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Abfindung Da lacht nur der Fiskus

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Entschädigungsleistung bei einer Kündigung. Warum eine Freistellung vom Job für Angestellte meist besser ist, als eine Abfindung zu kassieren.

Kündigung Arbeitsvertrag | Tina Groll, zeit.de | , aktualisiert

Da lacht nur der Fiskus

Foto: SZ-Designs / fotolia,com

Eine Kündigung ist für viele Arbeitnehmer ein Schock und eine existenzielle Bedrohung. Und viele sind zusätzlich erschüttert, wenn sie erfahren, dass es keinen Rechtsanspruch auf eine Abfindung gibt. Denn entgegen der landläufigen Meinung muss ein Arbeitgeber nicht in jedem Fall eine Zahlung als Entschädigung für den Verlust des Arbeitsplatzes bezahlen.

Einen Rechtsanspruch haben Arbeitnehmer dann, wenn zahlreiche betriebsbedingte Kündigungen im Rahmen eines Sozialplans vorgenommen werden müssen – und der Plan oder ein Sanierungstarifvertrag eine Abfindungszahlung regeln. Oder die Mitarbeiter fristgerecht auf eine Kündigungsschutzklage dagegen verzichten.

Mitunter steht die Zahlung einer Entschädigung auch im Arbeitsvertrag, aber solche Verträge sind selten geworden.

Zwei Formen der Trennung:
Aufhebung oder Abwicklung

Daneben werden vor allem dann Abfindungen gezahlt, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich im Rahmen des Trennungsprozesses auf die Zahlung verständigen. Aber Vorsicht, diese Einigung kann für Arbeitnehmer mitunter nachteilig sein. Das Arbeitsrecht sieht zwei Formen dieser einvernehmlichen Trennung vor: im Rahmen eines Aufhebungsvertrags oder im Rahmen eines Abwicklungsvertrags.

Bei einer Aufhebung wird der Arbeitsvertrag aufgelöst. Bei einer Abwicklung hingegen akzeptiert der Arbeitnehmer die Kündigung. Er kann dann nicht mehr dagegen klagen.

Anspruch auf Arbeitslosengeld:
Wie das Arbeitsamt reagiert

So oder so kann das Arbeitsamt eine einvernehmliche Trennung dem Gekündigten negativ auslegen. Die Argumentation ist sehr oft: Der Arbeitnehmer hätte seinen Arbeitsplatz nicht leichtfertig aufgeben dürfen, sondern gegen seine Kündigung klagen müssen. Das Amt kann eine Sperre des Arbeitslosengelds von bis zu zwölf Wochen verhängen – und damit verkürzt sich der Bezugszeitraum generell. Nicht nur kann man erst drei Monate später das Arbeitslosengeld I beziehen. Es endet auch nach neun Monaten. Übrigens passiert das auch häufig, wenn der Gekündigte in eine Verkürzung der Kündigungsfristen eingewilligt hat. Hier ruht der Arbeitslosengeldanspruch aber nur, er wird aber nicht gekürzt.

Aber egal ob Aufhebung oder Abwicklung: Die Abfindung muss auf jeden Fall versteuert werden. In der Regel beträgt die Höhe ein halbes bis ein ganzes Bruttomonatsgehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Je nach Unternehmen, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Branche kann die Höhe allerdings variieren.

Auszahlung der Abfindung:
Vorsicht vor dem Spitzensteuersatz

Zwar müssen darauf keine Sozialabgaben abgeführt werden, aber wird die Summe auf einen Schlag ausgezahlt, rutscht man leicht in den Spitzensteuersatz. Der Fiskus freut sich, aber ein ordentlicher Teil des Geldes, das bei den meisten Arbeitnehmern auch als Rücklage dienen muss, ist auf einmal weg.

Zwar gibt es nach Paragraf 34 Absatz 1 Satz 1,2 eine Steuerermäßigung für außerordentliche Einkünfte wie Abfindungen – trotzdem sollten sich Gekündigte auf eine hohe Steuerzahlung einstellen.

Daher ist es meist besser, eine bezahlte Freistellung zu nehmen – und bei einer Trennung darauf zu achten, dass von einer betriebsbedingten Kündigung die Rede ist. So bekommen Arbeitnehmer nicht nur wichtige Zeit, sich eine neue Stelle zu suchen. Sie wahren auf diese Weise auch ihre Arbeitslosengeldansprüche.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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