Allmächtiger Sport Hochproduktive Mitarbeiter

Sportarten wie Radfahren, Laufen oder Schwimmen sind gut für die Gesundheit. Das ist nicht neu. Sie können aber auch Konzentration und Leistungsfähigkeit steigern – und die Produktivität eines Unternehmens.

Nora Jakob, wiwo.de | , aktualisiert

Hochproduktive Mitarbeiter

Sport 2

Foto: mooshny / Fotolia.com

Jeder vierte Deutsche ist ein Sportmuffel. Die Gründe: Bequemlichkeit und Lustlosigkeit. Das hat allerdings Folgen – nicht nur für die physische Gesundheit. Eine US-Studie hat erst kürzlich gezeigt, dass eine Region des Gehirns durch sportliche Aktivität wächst. "Vor kurzem wurde entdeckt, dass es durch körperliche Aktivität und Sport zur Neurogenese kommt. Es entstehen im Gehirn neue Nervenzellen", sagt Darko Jekauc, Sportwissenschaftler der Freien Universität Berlin. Dies passiere vor allem im Hypocampus, einer Gehirnregion, die für die Merkleistung und Erinnerungen verantwortlich ist. Die Wirkmechanismen auf der Gehirnebene sind sehr komplex und werden derzeit intensiv erforscht.

Mittlerweile weiß man jedoch: Menschen, die Sport treiben, sind dank der neuen Zellen auch leistungsfähiger und konzentriert. Sie machen weniger Fehler. Der Neurologe Tobias Schmidt-Wilcke legte bereits vor vier Jahren 26 Leistungssportler und zwölf bekennende Nichtsportler in den Kernspintomografen (MRT).

Nicht nur körperlich fit, auch fit im Kopf

Dort wurde deutlich, dass Sportler in bestimmten Bereichen, vor allem im sogenannten supplementären motorischen Areal (SMA), deutlich mehr Hirnsubstanz als die Nichtsportler hatten. Diese Region ist für das Lernen von Bewegungsabfolgen zuständig. Schmidt-Wilcke und seine Kollegen gingen jedoch auch davon aus, dass sich das Mehr an Gehirn auf die Leistungsfähigkeit auswirkt.

Kanadische Forscher haben zudem gezeigt, dass unsportliche Erwachsene, die zweimal in der Woche ein intensives Intervalltraining machen, nicht nur nachhaltig ihre Kondition verbessern, sondern dass auch deren geistige Leistungsfähigkeit zunimmt. Körperlich aktive Menschen haben demnach eine schnellere Informationsverarbeitung, eine schnellere Reaktionsgeschwindigkeit und weisen eine höhere kognitive Flexibilität auf. Sie machen schlicht weniger Fehler in ihren Arbeitsprozessen.

Den Kopf wieder frei bekommen

Gesteuert wird das vom präfrontalen Kortex – hier kommen Informationen an, werden verarbeitet und wieder hinausgeschickt. Sein Fassungsvermögen ist allerdings endlich. Ein Neustart, etwa durch Sport, ermögliche, dass wir uns wieder besser konzentrieren und unsere Aufmerksamkeit auf relevante Inhalte fokussieren könnten, wie Kölner Sporthochschule rausgefunden hat. Kurz: Wir haben den Kopf wieder frei und können besser denken – und das nachhaltig.

Dafür muss es gar kein Mammuttraining sein: Die neuesten Untersuchungen der Sporthochschule Köln haben gezeigt, dass oft schon 30 Minuten Sport reichen, um sich besser konzentrieren zu können. "Wenn wir in Bewegung sind, fokussiert sich das Gehirn auf die Aktivität und bündelt viele Ressourcen dafür. Für das (Nach-)denken bleibt dann häufig keine Zeit mehr übrig. Es ist ein klassischer Kampf um Ressourcen", sagt Sportwissenschaftler Stefan Schneider von der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Für Unternehmen heißt das: Im betrieblichen Gesundheitsmanagement muss es nicht mehr nur darum gehen, Erkrankungen vorzubeugen. Vielmehr sollten sie versuchen, die Produktivität ihrer Mitarbeiter steigern, indem sie deren körperliche und geistige Fitness im Auge behalten. Sie müssen ein differenziertes Angebot der Pausengestaltung oder des Ausgleichs zum Arbeitsalltag anbieten, damit jeder Mitarbeiter das für sich passende findet.

Viele große Unternehmen haben darauf bereits reagiert. So gibt es etwa bei Google in Hamburg Fitnessstudios, eine Playstation oder einen Billardtisch. Mitarbeiter der Deutschen Bank können aus über 35 Sportarten wählen, SAP bietet seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu einem individuellen Gesundheitscoaching.

Spaß an der Bewegung

"Das fällt dem deutschen Mittelstand häufig schwer zu leisten, da es oftmals an einer kritischen Mitarbeiteranzahl fehlt, für die sich das lohnen würde", so Schneider. Das ist aber gar nicht schlimm. Der Trick liegt nämlich nicht im opulenten Angebot sondern darin, dass Menschen in ihren Pausen oder ihrer Freizeit etwas tun, woran sie Spaß haben. "Ähnliche Effekte stellen sich auch beim Gebet oder der Meditation ein, aber nur, wenn der Ausführende auch Spaß daran hat", sagt Schneider.

"Um das volle Potential der Mitarbeiter auszuschöpfen, sollte in deutschen Unternehmen sowohl etwas für den Körper als auch für den Geist getan werden", ergänzt Jekauc. Auf der psychischen Ebene hat sich vor allem Achtsamkeitstraining als ein wirksames Mittel zur Verbesserung der Konzentration und des Umgangs miteinander erwiesen.

Wirklich tiefgreifende Effekte treten aber nur dann auf, wenn der Sport regelmäßig und über einen längeren Zeitpunkt ausgeführt wird. Um den Risikofaktor Bewegungsmangel auszuschalten, empfiehlt die WHO 150 Minuten Anstrengung oder 75 Minuten, wenn die Belastung etwas stärker ist – pro Woche.

Positiver Nebeneffekt: Der Zusammenhalt wird gestärkt

Das Training hat für den Einzelnen langfristige Effekte: Ein schwedisches Forscher-Team hat nachgewiesen, dass sportliche Aktivitäten Jahrzehnte nachwirken. Dazu wurden Männer, die als Teenager für den Wehrdienst gemustert wurden, 30 Jahre später noch einmal untersucht. Es zeigte sich: Die unsportlichen Männer wurden häufiger wegen eines Herzinfarktes behandelt als jene, die häufiger Sport trieben. In Deutschland gilt der Herzinfarkt als eine der häufigsten Todesursachen. Durch regelmäßiges Training aber kann das Risiko bei gesunden Menschen gesenkt werden.

Für Unternehmen heißt das: Wer die Gesundheit seiner Mitarbeiter fördert, senkt damit den Krankenstand, die Mitarbeiter werden belastbarer und gesünder. Das spart Kosten ein.

Ein weiterer Vorteil: Die gemeinsame Bewegung stärkt den Zusammenhalt. Für den Mitarbeiter ist der Nutzen der täglichen Bewegung viel persönlicher: Er kann sich nicht nur besser konzentrieren und ist fitter, er lebt auch länger.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

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