Weiterbildung online

Der persönliche Lehrer im Netz

Stefani Hergert
Der Seminarraum ist Geschichte. Tipps vom Coach gibt es auch online. Viele Jungunternehmer machen daraus ein Geschäft – und helfen den Konzernen, Kosten zu sparen.

Foto: miamiamia/SXC

Egal wo, egal in welcher Zeitzone

Ratschlag und Hilfe vom Wirtschafts-Nobelpreisträger Gary Becker? Für 5000 Dollar in der Stunde ist auch das zu haben. Wann der Ökonom von der Universität Chicago Zeit hat, verrät die Internet-Plattform Expertinsight.com. Freitag nachmittags ist er meist verfügbar. Zeit anklicken und bestätigen – so schnell steht der Gesprächstermin beim Nobelpreisträger.

Damit Becker nicht jedem seine Telefonnummer verraten muss, findet das Gespräch per Videotelefonie statt, das Programm dafür ist auf der Internetseite eingebettet. Das Netz macht's möglich: Via Videokonferenz können Nutzer nicht nur mit Experten wie Becker oder dem „Freakonomics“-Autor Steven Levitt sprechen, sondern auch mit einem Muttersprachler aus Guatemala Spanisch lernen oder Führungsfragen mit dem Coach diskutieren.

Egal wo, egal in welcher Zeitzone – Schüler und Lehrer oder Kunde und Trainer finden virtuell zusammen. Rund um internetbasierte Kommunikationsprogramme wie Skype und Plattformen, die Videogespräche, Chats, digitale Flipcharts und den Austausch von Dokumenten erlauben, sind junge Unternehmen wie die amerikanische Firma Expert Insight oder Glovico aus Deutschland entstanden.

Business Schools als Vorbilder

Vorreiter sind internationale Wirtschaftshochschulen, die ihre weltweit mobile Klientel so erreichen können, aber auch Großkonzerne wie die Lufthansa haben die Möglichkeiten des Internets für die Weiterbildung entdeckt. Sie sparen nun Geld, womit eine Branche neuerdings verdient. Etwa Brandon Adams, der Gründer von Expert Insight. Die Plattform ging Anfang Juli online, rund 130 Fachleute für Seminare hat Adams bisher gewonnen.
 
Nicht alle sind so hochkarätig wie Becker oder Levitt, mit denen er für die Plattform wirbt. Viele Poker-Spieler sind dabei, von denen Anfänger und Erfahrene lernen wollen. Kein Wunder: Adams, der seit acht Jahren an der Harvard Universität lehrt, ist selbst einer der erfolgreichsten Spieler und hat auch bisher schon Nachhilfe gegeben – gegen Honorar, versteht sich. 200 Dollar nimmt er heute je Einzel-Beratungsstunde.

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