Einfache Sätze sind schnell gelernt. Wer aber mit Chinesisch die Karriere beschleunigen will, muss investieren. Ein wenig Geld, viel mehr Zeit – vor allem muss er aber ins Land selbst reisen. Doch der Aufwand lohnt sich.
Es ist schon nach Feierabend, doch am Konfuzius-Institut in der Düsseldorfer Innenstadt geht es jetzt erst richtig los. Im Konferenzraum büffelt eine Lerngruppe vorwiegend junger Leute chinesische Grammatik und Schriftzeichen. Auch in vielen anderen Städten wie Frankfurt, Hannover, Leipzig oder Trier bieten Konfuzius Institute im Auftrag der Pekinger Regierung neben einem umfangreichen Kulturprogramm neuerdings auch Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene; Geschäftsleute können „Business Chinese“ belegen.Doch Vorsicht, die fremde Sprache lässt sich nicht mal eben an ein paar Abendkursen draufschaffen. Diese eignen sich für den Einstieg oder zur Wiederholung des vor Ort in China Gelernten.Das Chinesische arbeitet mit einer anderen Logik als Deutsch, Englisch oder andere westliche Sprachen. Nach verblüffenden Lernerfolgen, die Anfänger dank auf den ersten Blick simpler Grammatik schon während der ersten Kurse erzielen, stehen ambitioniertere Lerner schnell vor einer Sprachmauer, die es zu erklimmen gilt. Zu den Herausforderungen gehören exotische Töne, die westliche Zungen mühsam trainieren müssen, komplexe Schriftzeichen, die nur versteckte Hinweise auf Aussprache oder Bedeutung enthalten und alltägliche Redewendungen, die auf altertümlichen Anekdoten basieren. Warum tun sich junge Leute das an?Eine aufstrebende WirtschaftsspracheDie Gründe, Chinesisch zu lernen, liegen auf der Hand: Es ist die Sprache von 1,3 Milliarden Menschen, die ihren einst rückständigen kommunistischen Staat in ein Wirtschaftswunderland ohne Gleichen verwandelt haben. Bald dürfte China zur zweitgrößten Ökonomie der Erde hinter den USA aufrücken und ist schon jetzt der weltgrößte Automarkt sowie umsatzstärkste Maschinenbaunation. Auf ihrem Weg an die Spitze suchen die Chinesen die Zusammenarbeit mit Ausländern, denen sie nicht nur zu glänzenden Geschäften verhelfen, sondern manchmal auch wertvolles Know-how abjagen.Dieses Risiko bremst jedoch das Engagement deutscher Unternehmen nicht im Geringsten, denn sie bauen ihr China-Geschäft immer weiter aus. So groß ist der Lockruf des Milliardenmarkts, dass China in der Gunst deutscher Investoren ganz oben steht. Nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wollen in diesem Jahr 37 Prozent der heimischen Firmen Geld ins Reich der Mitte stecken.Deshalb suchen Arbeitgeber fähige Ingenieure oder Marketingprofis, aber auch Berater, Steuerexperten, Wirtschaftsprüfer oder Anwälte, die neben Fachkenntnissen vor allem über eine händeringend gesuchte Zusatzqualifikation verfügen sollten: Sie müssen die chinesische Sprache und Schrift beherrschen. Chinesisch verliert damit den Nimbus einer Geheimwissenschaft, beherrscht von wenigen Sinologen, und wird zur zweiten Wirtschaftsweltsprache.
Lebenslanges Lernen, veränderte Anforderungen am Arbeitsplatz, Weiterkommen, Aufsteigen, Kompetenzen erweitern, Mitreden als Quereinsteiger, Lust auf Neues – Gründe für den Blick in die bunten Werbe-Flyer von Bildungsanbietern gibt es viele.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
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Unternehmen aus Zukunftsberufsfeldern decken ihren Fachkräftebedarf am leichtesten in den drei Großstädten, während sie in München und Stuttgart händeringend danach suchen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Langzeitstudie von karriere.de.
Foto: G. Altmann/Pixelio
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