Aktion 2012/2013 Manager zum Ausfragen

Die Aktion "Chef zu gewinnen" gibt Schülern die Gelegenheit, Unternehmenslenkern direkt ihre Fragen zu stellen: Wie überleben Manager ihre 70-Stunden-Arbeitswochen? Haben Vorstände Angst, Fehler zu machen? Wie fühlt es sich an, Leute entlassen zu müssen?

Ulrike Heitze, Katja Stricker | , aktualisiert

Wenn Jugendliche Vorstände und Top-Manager mit Fragen löchern, geht es ans Eingemachte und es kommen viele kritische Fragen zusammen. Aber auch ganz naheliegende: Was wollten Sie als Abiturient werden? Waren Sie ein guter Schüler? Sind Sie heute ein guter Chef? Und wie wirkt sich die Finanzkrise auf Ihr Geschäft aus?

"Chef zu gewinnen" ist seit Jahren Bestandteil der Initiative "Handelsblatt macht Schule", mit der die Zeitung das Ziel verfolgt, Wirtschafts- und Managementthemen stärker im Unterricht zu verankern. Dazu nehmen sich Vorstände und Führungskräfte renommierter Unternehmen einen Vormittag Zeit und besuchen die Schulklassen, die sich für ihren Besuch am meisten ins Zeug gelegt haben.

In der diesjährigen Runde waren acht Manager mit dem Handelsblatt unterwegs. Lesen Sie hier die Porträts der Begegnungen:


Wie exotisch dürfen wir bei der Wahl unseres Studiengangs sein?



Sie sollten das auswählen, was Ihren Neigungen und Stärken am besten entspricht. Und wenn das dann etwas Exotisches ist, dann sei es drum. Auch mit so etwas kann man den Weg in die Bank finden. Bei uns arbeiten nicht nur BWLer, auch Psychologen oder Mathematiker. Sie müssen dann sehen, dass die Spezialität, die Sie mitbringen, interessant für den Arbeitgeber ist. Unterm Strich sollten Sie einfach gut sein, in dem was Sie tun. Und das geht am besten, wenn es Spaß macht.

Sollten Vorstände bei Fehlern mit dem eigenen Vermögen haften? Wer Chancen hat, der muss auch Risiken tragen. Deshalb bin ich bei dem Thema voll bei ihnen. Aber man muss vorsichtig sein, wie man das regelt. Es darf nicht so weit gehen, dass in der Folge niemand mehr bereit ist, diesen Job zu übernehmen. Das schadet dann dem System wieder.

Wo würden Sie die Grenze ziehen?

Wenn wir als Vorstand morgen beschließen würden, 150 Millionen zu einem irren Zinssatz auf den Cayman Islands anzulegen und das Geschäft geht schief, dann würde man mir zu Recht sagen: Liebe Frau Roos, das Geld hätten wir gerne wieder. Aber wenn einer unserer Anlageberater ein Produkt für drei statt für wie gewünscht fünf Jahre empfiehlt, dann ist das Geschäft zwar auch fehlerhaft, aber kaum Existenz gefährdend. Wenn dann der Vorstand dafür ebenso persönlich haftet, stellt sich mir die Frage der Verhältnismäßigkeit.

Vorstände haben meist befristete Verträge. Wie gehen Sie mit dieser Unsicherheit um?

Ich habe tatsächlich sehr wohl abgewogen, ob ich meinen Vertrag bei der WestLB aufgebe. Aber solche befristeten Vorstandsverträge gehören eben zu den Spielregeln. Wer die Position annimmt, muss sich darauf einlassen. Ich habe mir zusammen mit meinem Mann überlegt, dass wir das schon gemeinsam hinbekommen würden, wenn es mal mit den Vorstandsjobs nicht weitergeht.

Hauptsache, "es reicht fürs Schwarzbrot". Es gibt auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten als Vorstand.

Lastet Erfolgsdruck auf Ihnen?

Klar. Ich trage gemeinsam mit den Kollegen im Vorstand die Verantwortung für ca. 1.800 Mitarbeiter. Und das Umfeld, in dem sich unsere Finanzwirtschaft befindet, wandelt sich stark. Das reicht von sehr niedrigen Zinsen über Electronic Banking bis zur Zukunft der Geschäftsstellen. Da stehen wir schon unter dem Druck, unsere Strukturen zukunftsfähig zu machen, ohne unsere Stärken wie die Nähe zum Kunden aufs Spiel zu setzen. Ich mache mir schon Gedanken, ob mir das gelingt. Aber wenn ich nicht zuversichtlich wäre, wäre ich sicherlich nicht die richtige Chefin an der Spitze.

