Aktion 2013/2014 Manager hautnah

Karriere Abi bringt vier Topmanager zu euch ins Klassenzimmer.

Ulrike Heitze und Katja Stricker | , aktualisiert

Der eine hörte auf den Rat seiner Eltern und machte nach dem Schulabschluss erst mal eine Banklehre. Heute ist Wilfried Groos (Foto links) Vorstandschef einer großen Sparkasse. Klaus Fischer (Foto 2. v. links) dagegen stieg nach seinem Ingenieurstudium ins Familienunternehmen ein und übernahm bereits mit 30 Jahren die Geschäftsführung der Fischer-Unternehmensgruppe. Alexander Jobst (Foto ganz rechts) wiederum stellte seine Karriere ganz in den Dienst des Sports, ist heute Marketing-Chef beim FC Schalke 04. Und Hagen Lippe-Weißenfeld (Foto 2. v. rechts), heute Direktor der Stiftung Kunstsammlung NRW, hat mit seiner Karriere bewiesen, wie wendig und kunstinteressiert man mit einem BWL-Studium sein kann.

Sparkassen-Chef Groos, Geschäftsführer Fischer, Fußball-Manager Jobst und Stiftungsdirektor Lippe-Weißenfeld haben beeindruckende Karrieren gemacht. Wie sie das geschafft haben und wie ihr Arbeitsalltag heute aussieht, könnt ihr sie persönlich fragen. Handelsblatt Karriere Abi bringt im Rahmen der Aktion "Chef zu gewinnen" die vier Topmanager in eure Klassenzimmer; einen Vormittag lang nehmen sie sich Zeit, um eure Fragen persönlich zu beantworten.

Doch das ist längst nicht alles: Beim Gegenbesuch im Unternehmen können sich die Klasse, der Kurs oder einige ausgewählte Schüler selbst vor Ort ein Bild machen, wo und wie "ihr" Chef arbeitet, und dabei einen möglichen Arbeitgeber hautnah erleben. Außerdem erhalten die angehenden Abiturienten Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten, duale Studiengänge der Firmen und Einstiegswege für Hochschulabsolventen. Auf den kommenden Seiten stellen wir euch alle Chefs ausführlich vor.

Bewerben kann sich jede Klasse oder jeder Kurs einer zum Abitur führenden Schule in Deutschland. So geht's: Überzeugt das Karriere-Abi-Team und die teilnehmenden Unternehmen mit einem Motivationsschreiben davon, dass gerade ihr einen Chef gewinnen solltet. 

»»» Die Bewerbungsfrist ist leider abgelaufen – voraussichtlich im Herbst 2014 gibt es eine neue Chance!



Alexander Jobst
Alter: 39
Job: Marketing-Vorstand des Fußballvereins FC Schalke 04
Karriere: Studium Sportökonomie an der Universität Bayreuth, 2000 bis 2005 Sponsoring-Manager bei Siemens, 2005 bis 2007 Head of International Development, Real Madrid, 2007 bis 2011 Head of Sales bei der FIFA in Zürich, 2011 Einstieg Schalke 04
Branche: Fußball
Mitarbeiter: 318
Einstiegsmöglichkeiten: Verschiedene Ausbildungen (Veranstaltungs-, Büro- und Einzelhandelskaufleute sowie Fachinformatiker für Systemintegration), Praktika und Direkteinstieg (Wirtschaftswissenschaften, Sportökonomie)
Kontakt: www.schalke04.de


Die Leidenschaft für Fußball wurde bei Alexander Jobst bereits in frühester Kindheit geweckt. Schon als kleiner Junge hat ihn sein Vater mit ins Fußballstadion genommen. "Da konnte ich kaum über den Zaun schauen", erinnert sich der heute 39-Jährige. Da wundert es nicht, dass für Alexander Jobst schon als Schüler sein Traumberuf feststand: "Ich wollte immer schon ins Management eines großen Fußballvereins." Und das hat er geschafft. Seit 2011 ist der studierte Sportökonom Marketing- Vorstand beim FC Schalke 04, einem der zehn umsatzstärksten Fußballklubs der Welt und mit knapp 120 000 Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein Deutschlands.

