20 Karriere-Tipps Immer nur Vollgas ist schädlich

Pausen sind nützlich - genauso wie ein leistungsorientierter Kollege, Rituale, Vorbilder und eine ausreichend frische Brise. Mehr Kreativität und Produktivität erreichen Menschen oft durch kleine, ungewöhnliche Unterbrechungen. Was Forscher sonst noch raten, damit wir intelligenter und besser arbeiten können...

Katja Scherer, wiwo.de | , aktualisiert

Immer nur Vollgas ist schädlich

Pause im Job

Foto: Rawpixel.com/Fotolia.com

Nachbarn mit Bedacht wählen

Wer neben dem Klassenbesten sitzt, ist selbst aufmerksamer: Was in der Schule galt, ist im Job nicht anders. Michael Housman und Dylan Minor von der Kellogg School of Management stellten fest: Wer neben einem effizienten Kollegen sitzt, arbeitet ebenfalls schneller. Allerdings färben auch schlechte Eigenschaften ab. Droht einem engen Kollegen der Rauswurf, ist man selbst stärker gefährdet.

Unbequeme To-dos zuerst angehen

Ab einer gewissen Länge wirken To-do-Listen unbezwingbar. Viele Menschen arbeiten dann zuerst einfache Aufgaben ab, hat ein Forscherteam um Diwas KC von der Emory-Universität beobachtet. Kurzfristig lässt uns dieses Verhalten zwar besser dastehen, mittelfristig macht es uns aber unproduktiver. Oft sind komplizierte Aufgaben nämlich wichtiger. Ein Trick: Solche Aufgaben zwei Mal auf die Liste schreiben – als doppelte Motivation beim Abhaken.

Auch mal Pause machen

Wer Pausen macht, arbeitet nicht? Das ist nur die halbe Wahrheit. Das bemerkte Manel Baucells von der Universität von Virginia. Studierende, die sich beim Lernen regelmäßig erholten, bestanden mehr Prüfungen. Für den Job empfiehlt der Forscher zwei Strategien: Mitarbeiter, die ihre Arbeit frei einteilen können, sollen den Tag ähnlich wie bei einem Marathon mit hohem Einsatz beginnen und beenden, mittags dagegen ruhiger machen. Wer immer 100 Prozent geben muss, sollte regelmäßig kurz pausieren.

Produktiv in die Arbeitswoche starten

Der Montagmorgen wird unterschätzt. Der Kollaborationsdienst Redbooth wertete das Verhalten von Hunderttausenden Arbeitnehmern aus: Montags um 11 Uhr stehen wir auf dem Gipfel unserer Leistungsfähigkeit. Danach fällt unsere Leistung ab, und zwar jeden Tag in der Woche stärker.

Sich mit Ritualen beruhigen

Eine wichtige Präsentation oder das Jahresgespräch mit dem Chef können den Puls nach oben treiben. Ein Forscherteam um Alison Wood Brooks von der Harvard Business School empfiehlt einen Trick, der auch unter Leistungssportlern üblich ist: Rituale. Das kann zum Beispiel ein bestimmtes Lied sein, das man vor wichtigen Aufgaben hört. Die Forscher ließen Prüfungskandidaten kurz vor ihren Tests ein Ritual ausüben. Dadurch beruhigte sich der Puls, und die Prüflinge zeigten später bessere Leistungen.

Immer einen Plan haben

Einfach mal machen und schauen, was passiert – diese als Lean-Start-up-Methode bezeichnete Vorgehensweise wird in Unternehmen immer beliebter. Kreative und neue Ideen sollen so schnell getestet und notfalls verworfen werden. Studien von Francis Greene von der Universität Edinburgh und Christian Hopp von der RWTH Aachen zeigen allerdings: Sorgfältige Planung ist hilfreich. Zumindest hatten Gründer mit formalem Businessplan ihre Ressourcen besser im Blick und erreichten ihre Ziele schneller.

Inspirierende Vorbilder wählen

Kann sich ein Verkäufer von einem Athleten oder einem Musiker inspirieren lassen? Sehr wohl, zeigten Forscher um Jack Klein von der australischen Macquarie-Universität. Dazu ließen sie 70 Probanden ein Gewicht halten. Jene Kandidaten, die zuvor an eine inspirierende Situation gedacht hatten, hielten deutlich länger durch. Egal, ob Picasso oder Papa, Muhammad Ali oder Mama – an ein Vorbild zu denken hilft ungemein.

Nach dem Sinn fragen

Wer seine Arbeit sinnvoll findet, ist motivierter und produktiver. Blake Allan von der Purdue-Universität wies nach, dass Mitarbeiter ihre Aufgabe als wichtig erachten, wenn andere davon profitieren. Allan empfiehlt, sich bewusst zu überlegen, wem die eigene Arbeit nützt. Chefs sollten ihre Angestellten dazu regelmäßig mit Kunden oder Geschäftspartnern zusammenbringen.

Frische Luft ins Büro lassen

Gerade im Winter drehen wir eher die Heizung hoch, als das Fenster zu öffnen. Dabei führt laut Joseph Allen von der Harvard School of Public Health bessere Luft zu deutlich höherer Leistung. Je weniger CO2 die Raumluft enthält, desto besser können Mitarbeiter strategische Entscheidungen treffen und mit Stress umgehen. Allen rät Firmen daher, nicht an der Belüftungsanlage zu sparen: Die höheren Stromkosten würden durch die bessere Arbeit ausgeglichen.

