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Altersvorsorge: Riestern lohnt sich für jeden – ein bisschen

Altersvorsorge Riestern lohnt sich für jeden – ein bisschen

Auch Normalverdiener sind ohne private Vorsorge von Altersarmut bedroht. Am sichersten ist die Riester-Rente – wenn man ein gutes Produkt erwischt.

Tina Groll, Sophie Schimansky | zeit.de | , aktualisiert


Foto: bilderstoeckchen/Fotolia.com

Im Alter arm?

Die jüngsten Berechnungen aus dem Arbeitsministerium zur Rentenentwicklung haben Anne Schmidt aufgeschreckt: Sie will jetzt eine private Altersvorsorge abschließen. Die 32-jährige Einzelhandelskauffrau arbeitet als Verkäuferin in einem Modegeschäft in Berlin. Knapp 2200 Euro brutto verdient sie im Monat, das sind 1442 Euro netto. Die Verkäuferin zahlt jeden Monat 215 Euro in die Rentenkasse und fast 27 Euro in die Pflegeversicherung.

Würde sie 35 Jahre lang ähnlich verdienen und in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, bekäme sie im Alter nicht einmal die gesetzliche Grundsicherung von 688 Euro im Monat. Schmidt müsste staatliche Hilfe in Anspruch nehmen – oder jetzt zusätzlich privat vorsorgen.

Schmidt will außerdem in den kommenden Jahren eine Familie gründen. Ob sie als Mutter noch Vollzeit arbeiten kann, weiß sie jetzt noch nicht. Arbeitet sie künftig nur noch in Teilzeit, reduziert das natürlich auch ihren Rentenanspruch. Die Rentenpunkte, die Eltern für die Erziehungszeiten ihrer Kinder bekommen, kompensieren das nicht ganz. Auf eine Versorgung im Alter durch ihren Ehemann spekuliert die 32-Jährige erst gar nicht. Wenn sie ihren heutigen Partner heiratet und die Ehe nicht hält, gibt es nach dem 2008 reformierten Unterhaltsgesetz keinen grundsätzlichen Versorgungsunterhalt bis zum Lebensende mehr. Es gilt die sogenannte nacheheliche Eigenverantwortung – auch für den finanziell schwächeren Partner.

Frauen trifft es hart

In den meisten Ehen sind das noch immer die Frauen. Sie stellen auch den Großteil aller Klein- und Normalverdiener. Denn Frauen wählen nicht nur die schlechter bezahlten Berufe, sie steigen auch öfter als Männer aus dem Job aus, um sich um die Kinder zu kümmern. Ein Rückkehrrecht auf die Vollzeitstelle gibt es im Arbeitsrecht nicht – und so finden sich viele Frauen nach wenigen Jahren in der Teilzeitfalle wieder.

Hinzu kommt, dass Frauen im Durchschnitt auch bei gleicher Qualifikation und in gleicher Position weniger als Männer verdienen – und später die kleinere Rente bekommen. Schmidt gehört somit zu einer Personengruppe, die besonders gefährdet ist, im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Das stellt nicht nur die Untersuchung des Bundesarbeitsministeriums fest.

Sozialfall ohne private Vorsorge

Schon im Januar fanden die Berliner Politikwissenschaftlerin Barbara Riedmüller und die Sozialwissenschaftlerin Ulrike Schmalreck heraus, dass die Generation der Frauen, die in den 60er Jahren geboren wurde, zum Großteil einem hohen Altersarmutsrisiko ausgesetzt ist.

Die Forscherinnen hatten für ihre Studie Daten des sozioökonomischen Panels ausgewertet und festgestellt: Wer keine private Altersvorsorge hat, wird im Alter zum Sozialfall.


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Doch welche private Altersvorsorge ist die richtige? Arbeitsministerin Ursula von der Leyen wirbt für die staatlich geförderte Riester-Rente. Auf sie zielt auch die vorgeschlagene Zuschussrente ab: Eine schmale gesetzliche Rente soll für jene auf 850 Euro aufgestockt werden, die privat vorgesorgt haben. Voraussetzung sind 30 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie zunächst fünf Jahre private oder betriebliche Altersvorsorge.

Bis 2047 soll die Privatvorsorge-Plicht auf 35 Jahre anwachsen. Anne Schmidt müsste also noch in diesem Jahr eine private Vorsorge abschließen, um mit 67 überhaupt Anspruch auf die Zuschussrente zu haben.

