen Arbeitgebers vor. Dumm nur, wenn der einen dann nicht anstellt.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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