Was ist für Sie wichtiger: Ihr Unternehmen zukunftsfähig zu machen – auch, wenn es mal Entlassungen bedeuten sollte – oder gut zu den Mitarbeitern zu sein?

Nun, wenn Sie ständig Verluste schreiben, dann überlebt Ihre Firma das nicht lange. Insofern müssen Sie alles tun, um sie ertragreich zu halten. Wenn sich also das Geschäft grundsätzlich ändert, ist es als Vorstand Ihre Aufgabe, frühzeitig nach Alternativen zu suchen und zu schauen, wie Sie den Dreh möglichst verträglich hinbekommen. Gerade im Dienstleistungsbereich können wir unser Angebot nur gut erbringen, wenn die Menschen das aus Überzeugung und mit Hingabe machen. Und so etwas geht nicht mit Mitarbeitern, die Sie in eine Zwangslage bringen. Insofern machen Sie Ihr Unternehmen auch zukunftsfähig, indem Sie vernünftig und nachvollziehbar mit Menschen umgehen.

Was halten Sie von einer Frauenquote?

Ich bin da sehr gespalten. Insgesamt glaube ich nicht, dass es mit der Brechstange funktionieren wird. Andererseits war ich bei der WestLB die erste Frau auf der zweiten Ebene. Als man mir diese Position anbot – unter anderem, weil man mehr Frauen im Boot haben wollte –, habe ich mich anfangs gesträubt. Dafür war ich mir zu schade. Jeder hat ja den Anspruch, wegen seiner Qualitäten genommen zu werden und nicht wegen seines Geschlechts. Aber ich bin auch nicht naiv. Durch den verstärkten Fokus auf Frauen bin ich in den Blickpunkt geraten und habe Chancen bekommen. Und es wäre ja verrückt, solche Angebote auszuschlagen.

Die Bankenbranche ist sehr männlich geprägt. Machen sich da noch Ressentiments bemerkbar?

Ressentiments nicht, manchmal herrscht aber noch eine gewisse Gedankenlosigkeit im gegenseitigen Umgang. Wenn Anschreiben zum Beispiel immer nur an die „sehr geehrten Herren“ gehen. Nach so vielen Jahren Erfahrung kann ich da relativ gelassen mit umgehen. Ich versuche, das nicht persönlich zu nehmen, aber gelegentlich darauf hinzuweisen, dass manche Sachen nicht in Ordnung sind.

Und wie weisen Sie dann darauf hin?

Indem ich ganz offen und deutlich anbiete, meine fachliche Expertise, meine Erfahrung und meine Sichtweise beizusteuern, aber auch klarstelle, dass es nicht mein Problem ist, wenn jemand darauf verzichten möchte. Die Verantwortung trägt dann er. Das klingt arrogant. Aber ich glaube, es ist ein guter Weg, die Betroffenen zum Nachdenken zu bringen. Und es ist allemal besser, als ständig Aufmerksamkeit einzufordern. Darauf reagieren Gegenüber schnell sehr reserviert.


Sie haben Jura studiert. War das immer schon Ihr Traum?



Nein, nach dem Abitur wollte ich ursprünglich Elektrotechnik studieren, weil ich mich damit in meiner Freizeit beschäftigt habe. Zum Glück hatte ich einen Freund, der bereits Elektrotechnik studierte und mir die Unterlagen der Mathevorlesungen gezeigt hat. Die ersten Seiten waren kein Problem, spätestens ab der siebten Vorlesung habe ich nur noch rudimentär etwas verstanden – und das war der Stoff des ersten Semesters. Da schien mir Jura – ganz mathefrei – eine sehr gute Alternative.

Hilft Ihnen Ihr Jurastudium in Ihrem jetzigen Job?

Auf jeden Fall. Um es auf den Punkt zu bringen, sage ich öfters: "Der Jurist weiß nichts, kann aber alles erklären" – auch wenn das viele meiner Freunde, die Anwälte sind, nicht so gerne hören. Im Jurastudium habe ich gelernt, mir unbekannte Sachverhalte systematisch zu erarbeiten und zu angemessenen Lösungen zu kommen. Und das brauche ich täglich in meinem Job, weil in meinen Verantwortungsbereich sehr viele verschiedene Themen fallen, wie etwa Personal, Immobilien, Logistik, aber auch Arbeitsmedizin, Wissens- und Gesundheitsmanagement.

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