Alexander Jobsts Aufgabe ist es zum Beispiel, den Markenauftritt des Traditionsvereins zu gestalten und den Verein in der Vermarktung erfolgreich zu führen. Dazu gehört etwa, neue Partnerschaften und Sponsoring-Verträge für den Fußballverein abzuschließen oder auch mal die neuen Auswärtstrikots der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Und selbstverständlich auch Fußball zu gucken und bei wichtigen Spielen des Vereins persönlich im Stadion mitzufiebern. "Natürlich bin ich Fußball-Fan. Ich lebe Fußball, daher ist die Trennung zwischen Beruf und Privatleben nicht immer einfach", sagt der zweifache Familienvater. Umso glücklicher ist Jobst, dass er meist eine "gesunde Balance" zwischen Job und Privatem findet.



Klaus Fischer
Alter:
62
Job: Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Fischer
Karriere: Studium an der FH Konstanz zum Diplom-Ingenieur (1971-1975), direkt im Anschluss daran Eintritt ins Familienunternehmen, 1980 Ernennung zum Geschäftsführer der Unternehmensgruppe
Branche: Befestigungssysteme, Automotive, Konstruktionsspielzeug, Prozessberatung
Mitarbeiter: 3900 weltweit, davon 2000 in Deutschland
Einstieg: 13 kaufmännische und technische Ausbildungsberufe sowie zehn duale Studiengänge (u.a. BWL mit diversen Schwerpunkten, Wirtschaftsinformatik und -ingenieurwesen, Bauwesen und Maschinenbau)
Kontakt: www.fischer.de/karriere


Klaus Fischer gehört nicht zu denen, die ihre Produkte nur aus der Theorie kennen. Bohren und einen Dübel in die Wand bringen – für den Inhaber und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Fischer kein Problem: "Mit 18 Jahren war ich ein halbes Jahr bei einem Kunstschmied. Das war mein Einstieg ins Handwerk, das hat mich geprägt", sagt der 62-Jährige heute.

Der Name Fischer steht nicht nur für Dübel und Befestigungssysteme aller Art; auch die Konstruktionsbaukästen von Fischertechnik sind in vielen deutschen Kinder- und Jugendzimmern zu finden. Später hinzugekommen ist der Bereich Automotive Systems, der Innenraum- Komponenten für Automobilhersteller fertigt, sowie die Fischer Consulting, die Unternehmen beim Aufbau verschwendungsfreier Prozesse berät.

Klaus Fischer stieg nach seinem Ingenieur-Studium in die Dübelfirma seiner Familie ein; bereits fünf Jahre später, übernahm er von seinem Vater Artur die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung entwickelte sich der noch stark auf Deutschland fokussierte Mittelständler zu einem global agierenden Unternehmen. Mittlerweile ist Fischer mit 42 Landesgesellschaften in 32 Ländern vertreten und vertreibt seine Produkte in über 100 Ländern weltweit. Als Schlüssel zum Erfolg sieht Klaus Fischer "herausragend ausgebildete Mitarbeiter, die mitdenken und immer wieder Verbesserungen anstoßen". Dabei sind auch Fehler erlaubt: "Denn jeder Fehler, verändert das Unternehmen positiv, sofern er nicht zweimal gemacht wird", ist der Vater zweier erwachsener Söhne überzeugt.



Hagen Lippe-Weißenfeld
Alter: 38
Job: Kaufmännischer Direktor und Vorstand der Stiftung Kunstsammlung NRW, Düsseldorf
Karriere: Banklehre, BWL- und Politikstudium, neben dem Studium selbstständig mit einer Firma zur Sanierung von denkmalgeschützten Altbauten, 2004 Vorstandsassistent bei der Klavier- und Flügelmanufaktur C. Bechstein, Promotion, 2006 Wechsel zur Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin als Vertriebs- und Marketingleiter, seit 2009 bei der Stiftung Kunstsammlung NRW
Branche: Kultur
Mitarbeiter: rund 100
Einstieg: Direkteinstieg, Praktika für Studenten (etwa aus den Fächern Kunstgeschichte, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit)
Kontakt: www.kunstsammlung.de


Banklehre, BWL- und Politikstudium, Promotion – Stationen, die auch gut zu einer klassischen Konzernkarriere gepasst hätten. Hagen Lippe-Weißenfeld nutzte sie als Auftakt zu einer spannenden Laufbahn quer durch die schönen Künste. Und er ist das Musterbeispiel dafür, dass man sich einfach auch mal trauen muss. Aus seiner Diplom- und Doktorarbeit über die Berliner Klaviermanufaktur C. Bechstein Pianofortefabrik wird gleich ein Jobangebot dieses Unternehmens. Den Arbeitsvertrag kritzelt der Chef und Klavierbaumeister im verstaubten Archiv auf einen Zettel.