Als Kleinverdienerin mit einem Nettoeinkommen von 1442 Euro im Monat bleibt ihr nicht viel zum Zurücklegen. Auch will sie kein Risiko eingehen. Würde sich für sie die Riester-Rente lohnen? "Ja, dieses Modell eignet sich für jeden", sagt der Experte Theo Pischke, Redakteur bei dem Magazin Finanztest der Stiftung Warentest. "Die Riester-Rente ist das sicherste Produkt für eine private Altersvorsorge."

Rürup-Rente für Selbstständige

Fast jeder hat einen Anspruch auf die staatlich geförderte Altersvorsorge. Neben Arbeitnehmern, Menschen, die Wehrdienst oder Freiwilligendienst leisten, Kindererziehende (bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes) sowie Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst können ebenso riestern wie Landwirte, Minijobber, Studenten oder Arbeitslose.

Sogar eine ganze Reihe Selbstständiger –  Handwerker, Künstler oder Journalisten – haben einen Anspruch. Lediglich selbstständige Unternehmer müssen auf die staatlich geförderte Rürup-Rente ausweichen, wenn sie ein absolut sicheres Vorsorgemodell wählen wollen. Hausfrauen oder Hausmänner ohne Einkommen haben ebenfalls einen Anspruch. Ehepartner schließen jeweils einen eigenen Vertrag ab. Auch im Scheidungsfall gilt der Riestervertrag für den einkommensschwächeren Partner – auch wenn dieser Hausfrau oder Hausmann ist – als eigene Vorsorge weiter.

Grund- und Kinderzulage

Die Altersvorsorgezulage setzt sich aus der Grundzulage und der Kinderzulage zusammen. Die Grundzulage beträgt 154 Euro pro Jahr und Person, der Kinderzuschlag 300 Euro pro Kind. "Pro Jahr muss mindestens 60 Euro eingezahlt werden – also fünf Euro im Monat", sagt Finanztest-Redakteur Pischke. Eine Hausfrau erhält selbst bei diesem Minimalbeitrag die vollen Zuschläge.

Alle anderen erhalten den Grundzuschlag nur komplett, wenn sie mindestens vier Prozent des Bruttojahreslohns eingezahlt haben. Verkäuferin Anne Schmidt müsste also 1056 Euro einzahlen – 88 Euro pro Monat. Entscheidet sie sich für einen niedrigeren Monatsbeitrag in die Riester-Rente, bekommt sie die staatliche Förderung nur anteilig. Sie könnte beispielsweise zunächst nur 20 oder 40 Euro im Monat riestern, ihren Beitrag aber jederzeit auf die nötigen 88 Euro im Monat erhöhen.

Für solche Beitragsänderungen sind allerdings Verwaltungsgebühren fällig. Und die sind je nach Produkt und Anbieter sehr unterschiedlich. "Wichtig ist, dass man von vornherein einen guten Vertrag abschließt. Änderungen sind immer mit Kosten verbunden", sagt Pischke.


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Provisionen und Verwaltungskosten in Höhe von 18 Prozent der gezahlten Beiträge und zehn Prozent der erhaltenen Zuschläge sind keine Seltenheit. Oft fallen noch Gebühren an, wenn man das Produkt oder den Versicherer wechseln möchte oder die für die Auszahlung der Beiträge im Todesfall vorgesehenen Personen ergänzen oder ändern möchte. Vergleichen lohnt sich also.

Die Stiftung Warentest rät, vor Vertragsabschluss mehrere Angebote zu prüfen. Besonders aufwendig muss der Vergleich aber nicht sein. Mit ein paar Klicks lassen sich bei den Versicherungen kostenlose Angebote einholen. Diese umfassen zwar meist viele Seiten und sehr viel Kleingedrucktes, das nicht immer verständlich ist.

Als Indikator kann jedoch die garantierte Rente herangezogen werden, sagt Pischke.

Wichtig: Vergleich verschiedener Angebote

Sie sollte neben den erwähnten Kosten für Provision, Verwaltung und Wechsel das maßgebliche Kriterium für die Entscheidung sein. "Das Gute an der Riester-Rente ist, dass man schon vor Vertragsabschluss weiß, was man mindestens bekommen wird. Auf dieser Basis kann man dann vergleichen", sagt Pischke.

Wer ganz sicher gehen will, schaut auch in die Produkttests der unabhängigen Finanz- und Verbraucherportale. Die Stiftung Warentest hat gerade die aktuellen klassischen Riesterprodukte auf dem Markt verglichen. Sie  können auf finanztest.de abgerufen werden.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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