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Anreize zum Jobwechsel

Womit sich Unternehmen die Besten angeln

Teil 2: Die Großen des Silicon Valley machen es vor

Nirgendwo hat man das so gut verstanden wie im Silicon Valley. Google, Facebook und Twitter haben hier ihren Sitz, aber auch deutsche Unternehmen wie SAP. Und alle konkurrieren sie um junge, ehrgeizige Mitarbeiter, die reich werden und ganz nach oben kommen wollen und deren Anzahl sehr begrenzt ist.

Allen voran Google. Mutterkonzern Alphabet Inc. hat 72.000 Mitarbeiter, über 10.000 davon im Googleplex in Mountain View. Ihnen schnürt der Internetgigant ein Rundum-Sorglos-Paket: Kostenloses Essen in 30 Restaurants, Massagesessel und Ruheräume, außerdem eine campuseigene Reinigung, ein Friseur und ein Psychologe. Zur Arbeit werden die Mitarbeiter im vollklimatisierten Shuttlebussen mit WLAN gebracht. Es gibt Weiterbildungen, Zeit für eigene Projekte und Yoga. Zuletzt baute Google sogar Wohnungen für seine Angestellten. Nicht zu reden von den exorbitanten Gehältern und Aktienoptionen, die der Suchmaschinenhersteller an seine Mitarbeiter zahlt.

Der schöne Schein trügt: Leistungsdruck und Überstunden

Wer bei Google arbeitet, der hat keine Sorgen mehr. Doch das Leben im Schlaraffenland hat einen Preis: Überstunden, nahezu kein Privatleben. Der Shuttle-Bus fährt morgens zwischen sieben und acht Uhr Richtung Valley, erst zwölf Stunden später geht's zurück. "Es ist wichtig, dass das Unternehmen eine Familie ist, dass die Menschen sich als Teil des Unternehmens fühlen und das Unternehmen wie eine Familie für sie ist", sagte Larry Page, CEO von Alphabet Inc., einmal in einem Interview.

"Neben der lockeren Art und vielen unternehmensinternen Privilegien stehen die USA und deren bekannte Unternehmen für einen rigorosen Leistungsdruck", erklärt Klara Rother von Bonago.

Aber auch Deutschland sei nicht gerade ein Vorbild in Sachen Incentives. "Deutsche Unternehmen verharren meist noch auf einem leistungsbezogenen, monetären Boni der einmal im Jahr nach Steuerabzug ausgeschüttet wird", sagt Rother. Dies betreffe vor allem bestimmte Branchen wie Autobauer oder die Wirtschaftsprüfung.

Ist Schweden das bessere Vorbild?

Wie in den USA wird die Gretchenfrage, wie hältst du es mit der Arbeitszeit, auch hierzulande noch viel zu oft gemieden – anders als beispielsweise in Schweden. Hier hätten viele Unternehmen die Regelarbeitszeit auf sechs Stunden beschränkt und profitieren so von gesünderen und leistungsfähigeren Mitarbeitern. "Auch wenn insgesamt unter Umständen mehr Mitarbeiter eingestellt werden müssen und die Kosten damit zunächst steigen, scheinen die Vorteile, wie geringe Fluktuation und eine gesunkene Anzahl an Krankmeldungen, insgesamt klar zu überwiegen."

Christian Henschel von "Adjust" hat für sich und seine Mitarbeiter einen eigenen Weg gefunden. Nicht so übertrieben wie Google und trotzdem geht es um mehr als nur um Tankgutscheine. Henschel folgt dem Prinzip "Teile und herrsche": Eine Leadership Academy, ein Fitnessstudio und die Finanzierung von MBAs sind ein Teil davon. Kostenloses Obst gibt es sowieso.

Gemeinsame Reisen stärken das Teamwork

Das Highlight der Incentives aber ist die einwöchige Reise, die die 160 Mitarbeiter aus den 12 Büros weltweit jährlich gemeinsam unternehmen – leistungsunabhängig und natürlich auf Kosten ihrer Chefs. 2016 ging es in die Dominikanische Republik, 2017 ist noch geheim.

Bis zu 2000 Euro pro Kopf lässt "Adjust" sich das kosten. Es sei eine Investition, keine Ausgabe. "Leute in einem gefestigten Unternehmen mit konstanter Belegschaft kennen das nicht", erklärt der CEO. "Aber wir wachsen und verändern uns so schnell, da müssen wir sowas machen, damit wir nicht auseinander fallen."

Es ist eine Win-Win-Situation. Im gemeinsamen Urlaub wächst das Team enger zusammen, man mag sich, lernt sich besser kennen. Gleichzeitig fühlen sich die Mitarbeiter wertgeschätzt. Die Reisen tun ihnen gut, Freundschaften und Nähe entstehen. "Wir sehen starke Unterschiede im Teamwork und in der Energie der Mitarbeiter, vor- und nachher", sagt Henschel. Die Effekte seien enorm. Kein Airhockeytisch der Welt kann das.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 14.07.2017
 

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