Asien

Für die IT-Fortbildung nach Delhi

Tina Groll / Zeit.de
Morgens holt ein Fahrer Eisert und andere Students, wie die internationalen IT-Experten von ihren Trainern genannt werden, in einem klimatisierten Auto ab und fährt ihn zum Schulungszentrum. Abends bringt das Auto sie wieder zurück ins Hotel, wo es nach dem Abendessen mit dem Lernen weitergeht. Dann müssen die Fachkräfte Bücher lesen und sich das Theoriewissen aneignen. Sechs Tage die Woche, denn in Indien ist auch der Samstag ein Werktag. Zum Sightseeing bleibt keine Zeit.Keine Zuschüsse von der Agentur für Arbeit"Das hier ist alles andere als ein Urlaub. Die Inder nennen es nicht umsonst Bootcamp", sagt Peter Eisert. Damit sich der ganze Aufwand lohnt, macht Eisert gleich drei Kurse. Ärgerlich ist für den IT-Experten, dass es keine Zuschüsse von der Agentur für Arbeit gibt. Im Gegenteil, die Agentur hat ihm das Arbeitslosengeld sogar gekürzt. Denn Eisert ist länger als 21 Tage von seinem Wohnort abwesend – und damit hat er keinen Anspruch mehr auf die volle Höhe. Hingegen bekommen seine Kollegen aus Belgien, die den gleichen Kurs gebucht haben, sogar Extrageld von ihrem Arbeitsamt. In Belgien gibt es Weiterbildungszuschüsse – egal, wo die Fortbildung stattfindet.Lohnen sich die anstrengende Reise und die zusätzlichen Kosten denn? Eisert glaubt schon. "In Deutschland würde ich sicher das Dreifache oder mehr bezahlen. Aber man sollte besser vorher schon einmal in Indien gewesen sein, um das hier durchzuhalten", sagt der Entwickler, der Indien bereits mehrfach bereist hat."Diese indische Fortbildung ist wirklich kein Urlaub", sagt Andrew Opten aus London. Gemeinsam mit seinen beiden Kollegen Bocar Mbaie und Lucas Wuarunek ist er für einen fünfwöchigen Kurs nach Neu Delhi gekommen. Auch sie machen gleich drei Schulungen. Für ihren Arbeitgeber, ein großes IT-Unternehmen, ist dies eine günstige Möglichkeit, seine Mitarbeiter weiterzubilden. "Wir drei sind für sehr sensible Netzwerkbereiche in unserem Unternehmen zuständig und es gibt immer wieder Probleme, für deren Lösung wir uns tagelang im Selbstlernprozess neues Wissen aneignen müssen. Das ist nicht effektiv. Zudem stellen wir gerade auf eine andere Software um. Also haben wir unseren Arbeitgeber nach einer Weiterbildung gefragt", erzählt Andrew Opten.In Großbritannien fanden sie zwar Angebote, doch allein für einen viertägigen Kurs hätten sie schon das Fünffache zahlen müssen. Also flogen sie nach Indien. Nun sind sie bereits seit drei Wochen in der indischen Hauptstadt und haben von Indien noch nicht viel gesehen. "Man sitzt ja den ganzen Tag im Computerlabor und hat Einzelunterricht. Es ist sehr intensiv", sagt Bocar Mbaie. Zu Dritt lasse sich das indische IT-Bootcamp allerdings aushalten, sagt Lucas Wuarunek. Der Arbeitgeber belohnt die Qualifizierung nicht nur mit der bezahlten Fortbildung, sondern auch mit einer Gehaltserhöhung für alle drei. "Das motiviert!", sagt Andre Opten.Die Unterkunft lässt zu wünschen übrigAuch wenn die Software und die Technik auf dem neuesten Stand ist und die Trainer zu den fachlich gut qualifizierten IT-Experten des Landes gehören, westlichen Standard kann man von der indischen Weiterbildungsmaßnahme nicht erwarten. Das Hotel ähnelt eher einer Jugendherberge; die Zimmer sind nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Ein Bett, ein Schrank, ein Tisch und immerhin eine Klimaanlage. Auch gibt es W-LAN im Hotel, doch die Verbindung ist langsam. Und manche Europäer leiden unter der Klimaumstellung oder haben Probleme mit dem indischen Essen. Das strengt zusätzlich an.Peter Eisert lässt sich davon nicht abschrecken. Er hofft, am Ende der Fortbildung alle Prüfungen zu bestehen. Seine Jobchancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt schätzt er hinterher als deutlich besser ein. "Vielleicht mache ich mich aber wieder selbstständig. Mit der Technik und den Programmen, die ich hier lerne, stehe ich jedenfalls gut da."(Zuerst erschienen auf Zeit Online)Lesen Sie mehr zum Thema "Fortbildung im Ausland":
InWEnt: Fortbildung im Ausland
Dieser Artikel ist erschienen am 21.05.2010

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