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Spracheninstitut

In Bochum Japanisch lernen

Katharina Sekareva
"Hatschi" heißt "acht": Das Landesspracheninstitut in Bochum setzt in seinen Kursen auf spielerische Methoden.
Japanische Zeitungen verwenden mehr als 2000 ZeichenFoto: © RBSbella - Fotolia.com
Yumi Dohi wirft die Arme hoch und ruft: "Ue!" Die gut 30 Leute, die im Kreis um sie stehen, machen es ihr nach: "Ue!" Dann drücken sie die Arme nach unten und zischen: "Schta!" Jetzt schleichen sie in kleinen Schritten auf Dohi zu und wiederholen mit ihr zusammen beschwörend "na-ka, na-ka, na-ka". Was wie ein Regentanz aussieht, ist in Wirklichkeit die erste Stunde im Japanisch-Grundkurs am Landespracheninstitut der Ruhr-Universität Bochum (LSI). Yumi Dohi ist Japanisch-Lehrerin. "Ue" heißt "oben", "schta" bedeutet "unten" und "na-ka" steht für die "Mitte".Drei Wochen lang werden die Sprachschüler an sechs Tagen pro Woche bis zu sieben Stunden täglich Japanisch pauken. Die meisten werden ihr Wissen in den nächsten Monaten brauchen. Einige gehen für deutsche Firmen nach Japan, viele wollen dort ihr Auslandssemester verbringen. Monika Unkel, Leiterin des Japonicums am LSI, sagt, dass der Kurs nur ein Anfang ist. "Danach können sich die Leute über einfache Themen unterhalten, im Restaurant bestellen und telefonieren." Um eine Zeitung zu lesen, reicht es hingegen noch nicht, denn Zeitungen verwenden mehr als 2000 Kanji-Zeichen.

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Die Kanji kommen aus China und stehen oft für ganze Wörter, während die knapp 100 Schriftzeichen aus den beiden japanischen Silbenalphabeten wie Buchstaben aneinandergereiht werden. Die Schrift ist eine Mischung aus allen drei Zeichensystemen. Monika Unkel schätzt, dass ein gebildeter Japaner etwa 3000 bis 4000 Kanji beherrscht. Eine japanische Word-Version umfasst standardmäßig sogar 6355 Zeichen.Bis dahin ist es für Philipp Böckmann noch ein weiter Weg. "Als ich die Schriftzeichen zum ersten Mal gesehen habe, war ich geschockt", gesteht der 26-jährige Chemiker, der promoviert und sechs Monate lang an der Universität Nagoya forschen wird. "Es ist schwer, mit diesen abstrakten Zeichen eine Bedeutung zu verbinden."Um ihren Schülern einige Assoziationen mit auf den Weg zu geben, legt Lehrerin Dohi eine Zeichnung mit Bergen, Fluss und Wald auf den Overheadprojektor und zeichnet drei senkrechte Striche in den Fluss, zwei kurze und einen langen. Das bedeutet "Kaua" und heißt eben "Fluss". So lernen die Teilnehmer das erste der 120 Kanji-Zeichen, die sie am LSI bewältigen müssen.
Nach zwei Stunden sind Dohis Schüler vom Wirrwarr der kurzen, langen, geschwungenen und eckigen Linien ganz erschlagen. Die Lehrerin muntert sie auf: "Japanisch ist ganz einfach!" Zumindest die Grammatik - kein Plural, keine Artikel, in einem Satz steht das Verb immer am Ende, und sonst ist die Satzstruktur frei wählbar. Doch Monika Unkel weiß, dass Japanisch alles andere als einfach ist. "Das Japanische unterscheidet sich sehr stark von den europäischen Sprachen, es gibt kaum Berührungspunkte. Das und die Schrift bereiten den Anfängern die meisten Schwierigkeiten."
Um den Zugang zum Japanischen zu erleichtern, setzt das LSI auf Abwechslung. Nach einem halben Tag wechseln die Lehrer, in der ersten Stunde singen die Sprachschüler das Alphabet und büffeln die Vokabeln mit bunten Kärtchen. Um die Zahlen zu lernen, stellen sich die Teilnehmer wieder im Kreis auf. Für "itschi", die Eins, fassen sie sich an die Nase, für "ni", die Zwei, machen sie eine Kniebeuge und denken dabei an das englische "knee". Etwas später müssen alle niesen: "Hatschi!" Das heißt in Japan nämlich "acht".Philipp Böckmann gefällt das Konzept. "Hier bist du ständig gefordert und musst mitmachen. Sich wie in Vorlesungen berieseln lassen und einschlafen geht nicht." Zwar ist er am Ende des Tages nach so viel Konzentration ziemlich erschöpft. Seine Hausaufgaben wird er aber trotzdem machen, nach dem Abendessen. Schließlich hat er ein Ziel vor Augen: Im Labor will er mit seinen japanischen Kollegen nicht nur über das Wetter reden können.Deutsche in Asien: Mehr als nur ein ExpatriatArbeiten in Asien: Beste Chancen für deutsche AbsolventenDer Weg nach Asien: Die besten Stipendien, Praktika und Jobs
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2008