Mit Fragen punkten

Wer im Job schnell nach oben will, sollte viele Fragen stellen, rät Alison Wood Brooks von der Harvard Business School. Das gilt vor allem für Fragen, die an ein Thema anknüpfen und es vertiefen. Denn so können wir einerseits Themen besser verstehen und andererseits beim Gesprächspartner punkten. Wer im Meeting oder Bewerbungsgespräch nachhakt, wirkt fachlich kompetent und emotional intelligent.

Anderen eine Freude machen

Kleine Gesten wie ein mitgebrachter Kaffee oder eine Dankes-Mail nach Projektende können große Wirkung entfalten. Forscher der Universität von Kalifornien zeigten, dass Mitarbeiter, die von Chef und Kollegen freundlich behandelt werden, glücklicher und selbstbewusster sind. Und: Wer nett behandelt wird, gibt das nicht nur an den Absender zurück, sondern auch an andere Kollegen weiter, sagt Studienleiter Joseph Chancellor.

Anreize geschickt setzen

Ob "Mitarbeiter des Monats" oder "Bester Verkäufer": Viele Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter durch Auszeichnungen motivieren. Das kann nach hinten losgehen, schreibt Timothy Gubler von der Universität von Kalifornien. Faule Mitarbeiter könnten solche Systeme manipulieren – etwa, indem sie fleißige Arbeit nur vortäuschen. Das wiederum fänden ehrlich motivierte Mitarbeiter so ungerecht, dass ihnen der intrinsische Anreiz verloren gehe. Gublers Tipp: Chefs sollten bei solchen Programmen nicht nur an die Zielgruppe, sondern an alle Mitarbeiter im Unternehmen denken.

Mit Musik kreativer werden

Überraschende Ideen kommen meistens nicht dann, wenn man sie braucht. Man kann ihnen aber auf die Sprünge helfen, schreibt Simone Ritter von der Radboud-Universität. Bei der nächsten kreativen Flaute sollten wir einfach mal Musik hören. Warum? Fröhliche Töne fördern originelle Ideen. Gut geeignet ist demnach zum Beispiel Antonio Vivaldis Violinkonzert Die vier Jahreszeiten. Ob die Inspiration auch mit Pop- und Rocksongs funktioniert, haben die Forscher nicht getestet. Und: Bei logischen Aufgaben hilft Musik nicht weiter.

Tagträume gezielt nutzen

Ihr Chef meckert, weil Sie mit Ihren Gedanken abschweifen? Glaubt man der Forschung Eric Schuhmachers vom Georgia Institute of Technology sind Tagträume aber durchaus sinnvoll – wenn sie zielgerichtet erfolgen. Wer in einem Traum ein neues Projekt durchspielt, hat kreativere Ideen.

Nicht zu viel Fluktuation zulassen

Neue Mitarbeiter sind leistungsbereit und haben frische Ideen. Ein gewisses Maß an Fluktuation ist für Unternehmen daher gut. Das gilt allerdings nicht für junge Firmen, hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung festgestellt. Wenn dort Mitarbeiter ausgetauscht werden, sinkt die Produktivität – und zwar langfristig. Der Grund: Das implizite Wissen, das die ersten Mitarbeiter haben, können Nachfolger kaum aufholen. Zudem ist es für Start-ups oft schwierig, gute Leute anzuwerben. Am besten ist es daher, man hält die alten.

Guten Rat in Ruhe umsetzen

Nur wer die Zeit und Freiheit hat, im Job kreative Ideen umzusetzen, kann vom Feedback von Freunden und Kollegen profitieren. Sonst droht der gute Rat zu verpuffen, warnt Arbeitspsychologe Roy Sijbom von der Universität von Amsterdam. Er empfiehlt Chefs, Feedback-Workshops einzurichten, bei denen Mitarbeiter lernen, wie sie Kritik geben und empfangen können.

An die Richtigen delegieren

Mitarbeiter mit Verantwortung sind motivierter? Nur wenn sie kreativ arbeiten können, glaubt Allan Lee von der Universität von Exeter. Wer hingegen nur Routineaufgaben erledigt, könnte einen eigenverantwortlichen Führungsstil dagegen so interpretieren, dass der Chef nur Arbeit abwälzen will. Und das wirkt demotivierend.

Auf Außenseiter vertrauen

Je mehr Experten zusammenarbeiten, desto besser wird das Ergebnis, könnte man meinen. Falsch. Riitta Katila von der Stanford-Universität hat festgestellt: Unternehmen, bei denen zu viele Insider in Führungspositionen sitzen, sind weniger innovativ. Die Forscherin vermutet, dass Experten mehr auf ihre altbewährte Expertise vertrauen und weniger auf neue Herangehensweisen. Ihr Tipp für die perfekte Mischung: 40 Prozent Experten, 60 Prozent Fachfremde.

Glauben ans Leistungsprinzip bewahren

Wer als Chef eine Stelle neu besetzt, befördert normalerweise den Mitarbeiter mit dem passendsten Profil. Manchmal könne es aber besser sein, einen weniger passenden Kollegen zu wählen, wenn dieser zuvor besonders viel geleistet habe, sagen Daniel Barron und Michael Powell von der Kellogg School of Management. Der Glaube daran, dass Leistung zu Beförderung führe, sei für Mitarbeiter eine zentrale Motivation. Diesen zu erhalten sei manchmal wichtiger, als die perfekte Person auf eine Stelle zu setzen.

Überflieger vor Neidern schützen

High-Performer sind der Traum jedes Chefs. Gerade in kooperativen Unternehmen bekommen sie aber schnell Probleme. Wie Elizabeth Campell von der Carlson School of Management zeigte, können sich normale Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlen und die begabten Kollegen herausekeln. Um das zu verhindern, sollten Chefs die Teams rund um solche Leistungsträger sehr bewusst zusammenstellen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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