Annette Fuchs "Ich hatte keine Ahnung, war aber voller Elan"

Annette Fuchs ist heute Geschäftsführerin von Berlitz Deutschland. Als Jugendliche hat sie gekellnert - mit mäßigem Erfolg: Gleich am ersten Tag verschüttete sie einen Kaffee und sorgte für mächtig Wirbel.

Katrin Terpitz | , aktualisiert

Meinen schlimmsten Job hatte ich als Abiturientin. Nachdem ich schon einsam in einer Klinik geputzt und monoton am Fließband Arzneimittel verpackt hatte, dachte ich zunächst, meinen Traumjob gefunden zu haben: als Kellnerin in einem schön altmodischen Wiener Kaffeehaus in Biberach an der Riss.

Im Café Kolesch gibt es feine Sahnetorten und Pralinen. Also alles, was Hüftgold ansetzt. Es gehört zu der Kategorie Café, in dem die Omas immer ihre Hüte aufbehalten. Vom Kellnern hatte ich zwar keine Ahnung, aber ich war voller Elan, endlich mit Menschen zu tun zu haben.

Das große Malheur

Doch gleich am ersten Tag passierte mir ein peinliches Missgeschick. Wie in einem traditionellen Kaffeehaus üblich, trug ich eine gestärkte weiße Bluse und einen schwarzen Rock mit weißer Rüschenschürze. Den Kaffee servierte ich stilvoll auf einem kleinen silbernen Tablett. Das aber war schwieriger als gedacht. Prompt rutschte mir der siedend heiße Kaffee weg und ergoss sich direkt über einen Stammgast - genau auf die Stelle, an der es für Herren besonders unangenehm ist.

Ich war wie gelähmt, stammelte Entschuldigungen und wäre am liebsten im Boden versunken. Alle Gäste starrten uns an, manche schlugen die Hände vors Gesicht. Andere konnten sich das Grinsen nicht verkneifen.

In meinem Kopf lief ein Film ab: Krankenwagen, Notoperation ... Ich wagte gar nicht zu denken, was für Auswirkungen mein Missgeschick für den Gast haben könnte. Mein Auto, auf das ich sparte, schien jedenfalls in diesem Moment in unendliche Ferne zu rücken.

Doch der stattliche Mittfünfziger, Typ Geschäftsmann, guckte nur entgeistert, sprang auf und rannte aus dem Café. Tage später tauchte er wieder an seinem Stammplatz auf und tat, als wäre nichts geschehen. Ein Wunder, dass mich mein Chef nicht rausgeschmissen hat. Er war wirklich sehr nachsichtig.

Später im Studium in Frankreich habe ich mir einen Job mit weniger Gefahrenpotenzial gesucht: als Nachhilfelehrerin für Deutsch. Aber eines habe ich mir seit meinem Missgeschick bis heute bewahrt: allergrößte Hochachtung vor professionellen Kellnern.

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