Als Vorstandsassistent lernt Lippe-Weißenfeld drei Jahre lang, wie man ein Unternehmen führt: "Ich wurde in meiner Laufbahn oft gefragt: *'Haben Sie so etwas schon mal gemacht? Nein? – Na, dann machen Sie mal.'" Und der heute 38-Jährige macht. "Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass der Spruch 'Geht nicht gibt's nicht' tatsächlich stimmt. Irgendwas geht immer. Wenn man es stark genug will und sich engagiert."
 
2006 nimmt er das Angebot, an der Sanierung des ältesten produzierenden Unternehmens in Berlin, der Königlichen Porzellan- Manufaktur (KPM), mitzuarbeiten, spontan an. Und als er für KPM ein Museum konzipiert, inspiriert ihn das zur nächsten Station: Seit fast vier Jahren ist der Vater von vier Kindern nun kaufmännischer Direktor der Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Diese besteht aus den drei Museen K20, K21 und Schmela Haus, zeigt in seiner ständigen Sammlung 280 Künstler und hat 250.000 Besucher pro Jahr. Ohne ein Faible für Kunst geht der Job nicht. "Sonst macht die Arbeit keinen Spaß", sagt Lippe-Weißenfeld und fährt fort: "Aber ausgeprägten Kunstsachverstand braucht man trotzdem nicht. Wirtschaftlich ticken alle Unternehmen ähnlich – sei es eine Manufaktur oder ein Museum."



Wilfried Groos
Alter:
55
Job: Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Siegen, Vize-Obmann der Sparkassen in Westfalen-Lippe
Karriere: Mittlere Reife, Ausbildung zum Bankkaufmann, Studium Sparkassenbetriebswirt und Diplom-Sparkassenbetriebswirt, bis 1989 in mehreren Positionen bei der Sparkasse Siegen, danach Sparkasse Iserlohn, 1993 zur Sparkasse Siegen als Mitglied des Vorstands, seit 2004 Vorsitzender
Branche: Banken
Mitarbeiter: Rund 750, davon 73 Auszubildende
Einstieg: Ausbildung für Bankkaufleute, duales Studium (Fachrichtung Finanzen, Beratung & Vertrieb), Direkteinstieg, Traineeprogramme
Kontakt: www.sparkasse-siegen.de/karriere


Als sich Wilfried Groos mit 15 Jahren entscheiden musste, wie es für ihn nach der Schule weitergehen sollte, war das kein großes Thema für ihn. "Ich habe mich für Fußball und Musik interessiert, alles andere war eher Nebensache", gibt der Chef der Sparkasse Siegen zu. Da kam der Vorschlag der Eltern "Mach doch erst mal eine Lehre" gerade recht. Die Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Siegen erwies sich als Glücksgriff. "Man mag durch eine Lehre vielleicht ein bisschen Zeit verlieren", sagt der 55-Jährige, "aber sie bringt einem so viel an Erfahrung. Man findet eher heraus, in welche Richtung ein Studium gehen soll oder ob vielleicht ganz andere Qualitäten in einem schlummern."

Bei ihm entfachte sie die Lust an der praktischen Arbeit mit Kunden und Krediten. Seinen Plan, VWL zu studieren, gab der Jungbanker zugunsten der sparkasseninternen Studiengänge auf, weil die sich gut mit dem Job vereinbaren ließen. Als er mit Ende 20 das Diplom zum Betriebswirt in der Tasche hatte, konnte er zugleich schon auf 14 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Kein schlechter Schnitt.

Seit neun Jahren ist Wilfried Groos Vorstandschef der Sparkasse Siegen – und damit nicht nur für ein Kreditinstitut in der Größe eines mittelständischen Unternehmens verantwortlich. "Wenn man, wie wir hier, jeden zweiten Schornstein, der in der Gegend raucht, finanziert hat, ist man automatisch Bestandteil der Region und hat entsprechende Verantwortung. Es geht bei allen Entscheidungen, die ich fälle, immer um Menschen, ihre Wohnungen und ihre Arbeitsplätze. Ich finde es sehr bereichernd, aktiv an der Zukunft dieser Region mitzuarbeiten."

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